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Chronik Wien

Niedergelassene Mediziner sehen sich wegen Corona vor vielen Hindernissen

Allgemeinmedizinerin Kamaleyan-Schmied: "Jeder Patient braucht viel mehr Zeit".

11/25/2021, 01:34 PM

Die Covid-19-Pandemie sorgt nicht nur in Spit√§lern, sondern auch bei niedergelassenen √Ąrzten f√ľr Hindernisse. "Jeder Patient braucht viel mehr Zeit", sagte Allgemeinmedizinerin Naghme Kamaleyan-Schmied bei einer Pressekonferenz der √Ąrztekammer am Donnerstag. Niedergelassene Mediziner forderten unter anderem ein Parkpickerl f√ľr √Ąrzte in Wien sowie ein Dispensierrecht - sodass √Ąrzte ihren Patienten Medikamente geben k√∂nnen -, um den neuen Alltag in ihren Praxen zu erleichtern.

Auch am Land und in der H√∂he sei man mit Covid-19 gut ausgelastet, stellte der Tiroler Arzt Edgar Wutscher fest, denn Allgemeinmediziner √ľbernehmen die Betreuung von 90 Prozent der Corona-Positiven. Dadurch hat sich auch die Arbeitsweise ver√§ndert. Viele Patientinnen und Patienten h√§tten Angst vor Covid oder der Impfung dagegen. "Jeder Patient braucht viel mehr Zeit", erkl√§rte Kamaleyan-Schmied, die in Wien-Floridsdorf eine Ordination betreibt. Gespr√§che - etwa Impfaufkl√§rungen - seien von gro√üer Bedeutung. Auch Long Covid-Patienten w√ľrden mit ihren langwierigen Erkrankungen viel Zeit ben√∂tigen. Die √Ąrztin erkennt au√üerdem eine Zunahme an Depressionen.

Sie kritisierte, dass l√§ngere Gespr√§che mit Patientinnen und Patienten limitiert sind - nur zwei von zehn k√∂nne sie laut Kasse beraten. Auch Impfberatungen seien im Honorarsystem nicht sichtbar. F√ľr Hausbesuche fordert sie die M√∂glichkeit eines Parkpickerls f√ľr √Ąrzte in Wien. "Die Einf√ľhrung des Dispensierrechts ist ein Muss", appellierte Wutscher. Kranke, m√∂glicherweise bettl√§gerige Menschen sollten ihre Medikamente vom Arzt oder von der √Ąrztin bekommen k√∂nnen und keine weiten Wege bis in die Apotheke mehr zur√ľcklegen m√ľssen. F√ľr Covid-Patienten sei das sowieso unm√∂glich. √Ąrztekammer-Vizepr√§sident Johannes Steinhart fordert au√üerdem, die Elektronische Gesundheitsakte ELGA zu stabilisieren, die zuletzt "genau dann abgest√ľrzt ist, als es am unangenehmsten war" - n√§mlich, als wegen der Einf√ľhrung von 2-G wieder mehr geimpft wurde.

Vorsorgetermine wahrnehmen

Auch die Organisation der Arztpraxen hat sich gewandelt. "Wir haben uns ver√§ndert, damit unsere Patienten sicher sind", sagte Kamaleyan-Schmied. Fr√ľher seien Patienten gekommen, wenn sie sich krank gef√ľhlt h√§tten, nun betreibe man viel Terminmanagement. Rezeptbestellungen per Telefon oder Email, ein R√ľckrufservice und Terminvereinbarungen auf der Website st√ľnden hoch im Kurs. Patienten mit anderen Erkrankungen rieten die √Ąrzte, trotz Covid Vorsorge- und Kontrolltermine wahrzunehmen, diese k√∂nne man trotz Pandemie gut und sicher versorgen. "Jede Erkrankung, die wir erkennen und therapieren k√∂nnen, ist ein dringend notwendiger Betrag, um die Spit√§ler zu entlasten", bekundete Steinhart.

Die Mediziner wiesen au√üerdem auf die hohe Wirksamkeit der Impfung hin, √ľber die sie ihre Patienten immer wieder aufkl√§ren. "Unsinnigen Therapievorschl√§gen", etwa mit dem Entwurmungs-Mittel Ivermectin, erteilte Wutscher auch im Hinblick auf dadurch verursachte Vergiftungen eine "unbedingte Absage".

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