Video zeigt FP-Politiker bei Wehrsportübung

Fraktionsobmann der Linzer FPÖ im Visier der Justiz: Verdacht der NS-Wiederbetätigung.

FPÖ-Gemeinderat Ortner lernte als 18-Jähriger, wie man einen Halsstich setzt. Sebastian Ortner ist heute Klubobmann der FPÖ Linz.

Die Aufnahmen dürften 1988 in der Umgebung von Langenlois entstanden sein, sie liegen dem KURIER als DVD vor. Auf dem vier Stunden langen Video sind erschreckende Szenen zu sehen: Gottfried Küssel, Hans Jörg S. jun. und andere führende Aktivisten der damaligen VAPO (Volkstreue außerparlamentarische Opposition) zeigen einer Gruppe junger Männer in Tarnkleidung, wie sie potenzielle Feinde durch Halsstiche, Kehlkopfschnitte oder Nierenstiche lautlos außer Gefecht setzen. Auch Strangulieren und der Einsatz von Schlagstöcken wird geübt.

Einer der Teilnehmer ist der damals 18-jährige Sebastian Ortner – heute Fraktionsobmann der FPÖ im Linzer Gemeinderat. Auf dem Film sind auch Interviews mit ihm und Gleichgesinnten zu sehen, in denen sie ihr rechtsextremes Weltbild darlegen. Ortner posiert dabei mit weißem Hemd und kurzer brauner Lederhose. Ein Kamerad betont, dass diese Uniformierung für die Ostmark stehe.

Ortner erklärt dem Interviewer, dass er und seine Gesinnungsfreunde für die Aufhebung des Verbotsgesetzes eintreten: „Wir kämpfen gegen die Diskriminierung unserer Gruppe, unserer Leute seitens des Staates – gegen die Verbote, die er uns auferlegt.“ Der deutsche Charakter Österreichs müsse gewahrt bleiben. „Wir versuchen, den nationalen Charakter, den deutschen Charakter zu erhalten.“ Man sei auch für die Ausländerrückführung. „Es ist so, dass wir die Menschheit in Rassen einteilen. Wir wollen, dass sich jedes Volk und jede Kultur im eigenen Kulturraum entwickeln kann.“

Zum eigenen Volk fällt Ortner wenig Schmeichelhaftes ein. „Die Masse ist verblödet von Amerikanismen und anderen Ideologien, die nach 1945 in unser Land hineingetragen worden sind.“ Zum Holocaust will er sich nicht äußern. „Wir wollen Zukunftsperspektiven aufzeigen und uns nicht mit Problemen abtun, die es vor 40 Jahren vielleicht gegeben hat.“ Die Frage, ob man das als Abkehr vom Dritten Reich verstehen könne, verneint er.

Vom KURIER mit diesem Video konfrontiert, meint der FPÖ-Gemeinderat: „Mir war klar, dass es irgendwann auftauchen wird. Es ist zwar nie öffentlich gezeigt worden, aber halt ein Teil meiner Vergangenheit, von der ich mich längst distanziert habe.“ Er sei im Sommer 1988 aus der VAPO ausgetreten. Ortner: „Seit damals habe ich zu Küssel keinen Kontakt mehr.“

Ortner, Küssel, S. und andere wurden am 4. April wegen Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz bei der Staatsanwaltschaft Linz angezeigt. „Wir prüfen, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird“, bestätigt Behördensprecher Philip Christl.

Foto von Picturenews.at

Video

Linzer FPÖ-Gemeinderat: Verdacht auf NS-Wiederbetätigung

<p>Auf dem Video ist FPÖ-Funktionär Sebastian Ortner bei Wehrsportübungen mit Gottfried Küssel zu sehen.</p>

Reaktionen

"Chance auf Resozialisierung"

PARTEITAG FPÖ OBERÖSTERREICH: HAIMBUCHER
Foto: APA/RUBRA

Der KURIER-Bericht über das Wehrsport-Video mit Sebastian Ortner hat am Mittwoch zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Der oberösterreichische Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner stellte sich am Mittwoch hinter den FPÖ-Fraktionschef im Linzer Gemeinderat. Er verlangte für Ortner eine "Chance auf Resozialisierung".

Haimbuchner erklärte in einem Gespräch mit der APA, die Vergangenheit von Ortner sei schon im Wahlkampf 2009 in der Öffentlichkeit präsent gewesen. Ortner habe auch nie ein Geheimnis daraus gemacht, sich jedoch davon distanziert. Er habe immer eingestanden, dass es bei ihm "dunkle Flecken" gebe. Er habe aber betont, er stehe inzwischen zu den demokratischen Werten und lehne die Ideologie des Nationalsozialismus ab. In dem Fall gebe es nichts Neues, er gewinne nur deshalb an Aktualität, weil nun ein Video aufgetaucht sei, stellte Haimbuchner fest.

Die Staatsanwaltschaft Linz erachtet sich nach einer ersten Prüfung für nicht zuständig. Sie werde den Fall an die zuständige StA weiterleiten, teilte der Leiter der Medienstelle Philip Christl mit.

Brauner Sumpf

Von SPÖ, ÖVP, Grünen, KPÖ und Mauthausen-Komitee hagelte es Kritik und Rücktrittsaufforderungen.   "In den Reihen der FPÖ befinden sich offenbar einige Personen, deren Gesinnung unserer Demokratie nicht gerecht wird", zeigte sich SPÖ-Landesgeschäftsführer Christian Horner empört.

Der Stadtparteiobmann der ÖVP, Vizebürgermeister Erich Watzl, erklärte, in seiner Partei würden bei derartigen Vorkommnissen umgehend personelle Konsequenzen gezogen. "In der ÖVP wäre es nicht denkbar, dass jemand mit solchen konfrontiert in der ersten Reihe politisch tätig bleibt."

Der Klubobmann der Grünen im Oberösterreichischen Landtag Gottfried Hirz und seine Stellvertreterin Maria Buchmayr beurteilten eine Person, die im Verdacht der Wiederbetätigung stehe "als Volksvertreter in unserem demokratischen System absolut untragbar".

Willy Mernyi, der Vorsitzender des Mauthausen Komitee Österreich, sieht Österreich in einem braunen Sumpf versinken. "In Oberösterreich sind im Jänner und Februar fünf blaue Funktionäre mit rechtsextremen Aktivitäten aufgefallen - drei wurden zum Parteiaustritt bewegt, zwei durften bleiben. Kürzlich musste der Pressesprecher der Wiener FPÖ wegen SS-Postings zurücktreten. Der Salzburger Landesobmann Karl Schnell hat den NS-Begriff 'Umvolkung' verwendet" und nun tauche das Video auf, bilanzierte er. (APA)

(KURIER) Erstellt am
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