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Chronik Österreich
08/17/2020

Als plötzlich alle in Kroatien waren: Lange Wartezeiten bei Gratis-Tests

Menschen, die aus Kroatien zurückkehrten, und auch solche, die das nur behaupten, wollten am Montag auf Nummer sicher gehen und das gratis Testangebot nutzen.

von Markus Strohmayer, Johannes Weichhart, Konstantin Auer, Christian Willim, Julia Schrenk

Wie viele Wiener waren in den vergangen zwei Wochen eigentlich in Kroatien?

Diese Frage stellt sich beim Anblick der Menschenmassen, die vor dem Ernst-Happel-Stadion auf einen Corona-Test warten, unweigerlich. Vom Vorplatz des Stadions, wo das Test-Zelt der Berufsrettung steht, reicht die zweispurige Autokolonne am Montagvormittag bis zu Prater Hauptallee zurück. In die andere Richtung stehen hunderte Fußgänger wie aufgefädelt. Sie alle wollen die kostenlosen Corona-Tests nutzen, die Kroatien-Rückkehrern in Wien noch bis Freitag zur Verfügung stehen.

Denn das Adrialand gilt seit Montag als Risikogebiet. Das bedeutet, dass Rückkehrer bei der Einreise nach Österreich einen negativen PCR-Test vorweisen müssen. Ist dieser nicht vorhanden, muss er innerhalb von 48 Stunden nachgereicht werden – bis dahin gilt die Heimquarantäne. Alle, die vor Montag aus Kroatien zurück nach Österreich gereist sind, ersparen sich dieses Prozedere.

Für alle, die innerhalb der vergangenen 14 Tage in Kroatien waren, bieten Wien, Niederösterreich, Tirol und Vorarlberg jetzt gratis Tests an – um auch bei diesen Personen auf Nummer sicher zu gehen.

Eine davon steht am Montag seit zwei Stunden in der Schlange. Doch diese Wartezeit nimmt die Wiener Lehrerin in Kauf, wenn sie dann Gewissheit hat. Wirklich Sorgen macht sie sich aber nicht: „Ich war auf der Insel Hvar, dort waren die Maßnahmen strenger als davor am Ossiacher See.“ Der Urlaub der 33-Jährigen war schon vor der Reisewarnung zu Ende, sonst hätte sie früher abgebrochen, wie sie meint.

Weniger Glück hatte eine fünfköpfige Familie, die sich in der Innsbrucker Olympiahalle testen lässt. Zwar sind die Wartezeiten dort kürzer als in der Bundeshauptstadt, dafür war es aber auch der Urlaub. Nicht einmal vier Tage war die Familie in Kroatien, dann wurde der zweiwöchige Trip beendet.Schnell musste es auch in St. Pölten gehen. Binnen weniger Stunden wurde die Drive-in-Teststation in der Landeshauptstadt wieder hochgefahren.

Zum Start um 12 Uhr bildet sich bereits eine lange Autoschlange. „Wir haben 63 Mitarbeiter abgestellt, die sich nur um die Anrufer bei 1450 kümmern. 1.600 Telefonate wurden bislang geführt, Kroatien dürfte heuer sehr begehrt gewesen sein“, berichtet Christof Constantin Chwojka, Geschäftsführer von Notruf 144 Niederösterreich.

Um dem Ansturm gerecht zu werden, sollen zwei weitere Teststationen in Amstetten und Münchendorf eröffnet werden. Die Getesteten bleiben ob der Wartezeiten übrigens gelassen. „Beim Burger King habe ich kürzlich länger gewartet“, berichtet ein junger Mostviertler mit einem Schmunzeln.

„Nicht dramatisch“

Lange Wartezeiten an den Grenzen bei der Einreise nach Österreich bleiben am Montag aus. Vorm Karawankentunnel nur kurze Rückstaus, in Spielfeld wartet man maximal eine Stunde und auch in Nickelsdorf ist die Situation laut Harald Lasser vom ÖAMTC „nicht dramatisch“.

Manch Reisender schafft es in der Nacht auf Montag allerdings nicht mehr vor Eintritt Reisewarnung um Mitternacht über die Grenze und muss nun bis zum negativen Testergebnis in Quarantäne. Allerdings wollen diese Reisenden laut ÖAMTC den Urlaub wohl „bis zur letzten Minute ausreizen“. Für die weitere Woche sei zu erwarten, dass die Lage ruhig bleibe. Längere Kolonnen könnte es aber am Wochenende geben, wenn vermehrt Deutsche und Niederländer in den Norden aufbrechen.

Mehr als 1.000 Tests in zwei Tagen

Apropos Kolonnen, in Wien wurden am Sonntag 698 Personen getestet, Montag bis 16 Uhr 750. Wie viele positiv waren, wird sich zeigen: die Auswertung dauert bis zu 48 Stunden. Dass sich beim Stadion auch Menschen anstellen, die nicht aus dem Kroatien-Urlaub zurückgekehrt sind, nimmt die Stadt Wien in Kauf: „Lieber ein Mal zu viel getestet, als ein Mal zu wenig“, heißt es aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Immerhin zeige jeder, der sich testen lässt, „Verantwortungsbewusstsein.“

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