© Fremd/Christandl Jürg

06/09/2021

Sommerfeste wollen wieder groß da sein

Trotz jüngster und angekündigter Lockerungen ist die Liste der Absagen bei großen Veranstaltungen lang.

von Marlene Penz, Markus Foschum, Wolfgang Atzenhofer

Beim Heurigen hat der Neustart nach dem Lockdown gut funktioniert, doch die Winzer aus Tattendorf (Bezirk Baden) wollen sich und ihren Gästen eine Öffnung im XL-Format einschenken. Vom 1. bis 11. Juli lädt man nach einem Jahr Pause wieder zum Großheurigen. „Wir sind die Ersten in der Region, die sich drübertrauen“, sagt Winzer Andreas Heggenberger nicht ohne Stolz und er ist überzeugt, dass auch eine solche Großveranstaltung funktionieren kann. „Wir haben ein Konzept ausgearbeitet und mit einer Auslastung von 75 Prozent und Sperrstunde um 24 Uhr können wir gut umgehen“, sagt Heggenberger.

Rund 1.800 Gäste sind so täglich möglich, an den Eingängen sollen Security die 3-G-Regel kontrollieren und auf den Sitzplätzen muss man sich registrieren. „Das funktioniert auch im Heurigenlokal problemlos“, sagt Heggenberger. Ansonsten soll es ein „Großheuriger wie damals“ mit Wein, Musik und Schmankerl werden. Nur das Stehachterl an der Schank ist (derzeit noch) nicht coronakonform, aber bei den Vorschriften „kann es nur noch besser werden“.

Alternative Heurigendorf

Beim Mitbewerb gibt man sich noch vorsichtiger. In Pfaffstätten etwa, wo seit 1954 der größte Großheurige Österreichs stattfindet, wird heuer wie schon im Vorjahr coronabedingt pausiert. Die Zugangsbeschränkungen und 3.000 Sitzplätze zu kontrollieren, sei zu aufwendig. Dafür lädt man vom 5. bis 15. August zum Heurigendorf mit Aktivitäten bei den einzelnen Heurigenbetrieben und auch die öffentlichen Flächen vor den Lokalen sollen miteinbezogen werden, sagt Bürgermeister Christoph Kainz. Er ist derzeit auch in Gesprächen, ob und wie die Genussmeile mit Tausenden Besuchern in den Weingärten zwischen Perchtoldsdorf und Bad Vöslau im Spätsommer stattfinden kann. Einen Termin gibt es mit 4. bis 5. und 11. bis 12. September schon, ob die „längste Schank der Welt“ tatsächlich durchgeführt wird, soll schon bald entschieden werden, so Kainz.

Bierige Spekulation

„Wir pokern volle Wäsche“, sagt Martin Zizka vom Organisatorenteam des Weitraer Bierkirtags im Bezirk Gmünd. Bereits am 17. und 18. Juli soll das zünftige Fest in der Braustadt über die Bühne gehen. Man spekuliert darauf, dass die Abstandsregeln fallen und man bis dahin auch keine zugewiesenen Sitzplätze braucht. Dass die 3G-Regel bleiben wird, haben die Organisatoren hingegen einkalkuliert. „Wir werden die Stadt abriegeln und an den Eingängen Ordner platzieren“, erklärt Zizka. Für Getestete, Geimpfte und Genesene gibt es nach der Kontrolle ein Eintrittsband und damit Einlass zum Kirtag am Hauptplatz in der Altstadt, die über Tore begehbar ist. Rund 1.500 Besucher zieht das Fest mit Bierkrugstemmen, Kür der Hopfenprinzessin und Co. jährlich an (außer im Vorjahr). Heuer rechnet man mit „mindestens so vielen“. „Wir sind froh, dass wir die Security haben, die Leute dürsten nachdem es so lange nichts gab nach so einem Event“, ist Zizka überzeugt. Sollte es anders kommen, als es sich die Organisatoren in Weitra vorstellen, dann wird kurzerhand abgesagt. „Zugewiesene Sitzplätze sind logistisch unmöglich“, meint Zizka.

Während man in Weitra pokert, lässt man sich beim Wachauer Volksfest in Krems noch etwas Zeit mit der finalen Entscheidung – die hat man ja auch – als Termin wird 26. August bis 5. September angepeilt. Bis kommender Woche soll jedoch klar sein, ob das Event mit rund 120.000 Besuchern stattfindet, heißt es auf KURIER Nachfrage.

Rotes Kreuz wartet auf neue Rahmenbedingungen für Feste

Über mangelnde Beschäftigung hatten die Hilfsorganisationen in den vergangenen Monaten wahrlich nicht zu klagen. Die Durchführung der sommerlichen Rettungsfeste gehörte allerdings nicht dazu. Genaue Pläne, wie und ob das heuer stattfinden kann, gibt es noch nicht. Man warte derzeit ab, unter welchen Rahmenbedingungen derartige Veranstaltungen im Sommer stattfinden könnten, heißt es dazu vom Roten Kreuz NÖ.  Es gelte auch, Aufwand und Nutzen abzuwägen. Denn wenn die coronabedingten Vorschriften zu mehr organisatorischem Einsatz aber gleichzeitig zu weniger Besuch und damit zu weniger Einnahmen führen, sei das nicht zielführend. 

Nicht zu verantworten

Ein gutes Beispiel ist das Triestingtaler Volksfest in Berndorf (Bezirk Baden), das seit 1967 alljährlich Highlight und Besuchermagnet in der Region ist. Heuer konnte es allerdings bereits zum zweiten Mal in Folge nicht stattfinden, was für den Veranstalter, das Rote Kreuz, nicht nur wegen der enttäuschten Besucher, sondern auch wegen des Einnahmenentgangs einen herben Verlust darstellt. 

„Es tut extrem weh“, sagt dazu Rot-Kreuz-Geschäftsführer Erich Gruber, aber an eine Durchführung sei nicht zu denken gewesen. Noch dazu, weil die Organisation  sehr viel Zusatzarbeit darstelle und die „vergangenen 15 Monate nicht ohne Spur an uns vorüber gegangen sind“, so Gruber. Rund 1.000 Besucher seien es an einem „normalen“ Volksfest-Tag und dafür „kann ich nicht die Verantwortung übernehmen“, meint er. Infektionen ausgerechnet bei einem Rot-Kreuz-Fest seien ein zu großes Risiko. Derzeit arbeitet man aber bereits an den Vorbereitungen für das Volksfest 2022.

Licht am Ende des Tunnels für die Feuerwehrfeste ab Juli

Momentan ist es den Feuerwehren noch untersagt Feste zu veranstalten, doch Niederösterreichs Landeskommandant Dietmar Fahrafellner sieht Licht am Ende des Tunnels.

„Sollten die Lockerungen mit 1. Juli so verordnet werden, wie sie derzeit angekündigt werden, dann steht auch den Feuerwehrfesten nichts im Wege. Wir haben eine entsprechende Vorinformation an unsere Wehren ausgeschickt. Ich bin  optimistisch“, sagt Fahrafellner.  „Voraussetzung wird sein, dass wir uns als Veranstalter  ganz exakt an die Vorgaben des Ministeriums halten“, sagt der Landeskommandant. Die Feuerwehren, die vor der Corona-Pandemie ihren Betrieb  und die Anschaffungen maßgeblich  über Veranstaltungen verdienten, müssten schließlich auch ihre Finanzierung im Auge behalten, so Fahrafellner. Die ganz großen Feste  werde es  heuer nicht mehr geben, doch auch im kleineren Rahmen könnten gesellige Ereignisse stattfinden, kündigt er an.  Fahrafellner hatte während der Pandemie oftmals darauf hingewiesen, dass neben den ausgefallenen Übungen auch die Absage der Feste schmerzliche Einschränkungen im Feuerwehrwesen seien.

Die großen Leistungsbewerbe im Sommer, hingegen  hat der NÖ Feuerwehrverband unwiderruflich abgesagt. Kleinere Wettbewerbe, wie beispielsweise der  Funkleistungsbewerb oder Jugendbewerbe wurden in den Herbst verschoben und können nach jetziger Sicht wahrscheinlich auch  stattfinden, kündigt Fahrafellner für die zweite Jahreshälfte an.

Weil es auch für die Feuerwehren im ersten Halbjahr 2021  massive finanzielle Ausfälle gab, wurden vom Bund nochmals Zuschüsse aus dem NPO-Unterstützungsfonds zugesagt.

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