© Michael Pekovics

Chronik Burgenland
11/03/2020

Neusiedler See: Gewessler gegen Wasserzufuhr

Geplante Wasserzuleitung hätte „schwerwiegende Folgen“, sagt Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne).

von Michael Pekovics

Möge das nächste Tauziehen zwischen Land Burgenland und Bund beginnen. Zuletzt wurde um die Einführung des 1-2-3-Tickets gestritten, dieses Mal geht es um den Neusiedler See, dessen Wasserstand heuer erstmals unter den langjährigen Minimalwert gefallen ist.

Die burgenländische Landespolitik präsentierte daraufhin Bestrebungen einer möglichen Wasserzuleitung aus einem ungarischen Seitenarm der Donau. Studien und Untersuchungen dazu sollen in den kommenden Tagen vorliegen und werden laut dem Land Basis für weitere Überlegungen und Diskussionen sein.

Doch in der Zwischenzeit hat sich im Zuge einer parlamentarischen Anfrage von Neos-Umweltsprecher Michael Bernhard auch das Klimaschutzministerium der grünen Ministerin Leonore Gewessler eingeschaltet. In ihrer Beantwortung erteilt sie den burgenländischen Plänen eine klare Absage.

"Schwerwiegende Folgen"

Gewessler warnt vor den „schwerwiegenden Folgen für das gesamte Ökosystem“ und vor der möglichen „Aberkennung des Nationalparkstatus“. Die geplanten Eingriffe würden „die an die Bedingungen eines Steppensees angepassten Arten und Lebensgemeinschaften und damit hochrangige Schutzgüter der EU-Naturschutzrichtlinien und des Nationalparks gefährden“.

Der Vorschlag des Ministeriums: „Alternativ sollte der eingeschlagene Weg eines vermehrten Wasserrückhalts weiter ausgebaut werden.“ Dennoch wird auf die Task Force des Landes verwiesen, „deren Erkenntnisse abzuwarten sind“. Außerdem sei für die Frage der Wasserzuleitung das Landwirtschaftsministerium von Elisabeth Köstinger (ÖVP) zuständig.

Problem auf mehreren Ebenen

Das ist nicht zuletzt stimmig, weil die Frage nach der Zukunft des Neusiedler Sees auf mehreren Ebenen beantwortet werden muss – unter anderem auf einer touristischen. Denn bekanntlich plant Ungarn die Errichtung eines Mega-Tourismusprojekts am Seeufer bei Fertörákos und hat nicht zuletzt deshalb, so wie das Burgenland, Interesse daran, den See als Landschaftselement zu erhalten. Gespräche darüber hat es bereits gegeben.

Das sei auch das Ziel, sagt Infrastrukturlandesrat Heinrich Dorner (SPÖ): „Wir wollen eine Lösung auf breiter Basis, um den Fortbestand des Naturraums nachhaltig abzusichern. Eine Austrocknung des Sees kann niemand wollen.“ Den „Schreckensszenarien“ von Gewessler kann Dorner wenig abgewinnen, denn „die Ausführungen der Minister sind sehr selektiv und bilden die Breite des Themas in keiner Weise ab.“

Schließlich sei die Frage der Wasserzufuhr umfassender zu sehen: „Es geht auch um das Grundwasser für die Landwirtschaft, Salzlacken, den Zicksee und vieles mehr.“ Derzeit werden die ersten Erkenntnisse der Task Force auf fachlicher Ebene zusammengeführt und die Ergebnisse dann der Öffentlichkeit präsentiert.

Die beste Lösung für das Problem des sinkenden Pegelstandes wäre mehr Niederschlag. Das ist laut Gewessler gar nicht so unwahrscheinlich, schließlich würde „vielfach prognostiziert“, dass Starkregenereignisse zunehmen: „Schon ein geringfügiger Anstieg der Niederschlagsmengen könnte zu einer Verringerung der Austrocknungswahrscheinlichkeit führen.“

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