Am Freitag der letzten Schulwoche gibt’s Zeugnisse – daran ändert auch die Corona-Krise nichts.

© Kurier/Jeff Mangione

Wissen Wissenschaft
06/17/2020

Sommerferien: Zeugnisverteilung ohne Handschlag

Für große Schulveranstaltungen braucht es heuer eigene Hygienekonzepte. Wie Schulen die Abschlussfeiern heuer organisieren.

von Ute Brühl

Es sind alljährlich wiederkehrende Rituale in der Schule: Die Zeugnisvergabe am letzten Schultag und die Maturafeiern, die die zwölf bzw. 13 Schuljahre mit einem Festakt beenden.

Doch heuer ist alles anders. Bis zum letzten Schultag werden die Schülerinnen und Schüler in zwei Gruppen unterrichtet, sodass sie sich in der Schule nicht treffen können. Weil dem so ist, wäre für manche der Donnerstag der letzte Schultag, für andere sogar der Freitag der vorletzten Schulwoche – je nachdem, wie die Schule die Gruppen eingeteilt hat.

Allerdings: Laut Gesetz dürfen die Zeugnisse erst an dem Freitag vor Schulschluss verteilt werden, keinen Tag früher. Eine Ausnahmeregelung soll es laut Bildungsministerium heuer nicht geben. Also müssen alle Kinder und Jugendliche am letzten Tag vor den Ferien in die Schule kommen. Das finden nicht alle Schulleiter gut – konterkariert man doch so die strenge Trennung der Schüler während der vergangenen Wochen. Und selbst wenn man die Schüler in Etappen in die Schulen kommen lässt, bringt das zumindest in vielen ländlichen Regionen nichts, weil die Kinder und Jugendlichen bei der Fahrt in die Schule zusammen in dem Bus sitzen, der einmal am Tag fährt.

Nicht wie gewohnt sind auch die Maturafeieren: Veranstaltungen sind nur bis zu 100 Personen erlaubt, ab Juli dürfen dann 250 Personen gleichzeitig anwesend sein – im Freien sogar 500.

Maturafeier abgesagt

Wie gehen die Schulen damit um? Das wollte der KURIER von Schülern, Direktoren und Eltern wissen. Michel Fleck leitet z. B. die AHS Anton-Krieger-Gasse in Wien-Liesing. Die klassische Maturafeier hat er schon länger abgesagt: „Bei uns feiert jede Klasse für sich – so kommen wir nicht über die 100 Personen.“ Schließlich sind bei dem festlichen Abschluss nicht nur die Schüler anwesend, sondern auch Eltern, Omas und oft auch Freunde.

Alle anderen Schüler erhalten wie gewohnt ihr Zeugnis am letzten Schultag: „Wir werden die Vergabe zu verschiedenen Uhrzeiten beginnen“, erläutert Fleck. Weil er möchte, dass sich alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse vor den Sommerferien noch einmal sehen können, erklärt er die Zeugnisvergabe zu einer Veranstaltung – so stellt er sicher, dass die erlaubte Personenzahl pro Gruppe nicht überschritten wird.

Im Freien

Auch in der Volksschule Frohsdorf wird die Zeugnisvergabe in Etappen organisiert. Eine besonderes Ereignis ist dort die Verabschiedung der 4. Klassen. Weil Eltern, Großeltern und Geschwister dabei sein wollen, verlegt Direktorin Sonja Stangl-Schärf dieses Fest heuer ins Freie: „Das ist bei uns zum Glück möglich. Der Vorteil ist, dass man dort genügend Abstand halten kann.“

Auch Leopold Mayer, Direktor der HLW Hollabrunn, überlegt sich, die Maturafeiern heuer ins Freie oder – bei Schlechtwetter – in den Turnsaal zu verlegen. „Es wird eine Zeugnisübergabe ohne Händeschütteln sein, eine kurze Veranstaltung, bei der nur der Klassenvorstand, der Klassensprecher sowie ich als Schulleiter ein paar Worte sagen - wir wollen das alles so feierlich wie möglich gestalten.“

Für die Schulleiter ist das alles jedenfalls eine organisatorische Herausforderung, wie Isabella Zins, AHS-Direktorensprecherin weiß. Da Veranstaltungen ab Juli, bei denen bis zu 250 Menschen anwesend sind, laut Gesundheitsministerium ein eigenes Hygienekonzept verlangen, hat sie zur Sicherheit ein solches erstellt: „Wir versuchen, entsprechend den gesetzlichen Möglichkeiten, für Maturanten, Eltern und Klassenlehrer einen würdigen Abschluss zu gestalten.“

Manche Schulen werden z.B. die Maturafeier per Livestream übertragen, berichtet Bundeselternvertreterin Elisabeth Rosenberger. Susanne Schmid, die Eltern im Burgenland vertritt, kennt aber auch Standorte, die die Maturafeier komplett ausfallen lassen. „Das ist ärgerlich. Alles schreibt man den Schulen vor, nur diese Entscheidung überlässt man der Schulautonomie.“

Corona-Jahrgang

Und wie geht es dem Corona-Maturajahrgang? „Anfangs waren wir alle etwas enttäuscht, dass wir um unsere Feiern kommen“, erzählt Miriam Amann, Schülervertreterin aus Vorarlberg. „Doch mittlerweile denken wir uns, dass es nichts bringt und wir das Beste aus der Situation machen müssen.“

Das gilt auch für die Maturareisen, die heuer alle abgesagt wurden. „Einige Maturanten haben sich entschlossen, einen Tag gemeinsam zu feiern oder in der Nähe mit den Mitschülern zu campen.“ Auch dieses Erlebnis wird wohl nachdrücklich in Erinnerung bleiben.