Rebzikade wie Reblaus-Krise? Winzer schlagen Alarm, Land reagiert

Die Rebzikade breitet sich im Burgenland aus, erste Weingärten wurden bereits gerodet - eine Betroffene erzählt.
Ein Weinberg mit Rebstöcken blickt auf ein Dorf unter blauem Himmel.

Die Bedrohung wächst – und sie ist längst in den Weingärten angekommen. Die ersten konkreten Folgen zeigen sich im Südburgenland: Die Goldgelbe Vergilbungskrankheit breitet sich aus, rund 25 Ausbruchsherde gibt es derzeit im gesamten Bundesland. Für manche Winzer kommt jede Maßnahme zu spät.

„Für unsere kleinen Strukturen sehe ich nicht wirklich viel Chancen.“

von Brigitte Gerger

Hobbywinzerin

„Heute habe ich die Drähte im Weingarten abmontiert, damit er gerodet werden kann“, schrieb Brigitte Gerger unlängst auf Facebook. „Die Rebzikade hat vor meinen Blaufränkischstöcken nicht Halt gemacht. Meine Weinbauära geht zu Ende.“

Krankheit entwickelte sich über Jahre

Ihr Weingarten umfasste rund sechs Ar und brachte etwa 500 Liter pro Jahr. „Der beste Blaufränkisch in Heiligenbrunn“, erzählt die Geschäftsführerin des Vereins Wieseninitiative mit einem Augenzwinkern.

Eine Frau mit heller Jacke steht draußen an einem Tisch mit vielen Papiertüten und Werkzeugen und hält einen Zweig in der Hand.

Brigitter Gerger, hier bei einem ihrer Obstbaumschnittkurse, musste unlängst ihren kleinen Weingarten roden.

Der Befall entwickelte sich über Jahre. Zunächst seien nur einzelne Stöcke betroffen gewesen. „Ein oder zwei vielleicht“, schildert Gerger. Erst nach längerer Zeit habe sie erkannt, dass es sich um die Rebzikade handelt. Versuche, die betroffenen Reben zurückzuschneiden, hätten keinen Erfolg gebracht.

Kleine Strukturen unter Druck

Die Rodung selbst sei rasch gegangen. „In vier Stunden vorbei, das war schon sehr traurig“, beschreibt Gerger den Abbau. Dem gegenüber stünden Jahre der Arbeit: „Vier Jahre musst du schauen, dass du eine vernünftige Ernte hast.“ Auch im Umfeld sieht sie ähnliche Entwicklungen. Mehrere Weingärten seien bereits gerodet worden.

Ein Drahtseil mit Ranken windet sich um einen Pfosten im Weinberg.

Jahre der Pflege, wenige Stunden der Zerstörung – die Rebzikade trifft vor allem kleine Weinbauflächen im Südburgenland besonders hart.

Gerger geht davon aus, dass auch dort die Rebzikade die Ursache war. Besonders kritisch sieht sie die Zukunft kleiner Weinbauflächen. „Für unsere kleinen Strukturen sehe ich nicht wirklich viel Chancen“, sagt sie. Große Betriebe könnten eher reagieren, kleinere stünden vor größeren Herausforderungen.

Rebzikade so schlimm wie einst die Reblaus?

Die Entwicklung vergleicht sie mit historischen Einschnitten im Weinbau wie dem Auftreten der Reblaus, die ab den 1870er-Jahren die österreichische Weinkultur nahezu vollständig zerstörte. „Ich glaube, es wird sich dorthin entwickeln“, sagt Gerger.

Eine kleine braun-orangefarbene Insektenlarve liegt neben einer Ein-Euro-Münze auf dunklem Untergrund.

Die Rebzikade überträgt die Goldgelbe Vergilbungskrankheit, die Reben schwächt und innerhalb weniger Jahre zum Absterben ganzer Weingärten führen kann.

Das Positive an dieser pessimistischen Sicht der Dinge: Die Reblaus führte zu einer Modernisierung des Weinbaus, veränderte die Sortenstruktur und förderte die Gründung von Fachschulen. Deshalb denkt auch Gerger mit Blick auf den Klimawandel bereits an Alternativen: „Es werden neue Sorten und Obstarten kommen und es wird sich lohnen, sich damit zu beschäftigen.“

Neue Regeln für die Weingärten

Das Land Burgenland verschärft den Kampf gegen die Amerikanische Rebzikade und die von ihr übertragene Goldgelbe Vergilbungskrankheit. Eine entsprechende Verordnung von Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner geht kommende Woche in Begutachtung.

Drei Personen stehen nebeneinander vor einer hellblauen Wand mit der Aufschrift „Land Burgenland“.

Daniel Pachinger (Leiter des Pflanzenschutzdienstes der Landwirtschaftskammer Burgenland), Landeshauptmann-Stellvertreterin und Agrar-Landesrätin Anja Haider-Wallner und Sabrina Dreisiebner-Lanz (BIO AUSTRIA; v.li.).

Kernpunkt ist die Verpflichtung zur Rodung befallener Rebstöcke. Zudem ist vorgesehen, ein Strategieteam einzurichten, das jährlich eine Landesstrategie sowie eine Liste geeigneter Pflanzenschutzmittel erstellt, aus denen Winzer wählen können.

Drei Zonen nach Befall

Im Fall eines Befalls wird das Gebiet in drei Zonen eingeteilt.

  • In der Befallszone mit einem Radius von 500 Metern müssen jedenfalls symptomatische Rebstöcke entfernt werden, bei starkem Befall auch benachbarte Pflanzen.
  • Eine Sicherheitszone umfasst einen Umkreis von 2.500 Metern,
  • als Verbreitungsgebiet gilt das gesamte Burgenland.

Die konkreten Maßnahmen sollen jeweils von einem Strategieteam mit Vertretern von Land, Landwirtschaftskammer und Bio Austria festgelegt werden. Neben der Rodung setzt man auf verstärkte Kontrollen sowie den gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im zweiten und dritten Larvenstadium der Rebzikade. Auch für stillgelegte Weingärten wurden bereits Rodungsbescheide ausgestellt.

Zusätzlich werden ergänzende Maßnahmen geprüft, darunter pflanzenstärkende und repellente Ansätze sowie Informationskampagnen. Auch der Einsatz von Spürhunden zur Früherkennung wird erwogen. Betont wurde, dass alle Maßnahmen mit der Bio-Zertifizierung vereinbar bleiben.

Die Verordnung soll rechtzeitig vor dem Sommer beschlossen werden, da die Rebzikade dann wieder aktiv wird.

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