Burgenländische Innovation: Wie ein Etikett vor Fake-Wein schützt

Gefälschte Weine verursachen Millionenschäden und gefährden Konsumenten. Winzer Willi Opitz wehrt sich.
Vier Weinflaschen mit Rennsport-Etiketten stehen nebeneinander in einer Boxengasse mit unscharfen Personen im Hintergrund.

Gefälschte Luxusuhren, Handtaschen und Kleidung sind für wenige Euro fast überall erhältlich. Weniger bekannt ist: Auch Wein wurde schon in der Antike gefälscht. Heute hat das Problem eine neue Dimension erreicht – betroffen sind nun auch bekannte Marken und Winzer.

Das Problem ist größer als oft angenommen: Laut dem Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO), das unter anderem Markenrechte in der EU verwaltet und Produktfälschungen analysiert, entstehen durch gefälschte Weine und Spirituosen in der EU jährlich Umsatzverluste von rund 2,3 Milliarden Euro.

In Österreich beläuft sich der Schaden auf etwa 28 Millionen Euro. Neben dem wirtschaftlichen Schaden können Fälschungen auch gesundheitliche Risiken bergen. In gefälschten Getränken wurden laut EUIPO bereits gefährliche Substanzen wie Methanol oder Pestizide nachgewiesen. 

Besonders der Onlinehandel erleichtert es Betrügern, gefälschte Produkte in Umlauf zu bringen. Dass selbst kleinere Produzenten betroffen sind, zeigt der Fall des burgenländischen Winzers Willi Opitz.

Kein Opitz drinnen

In den vergangenen Jahren wurde Opitz immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass seine Weine zum Verkauf angeboten wurden – obwohl er sie selbst nie dorthin geliefert oder verkauft hatte.

„Da schreibt jemand Willi Opitz drauf, aber Willi Opitz ist nicht drinnen“, so der Winzer. Laut Opitz tauchten Fälschungen zunächst in China auf, später auch in Österreich. „Ich bin damit etwa zehn Mal direkt in Kontakt gekommen“, sagt der Winzer.

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Weine des Illmitzer Winzer wurden schon mehrfach gefälscht. 

Neben finanziellen Einbußen sieht Opitz vor allem einen Imageschaden: „Der Konsument erwartet sich, wenn er meine Marke sieht, auch meine Qualität.“ Gerade weil er seine Weine in kleinen Mengen und mit hohem Qualitätsanspruch produziere, wiege das besonders schwer. Rechtliche Schritte schließt er nicht aus.

Fälschungssicher wie Geldscheine

Die Lösung: ein fälschungssicheres Etikett. Seit rund einem Jahr befindet sich auf jeder originalen Opitz-Flasche ein schimmerndes Emblem. Entwickelt wurde es gemeinsam mit dem österreichischen Sicherheitsunternehmen Kurz. Das Etikett basiert auf einer Sicherheitstechnologie, wie sie sonst etwa bei Banknoten eingesetzt wird. Das verwendete Sicherheitssystem kombiniert sichtbare und versteckte Elemente und soll Fälschungen deutlich erschweren.

Das Problem werde häufig unterschätzt, heißt es auch aus dem Unternehmen. Fälschungen im Wein- und Spirituosenbereich seien weiter verbreitet, als viele annehmen. Die Technologie sei dabei nicht nur für hochpreisige Produkte gedacht, sondern grundsätzlich für unterschiedliche Preissegmente einsetzbar.

„Die haben gesagt, das ist super, wir suchen sowieso einen Einstieg in die Weinwelt. Schön, dass wir da einen Winzer haben, der im Weißen Haus bei Bill Clinton, in der Formel 1 bei McLaren und in Buckingham Palace respektiert wird“, so Opitz über den Beginn der Zusammenarbeit.

Vorreiter in dem Gebiet

Mit der Poleposition-Serie hat Opitz 2025 die Kooperation mit der Firma Kurz publik gemacht. „Nur, um zu zeigen, Achtung, Willi Opitz hat geschützte Weine, die kann man nicht nachmachen, vergesst das Ganze.“

Noch ist Opitz mit diesem Ansatz ein Einzelfall. Das Interesse sei jedoch groß: „Einige internationale Kollegen haben sich bereits erkundigt, wie das funktioniert und wer so etwas druckt“, erzählt der Winzer. Seine Kontakte habe er gerne weitergegeben – schließlich gehe es darum, die eigenen Marken zu schützen. Für Opitz ist klar: Solche Sicherheitslösungen könnten künftig auch für andere Betriebe relevant werden. „Das ist High End – aber das heißt nicht, dass eine Flasche 1.000 Euro kosten muss. Auch bei Weinen um 20 oder 30 Euro möchte ich nicht, dass jemand meinen Namen einfach verwendet.“

Die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Kurz sieht er dabei auch als Signal über die Branche hinaus: „Es ist schön, dass ein kleiner Betrieb aus dem Burgenland international als Testimonial dient.“ Denn laut dem burgenländischen Winzer steige der Druck, sich gegen Fälschungen zu schützen, in seiner Branche zunehmend.

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