ÖBB-Flughafenspange: Bürgerinitiativen hoffen noch auf Umdenken

Symbolbild: ÖBB-Lok
Verbindung zwischen Bruck an der Leitha und dem Airport Wien soll den Osten Österreichs besser anbinden. Anrainer protestieren.

Kürzere Fahrzeiten durch eine direkte Anbindung aus der Region um Bruck an der Leitha an den Flughafen und die Stadt Wien: Das versprechen die ÖBB mit dem Bau der sogenannten "Flughafenspange" im Bezirk Bruck an der Leitha. Seit 2015 laufen die Planungen dafür, aktuell steht die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) bevor, mit einem Baubeginn rechnen die Bundesbahnen im Jahr 2027. Auch das Burgenland soll dann besser an den Airport Wien angebunden werden. Doch die Proteste gegen das Projekt aus der Region wollen nicht abreißen.

"Hohe Dringlichkeit"

Mehrere Bürgerinitiativen haben sich in der ARGE Bahn Trautmannsdorf zusammengeschlossen. "Unser Ziel ist es, eine Neubewertung bzw. Neuplanung noch vor der UVP zu erreichen", sagt ARGE-Vertreter Josef Witzani. "Die Angelegenheit hat deshalb aus unserer Sicht eine hohe Dringlichkeit." Anfragen bezüglich Gesprächsterminen bei Verkehrsministerin Leonore Gewessler und Vizekanzler Werner Kogler seien bislang jedoch unbeantwortet geblieben.

Die aktuell geplante Trassenführung zerschneide wertvolles Ackerland und verursache unnötigen Bodenverbrauch, wird argumentiert. "Unsere Gegend ist infrastrukturmäßig schon gut ausgebaut, anderswo in Niederösterreich gäbe es viel mehr Ausbaubedarf, wo die Pendler viel mehr davon hätten", ist Karl Havlicek, Obmann Vereins „Dorf-Aktiv", überzeugt. Schon jetzt sei die Region durch Fluglärm und zunehmenden Lkw-Verkehr immer stärker belastet.

Landwirte fürchten um ihre Äcker

Im Übrigen würden durch die Flughafenspange "die Lebenspläne vieler Bauern über den Haufen geworfen", ärgert sich Havlicek. Was Christian Mayer, betroffener Landwirt aus Trautmannsdorf, im Gespräch mit dem KURIER bestätigt. "Unsere Großväter waren damals stolz, dass sie die Flächen hier bekommen haben und jetzt wird das alles von der Bahnstrecke durchschnitten", sagt er.

"Es wird für uns dadurch viel schwieriger, zu unseren Äckern zu kommen. Das bedeutet mehr Zeit und mehr Spritverbrauch", so Mayer. Laut der aktuellen Pläne müsse er nach Bau der Flughafenspange unter anderem eine Brücke mit seinem 18 Tonnen schweren landwirtschaftlichen Gefährt überqueren. Hinzu komme die Verbauung wertvollen Ackerlandes: „Bessere Böden als hier gibt es fast gar nicht. Und unseren Mehraufwand zahlt uns keiner, das geht aber über Generationen."

Sorge um Betrieb

So plane Mayers Tochter, den Betrieb zu übernehmen. "Es wird ihr aber von Anfang an schwerer gemacht. Sie möchte gerne auf Pferdewirtschaft umstellen, aber wie das neben einer geplanten Bahn-Unterführung gehen soll, weiß ich nicht", so Mayer. Man sei dafür erst unlängst eigens auf einen ruhiger gelegenen Grund außerhalb der Ortschaft übersiedelt, der nun an der neuen Bahntrasse liegen würde.

Franz Schmitzhofer, Altbürgermeister von Bruckneudorf, kritisiert: "Bis jetzt ist vieles totgeschwiegen worden." Durch eine Untertunnelung werde eine historische Parkanlage im Ort teilweise zerstört, Rad- und Fußwege seien ebenfalls unzureichend geplant. Die angebotene Verkehrslösung sei zum Nachteil der Gemeinde, findet Schmitzhofer. 

"Diese Milliardeninvestition geht unseres Erachtens völlig am Ziel vorbei, diese Variante der Anbindung an den Flughafen Wien ist die denkbar ungünstigste", meint Rudolf Maurer von der ARGE Bahn. Man fordert, anstelle der Flughafenspange in die Modernisierung von bereits bestehenden Bahnlinien zu investieren - etwa in einen Vollausbau der S7 nach Bratislava - und "Lärmschutzmaßnahmen nach neuestem Stand, insbesondere an der Ostbahn" zu errichten. 

ÖBB-Flughafenspange: Bürgerinitiativen hoffen noch auf Umdenken

Auch seitens der betroffenen Gemeinden hatte es zu Beginn der Planungen massive Bedenken gegen das Projekt gegeben. Von den ÖBB wurden die Gemeindevertreter zu einem Runden Tisch eingeladen, an dem über gewünschte Abänderungen des Projektes verhandelt wurde. Mit dem Ergebnis sei man nun großteils zufrieden, meint etwa Fischamends Bürgermeister Thomas Ram (Liste RAM): „Wir konnten einiges für die Region erreichen.“ Die Schnellbahn S7 werde ausgebaut, der öffentliche Verkehr in Richtung Wien damit verbessert. Man wünsche sich nun vor allem noch Lärmschutz- und Begrünungsmaßnahmen.

"Können es nicht verhindern"

Amtskollege Johann Laa (ÖVP) in Trautmannsdorf stellt klar, grundsätzlich „ein Gegner dieses Projekts" zu sein. Sicher sei aber auch: "Wir können es nicht verhindern, daher verhandeln wir.“ Das Gesprächsklima sei in den Arbeitskreisen sei gut, so Laa. Man habe einen Forderungskatalog mit mehr als 40 Punkten aufgestellt, der von den ÖBB bereits zum Teil erfüllt worden sei.

Weniger zufrieden sind allerdings die Vertreter der ARGE Bahn. Der Runde Tisch sei "intransparent", man verhandle "hinter verschlossenen Türen", die Protokolle der Sitzungen seien öffentlich nicht bekannt, kritisiert Witzani.

"Größtmöglicher Nutzen"

Seitens der ÖBB versichert man: "Ziel ist es, die nachteiligen Wirkungen eines solchen Infrastrukturprojekts für die betroffenen Gemeinden so gut wie möglich zu vermindern und den größtmöglichen Nutzen zu ermöglichen." Und man betont die Vorteile für die Region: So werde der zweigleisige Ausbau der S7 bis Fischamend die technischen Voraussetzungen für vier Züge pro Stunde schaffen. Die Verlängerung der Linie S7 aus und nach Wien Rennweg vom Flughafen weiter bis Bruck/Leitha sei vorgesehen. Eine Option gebe es für eine weitere Verlängerung bis Hegyeshalom oder Neusiedl am See.

Durch das Auflassen einiger Eisenbahnkreuzungen im Zuge des Projektes werde das Pfeifen der Züge in Zukunft nicht mehr erforderlich sein. Die Begradigung der derzeit engen Gleisbögen bei Fischamend solle nach Fertigstellung der Arbeiten störende Quietschgeräusche eliminieren.

Für Pendler zum Flughafen und nach Wien bedeute die Flughafenspange "ein Mehr an Komfort". Geplant ist unter anderem ein zusätzlicher Regionalbahnhof in Enzersdorf an der Fischa inklusive einer möglichen Park&Ride-Anlage. Die neue direkte Verbindung ermögliche zwischen Bruck an der Leitha und dem Flughafen Wien eine Fahrzeit von etwa 15 Minuten und von etwa 30 Minuten zwischen Neusiedl am See und dem Flughafen.

Die Bauarbeiten für das Projekt werden voraussichtlich 2027 beginnen. Aus heutiger Sicht geht man von einer Gesamtfertigstellung im Jahr 2033 aus. 

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