„Wir haben diese Wahl gewonnen. Daher stellen wir auch den Bürgermeister-Anspruch.“ Werner Herbert lässt keinen Zweifel daran, dass die FPÖ in Enzersdorf an der Fischa (Bezirk Bruck an der Leitha) die Führungsrolle im Gemeindeamt übernehmen möchte.
Der bisherige Vizebürgermeister hat den Koalitionspartner ÖVP am Sonntag klar hinter sich gelassen. Waren die Blauen zuvor mit rund zehn Prozent der Stimmen Juniorpartner in der Zusammenarbeit, liegen sie nun mit satten 35 Prozent deutlich vor der Volkspartei, die ein Debakel erlitt und von rund 45 auf 27 Prozent zurückfiel.
ÖVP-Streit
Grund dafür waren Querelen zwischen Bürgermeister Markus Plöchl und seinen Parteikollegen. „Ich durfte nicht mehr als Spitzenkandidat antreten. Mein Nachfolger hat jetzt dieses grandiose Ergebnis erzielt“, so Plöchl nicht ohne Schadenfreude.
Der neue VP-Obmann Rudolf Puchinger hingegen sieht die Schuld beim Vorgänger: „Acht von zehn ÖVP-Gemeinderäten hätten unter seiner Führung aufgehört. Wegen ständigen Alleingängen, ohne die Partei einzubinden. Daher haben wir den Spitzenkandidaten gewechselt. Aber Markus Plöchl hat mit Aussendungen die ÖVP in der Öffentlichkeit schlecht gemacht und offen den FPÖ-Vizebürgermeister unterstützt. Er war sogar bei der FPÖ-Wahlveranstaltung.“
"Wahlkampf ohne Streit"
Das bestätigt Werner Herbert: „Es ist natürlich ungewöhnlich, dass ein Bürgermeister eine andere Partei unterstützt. Ich danke ihm dafür herzlich.“ Den Grund für den blauen Erfolg sieht er aber auch in „meinem sehr ambitionierten Team, das mich massiv unterstützt hat“. Man habe außerdem „nicht wie die Mitbewerber auf Konfrontation, sondern auf einen Wahlkampf ohne Streit gesetzt“.
Werner Herbert könnte Bürgermeister in Enzersdorf an der Fischa werden.
Die bisherige Koalition mit der ÖVP nun unter umgekehrten Vorzeichen fortzusetzen sei durchaus eine Möglichkeit, sagt Herbert. Aber: „Ich werde in den nächsten Tagen Gespräche führen und mir alle Parteiprogramme in Ruhe anhören. Dann werden wir entscheiden, mit wem wir zusammenarbeiten.“ Rechnerisch möglich wäre in Enzersdorf auch eine ÖVP/SPÖ-Koalition, die zusammen auf knapp 52 Prozent der Stimmen käme.
Über einen politischen Partner muss seit Sonntag auch die FPÖ Lassee (Bezirk Gänserndorf) nachdenken. Sie konnte mit sieben Sitzen mit der ÖVP gleichziehen, in absoluten Zahlen liegt sie sogar 22 Stimmen vor den Gemeinde-Schwarzen. Deren Bürgermeister war drei Monate vor den Wahlen unerwartet zurückgetreten. Gespräche will die FPÖ dennoch mit allen politischen Kräften führen, für eine sichere Mehrheit müsste sie die ÖVP oder die SPÖ ins Boot holen.
SPÖ-Niederlage, FPÖ-Triumph
In der blauen Landesparteizentrale in St. Pölten ist aber auch der Blick nach Amaliendorf-Aalfang im Bezirk Gmünd gerichtet. Hier verlor die SPÖ die absolute Mehrheit, die FPÖ konnte ein Plus von 24 Prozentpunkten einfahren.
Nach dem Erdrutsch in Pernitz (Bezirk Wiener Neustadt) ist die FPÖ (26,58 %) mit Spitzenkandidat Stefan Felsleitner dort bei ihrem ersten Antreten die stärkste Kraft. Die ÖVP und Bürgermeister Hubert Postiasi wurden um acht Stimmen knapp überflügelt. Beide könnten mit Partnern das Amt des Ortschefs bekleiden.
Der Pernitzer FPÖ-Spitzenkandidat Stefan Feldleitner (M.) mit Landesparteichef Udo Landbauer.
„Es geht darum, den Wählerwillen umzusetzen und für Pernitz ehrlich zu arbeiten. Die Bürger müssen immer an erster Stelle stehen. Wir werden ausloten, mit wem das möglich ist. Den Gesprächen mit den anderen Parteien werden wir nicht vorgreifen“, erklärt Felsleitner. Der 43-Jährige ist Lehrer, arbeitet aber bei seiner Frau in deren Wahlarztpraxis.
Dem Vernehmen nach will Positasi zunächst mit SPÖ, Grünen und Liste Miteinander sprechen. Das Verhältnis zur FPÖ galt bisher als nicht sehr harmonisch.
(kurier.at)
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