© APA/dpa/Stephan Jansen

Chronik Oberösterreich
12/16/2021

Braunau: Zu viele Hausärzte sind Impfgegner

Impfgegner unter Medizinern sind für Oberösterreichs Ärztekammer-Präsident ein "Dorn im Auge" – und tragen Mitschuld an niedriger Impfquote.

von Gerhard Marschall und Petra Stacher

58,10 Prozent der Bevölkerung besitzen im Bezirk Braunau ein gültiges Impfzertifikat. Damit ist die Impfrate um knapp zehn Prozent geringer als in Österreich allgemein. Weshalb hinkt der Bezirk beim Impfen so beharrlich hinterher?

Eine Antwort mag just bei jener Berufsgruppe zu finden sein, der eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung der Pandemie zukommt: den Hausärzten. Vieles deutet darauf hin, dass im Westen Oberösterreichs der Anteil der deklarierten Impfgegner unter den Medizinern deutlich größer ist als anderswo.

Dunkelziffer ungewiss

Josef Leimer, Sprecher der Bürgermeister des Bezirks, kennt das Problem: Der ÖVP-Politiker weiß von "einigen Ärzten", die etwa raten, lieber auf den Totimpfstoff zu warten. Laut Leimer ist die Ärztekammer bereits aktiv geworden: "Das dürfte gefruchtet haben." Der eine oder andere Arzt, der bisher nicht geimpft hat, sei dazu jetzt bereit.

Wie viele Hausärzte im Bezirk die Impfung ablehnen, ist unklar. Zumindest acht haben sich offen dazu bekannt. Die Dunkelziffer sei gewiss höher, sagt ein Insider. Mittlerweile kursiert die Zahl von 20. Bei rund 50 niedergelassenen Ärzten im Bezirk wären das 40 Prozent. Fakt ist, dass Braunaus Bürgermeister Johannes Waidbacher (ÖVP) die Ärztekammer auf die Brisanz des Problems hingewiesen hat.

Niedriger Prozentsatz

"Dieses Problem ist eingegangen", bestätigt Peter Niedermoser, Oberösterreichs Ärztekammer-Präsident. Wie viele Ärzte ihm "ein Dorn im Auge" sind, wollte auch er nicht sagen, nur so viel: "Wir haben 1.200 Kassenärzte und es betrifft nur einen ganz niedrigen einstelligen Prozentsatz." Gegen jene Fälle mit handfesten Beweisen gebe es eine rechtliche Vorgehensweise. Niedermoser betont jedoch, dass die Mehrheit der Hausärzte eine hervorragende Arbeit leiste.

Bereits im September ergriffen 27 Ärzte im Bezirk die Initiative, um die offenkundigen Lücken in den eigenen Reihen zu schließen. Sie erklärten sich bereit, auch praxisfremde Personen zu impfen. Somit gebe es ab sofort eine flächendeckende Möglichkeit zum Impfen, wurde die Aktion begründet. "Am Angebot liegt es also nicht", sagte damals Bezirksärztevertreter Clemens Schwarz.

Aktuell läuft im Bezirk Braunau ein nächste Offensive der Gemeinden mit impfwilligen Ärzten, die sich außerhalb ihrer Ordinationszeiten zur Verfügung stellen. Ihnen werden zur Entlastung Räume zur Verfügung gestellt und administrative Arbeiten, etwa bei der Anmeldung, abgenommen. "Wir möchten das Schlusslicht anbringen", sagt Bürgermeistersprecher Leimer.

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