© Anja Kröll

Interaktiv
12/27/2021

Ein Jahr Impfung – das große Gemeinderanking

Eine Gemeinde im Burgenland sticht besonders hervor. Besonders wenig gestochen wird hingegen in einer kleinen Tiroler Gemeinde – und im Bezirk Braunau.

von Kevin Kada

Am 27. Dezember 2020 wurde der erste Österreicher gegen das Coronavirus geimpft. Das symbolträchtige Bild der Victory-Geste des Wiener Infektiologen Christoph Wenisch ging damals um die Welt.

Seitdem wurden insgesamt 16.213.672 Impfdosen verabreicht. Etwas mehr als 70 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher haben inzwischen ein gültiges Impfzertifikat. 

Doch manche Gemeinden im Land tun sich bei der Impfung ihrer Bevölkerung schwerer als andere. Bereits im Sommer, mit damals gerade einmal knapp 29 Prozent Durchimpfungsrate, war Stall im Mölltal (Kärnten) die am wenigsten geimpfte Gemeinde Österreichs. Für Bürgermeister Peter Ebner (SPÖ) kein Wunder, wie er damals dem KURIER erzählte: "Ja, wen wundert’s? Wir hatten sehr viele alte Leute mit Komplikationen nach der Impfung, so was macht halt die Runde." 

Vier Monate später ist die Impfquote in seinem Ort zwar gestiegen, liegt aber immer noch am unteren Ende aller Gemeinden in Österreich. Knapp über 41,97 Prozent (Stand: 26. Dezember) seiner Gemeinde haben einen vollständigen Impfschutz (1. und 2. Impfung). Überhaupt nur knapp über 15 Prozent der 1.500-Einwohner-Gemeinde haben eine Booster-Impfung bekommen, nur 45 Prozent einen Erststich.

Auf abermalige KURIER-Nachfrage wimmelte Ebner diesmal am Telefon aber nur ab. "Kommst zu mir ins Gemeindeamt, dann reden wir darüber. Am Telefon funktioniert das nicht." 

Eine in Summe schlechtere Impfquote weist nur mehr die Tiroler Gemeinde Jungholz auf. 302 Seelen zählt der Ort im Tannheimer Tal. Rund 40 Prozent (40,07) der Bevölkerung haben Erst- und Zweitstich erhalten. Einmal geimpft sind 41,3 Prozent. Auffällig: Wer sich einmal impfen hat lassen - 125 Personen - ist auch zum Zweit- (119) und Drittstich bereit (99 Menschen haben den Booster-Shot erhalten).

Am anderen, dem positiven Ende des Spektrums in Sachen Impfung steht die Gemeinde Kleinmürbisch im Burgenland.

Mit fast 89 Prozent Erst- und knapp 85 Prozent Zweitstichen ist die kleine Gemeinde im Südburgenland die am meisten geimpfte Gemeinde des Landes. Für den Bürgermeister der 235-Einwohner-Gemeinde, Martin Frühwirth (SPÖ), ist dieser "Titel" kein Selbstläufer", wie er zum KURIER sagt: "Wir sind als Gemeinde aktiv an die Bürger herangetreten und haben ihnen bei der Anmeldung für die Impfung geholfen. Und wir haben auch stets ausreichend informiert."

Gerade bei den älteren Generationen in der Gemeinde, die entweder kein Internet haben oder sich kaum damit auskennen, sei die Hilfe durch das Gemeindeamt gut angekommen, so Frühwirth: "Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die Leute in das Gemeindeamt kommen oder anrufen sollen und wir ihnen helfen. Zudem haben wir zwei Hausärzte in der Gemeinde, die brennende Impfbefürworter sind, und das hilft auch." 

Multiplikator dank Mundpropaganda

Durch die Hausärzte und die Gemeinde konnte den Kleinmürbischern auch die Angst vor der Impfung genommen werden, wie der Bürgermeister erzählt: "Das wirkt dann als Multiplikator. Dem einen wird die Angst genommen und der erzählt das dann seinen Bekannten, die vielleicht auch vor der Impfung Angst hatten. Und so bringst du dann die Leute zur Impfung."

Der burgenländischen Impflotterie, die von Frühwirths Parteikollegen und Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil initiiert wurde, misst der Bürgermeister nicht allzu große Bedeutung in der Durchimpfung bei. Aber: "Es hat geholfen, dass die Bürgerinnen und Bürger über die Impfung reden und sich informieren."

Mit Corona-Leugnern habe es Frühwirth übrigens in seiner Gemeinde nicht zu tun. Allerdings mit Impfverweigerern, wie er bestätigt: "Die stehen alle dann da und schreien laut. Aber das ist ein verschwindend geringer Anteil an der Gemeinde."

Suchen Sie nach Ihrer Gemeinde und sehen Sie die Impfquote von Erst-, Zweit- und Drittstich im Vergleich: 

Von den beiden Gemeinden zu den Bezirken zeigt sich zumindest in einem Bereich ein klares Bild: Nicht nur die am meisten durchgeimpfte Gemeinde, sondern auch der Bezirk mit der höchsten Impfquote liegt im Burgenland. In Oberpullendorf haben knapp über 78 Prozent der Bevölkerung ein gültiges Impfzertifikat. Dicht gefolgt übrigens von Mistelbach (Niederösterreich) mit ebenfalls knapp über 78 Prozent und dem NÖ-Bezirk Mödling (77,82 Prozent).

Die niedrigste Impfquote unter den Bezirken hat Braunau in Oberösterreich. Dort haben nur knapp über 59 Prozent der Bürgerinnen und Bürger ein gültiges Impfzertifikat. Und dieser niedrige Wert hatte für den Bezirk in den vergangenen Monaten seit Pandemiebeginn auch schon drei Mal einen weiteren Effekt: Ausfahrtskontrollen aus dem Bezirk. 

Warum die Impfquote in Braunau so niedrig ist, erklärt sich unter anderem mit impfskeptischen Hausärzten. Josef Leimer, Sprecher der Bürgermeister des Bezirks, kennt das Problem: Der ÖVP-Politiker weiß von "einigen Ärzten", die etwa raten, lieber auf den Totimpfstoff zu warten. Laut Leimer ist die Ärztekammer bereits aktiv geworden: "Das dürfte gefruchtet haben." Der eine oder andere Arzt, der bisher nicht geimpft hat, sei dazu jetzt bereit. 

Mehr zu den Corona-Werten der Bezirke in Österreich lesen Sie hier.

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