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Chronik Burgenland
07/16/2020

Burgenlands Bankenskandal: Es begann bereits vor mehr als zehn Jahren

Nach der Schließung durch die Finanzmarktaufsicht wegen Bilanz-Manipulationen steht der Konkurs bevor. Bis zu 500 Millionen fehlen.

von Kid Möchel, Stefan Jedlicka, Patrick Wammerl

Der Gesundheitszustand von Ex-Banker Martin Pucher hat sich seit der Selbstanzeige am Mittwoch deutlich verschlechtert. Dem Vernehmen nach sollen dazu auch Morddrohungen gegen ihn und seine Familie beigetragen haben.

Laut seinem Verteidiger Norbert Wess wird Pucher aller Voraussicht keine stundenlangen Einvernahmen durchhalten, er wolle aber ungeachtet dessen „vollumfänglich mit den Behörden bei der Aufklärung kooperieren“. Und diese Aufklärung wird sehr aufwendig werden.

„Wir hatten gestern Angst, dass er seinen dritten Schlaganfall erleidet, es geht ihm ganz schlecht“, sagt Wess zum KURIER. „Er sagt, dass die Malversationen vor mehr als zehn Jahren begannen.“ Das heißt, dass die Bilanzen der Commerzialbank Mattersburg schon seit dieser Zeit falsch geführt wurden.

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Man könne nicht ausschließen, dass die Hälfte der Bilanzsumme der Bank von rund 800 Millionen Euro unrichtig ist, so Wess. „Das heißt aber nicht, dass das auch der Schaden ist“, betonte er erneut.

Fakt ist, dass Pucher und seine Vorstandskollegin Franziska K. in der Bank sehr eng kooperierten. Sie dürfte an den Malversationen mitgewirkt haben. Auch Franziska K. hat ihre Funktion in der Bank zurückgelegt.

Strache-Anwalt engagiert

Wie schon Pucher hat auch sie mit Johann Pauer einen namhaften Strafverteidiger als Rechtsbeistand engagiert. Pauer ist der Anwalt von Ex-FPÖ-Chef H.C. Strache.

Zum aktuellen Fall will der Advokat aber nicht viel sagen, weil er sich erst einen Überblick verschaffen müsse. „Meine Mandantin kooperiert mit den Behörden vollinhaltlich, ersucht aber um Verständnis, dass sie sich während laufender Ermittlungen öffentlich nicht äußern wird“, sagt Pauer zum KURIER.

Strache to testify at Ibiza-gate parliamentary commission

Der Ball liegt nun bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sowie bei den Ermittlern für Wirtschaftsdelikte des burgenländischen Landeskriminalamtes (LKA). Immerhin jene Abteilung, die schon vor 20 Jahren das 170-Millionen-Euro-Desaster rund um die Bank Burgenland auf Punkt und Beistrich untersucht hat.

Nun dürfte den Kriminalisten eine ähnliche Mammutaufgabe bevorstehen. Laut ersten Befürchtungen der Finanzmarktaufsicht könnte es um bis zu 500 Millionen Euro gehen, die im Sumpf der Commerzialbank derzeit als verschwunden gelten.

Auch wenn man dem gefallenen Vorstandsdirektor Martin Pucher einen Drang zum überbordenden Sportsponsoring nachsagt, so vermutet derzeit niemand, dass seine Unterstützung des Bundesligavereins SV Mattersburg das Millionenloch in die Regionalbank gerissen hat.

Kein Luxus-Leben

Auch einen feudalen Lebensstil kann man Pucher nicht nachsagen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Pucher ist bekannt für einen bescheidenen Lebensstil. Umso spannender ist die Frage, was mit dem Geld passiert ist und wo die Millionen zu suchen sind.

Die Bank selbst steht vor dem Aus. „Wenn die Angaben des Herrn Pucher stimmen, dann ist das finanzielle Loch so groß, dass es in absehbarer Zeit einen Insolvenzantrag geben wird“, sagt ein Bankenexperte zum KURIER. „Das wird aber noch dauern, den Insolvenzantrag müsste man mit handfesten Zahlen untermauern. Einen Konkursantrag gegen eine lebende Bank, die eine Konzession besitzt, kann nur die Finanzmarktaufsicht einbringen.“

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