© Roland Pittner

03/30/2021

Ostertraditionen vom "Eierkratzen" bis zum Emmausgang

Die Stinatzer Eierkratzerinnen haben Saison. Und ein alter Ostermontagsbrauch erfährt eine Renaissance

von Claudia Koglbauer-Schöll, Roland Pittner

Ostern wird heuer ganz anders ausfallen als gewohnt. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen begibt sich Ostösterreich ab dem 1. April Corona-bedingt in die „Osterruhe“. Familienfeiern sind nur eingeschränkt erlaubt. Dennoch gibt es Bräuche, die man in Zeiten der Pandemie ohne Gefahr einer Ansteckung pflegen kann.

In Stinatz, Bezirk Güssing, werden derzeit noch fleißig Eier gekratzt. Der Brauch in der burgenland-kroatischen Gemeinde bei dem feine Muster auf die ausgeblasenen und bemalten Eier geritzt werden, ist weit über die Grenzen des Burgenlandes hinaus bekannt. „Die Nachfrage ist heuer noch größer als in den vergangenen Jahren“, sagt Wilma Zieserl. Sie hat die Kunst des „Eierkratzens“ von ihrer Mutter gelernt und ist eine der wenigen, die sie noch jedes Jahr praktiziert. „Heuer dürften viele Leute mehr Zeit haben, um fürs Fest zu dekorieren“, sagt Zieserl im KURIER-Gespräch. Ihre traditionellen Kunstwerke sind jedenfalls für 2021 schon ausverkauft. Generell sind die handgefertigten Unikate rar, nur mehr fünf Familien stellen diese Eier her. Es braucht eine scharfe Stahlklinge und viel Fingerspitzengefühl, um die filigrane Schale nicht zu brechen.

Alte Bräuche

Wegen des Lockdowns steht der Spaziergang heuer hoch im Kurs. Auch ein alter kirchlicher Spaziergang erfährt derzeit eine Renaissance, wie Bernhard Weinhäusel, Leiter des Diözesanmuseums Eisenstadt erklärt. Der Emmausgang am Ostermontag: Da brechen Gläubige zu einem morgendlichen Osterspaziergang auf, um bei der Kirche, Kapelle oder einem Bildstock zu beten (siehe auch Zusatzbericht). Der Emmausgang erinnert an den im Lukasevangelium beschriebenen Gang der Jünger Jesu nach Emmaus, bei dem ihnen der Auferstandene begegnete. „Dieser Brauch wurde in den vergangenen Jahren immer öfter gepflegt und kann auch dieses Jahr mit der Familie zelebriert werden“, erklärt Weinhäusel.

www.netzwerk-gottesdienst.at

www.martinus.at/live

Was in der Karwoche möglich ist

Bernhard Weinhäusel, Leiter des Diözesanmuseums Eisenstadt  und des diözesanen Archivs erklärt, die Bedeutung der österlichen Bräuche und wie sie umgesetzt werden können.
Öffentliche Gottesdienste  können „unter strengsten Präventionsmaßnahmen“ besucht werden. Zu Anmeldungen wird geraten. „Es gibt auch in vielen Pfarren Live-Übertragungen“, sagt Weinhäusel. Morgen,  Mittwoch, wird  die Chrisammesse gefeiert.  Dabei werden  Salböle geweiht, die das ganze Jahr über etwa bei Taufen verwendet werden.   
Am  Gründonnerstag kommen  vorzugsweise „grüne Speisen“ wie Spinat auf den Tisch.  Dabei dürfte der Tag seinen Namen  gar nicht der Farbe verdanken: „Er kommt vom althochdeutschen  ’Greinen’, das Weinen bedeutet.“
Am Karfreitag wird an den Tod Jesu erinnert.  Da werden  „Heilige Gräber“ – mit liegenden Statuen – in den Kirchen platziert. Sie können  den ganzen Tag über besucht werden.
Auch wenn die Glocken   „nach Rom fliegen“, ist das  das Ratschen als Ersatz für den Glockenklang abgesagt. „Heuer wird doppelte Osterruhe herrschen.“ Auch die Osterfeuer am Abend des Karsamtsag fallen ins Wasser. Segnungen von Speisen sind  aber möglich  – auch  virtuell. Im kleinen Familienkreis wird  am Sonntag  Auferstehung gefeiert: Natürlich darf der Osterhase  da die  bunten Nester  verstecken.  

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