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Wissen Wissenschaft
05/06/2020

Mutter klagt: "Mit der Schulöffnung bessert sich gar nichts"

Eltern leiden besonders unter der Krise. Warum ihre Mehrfachbelastung noch länger bestehen bleibt.

von Ute Brühl

Eltern trifft die Krise besonders hart. Wie hart, beschreibt Viktoria Kiss-Geyer, Mutter von zwei Kindern: „Ich muss mich im Homeoffice voll auf meine Arbeit konzentrieren, gleichzeitig soll ich mit den Kindern lernen und mich noch um den Haushalt kümmern.“

Bisher war das nicht das große Problem: „Ich bin solidarisch und will andere Menschen schützen. Deshalb habe ich die Maßnahmen auch unterstützt.“ Allerdings hoffte sie, dass diese Mehrfachbelastung ein Ende hat, sobald die Schule zumindest teilweise wieder beginnt. Doch weit gefehlt. „Meine Kinder sind neun und elf Jahre alt, eines geht in die Volksschule, eines ins Gymnasium. Die beiden wurden jetzt so in Gruppen aufgeteilt, dass sie an unterschiedlichen Tagen zu Hause sind. Keinen einzigen Tag sind sie gemeinsam in der Schule.“ Ihre Bitte, ein Kind in eine andere „Schicht“ wechseln zu lassen, wurde abgelehnt.

Arbeitgeber will losstarten

Gleichzeitig erwartet ihr Arbeitgeber, dass Viktoria Kiss-Geyer ab Mai wieder mehr im Büro präsent ist. „Mir bleibt dann nichts anderes übrig, als meine Kinder zur Betreuung in die Schule zu geben – dann passiert aber das Gegenteil von dem, was eigentlich vorgesehen war: dass sich möglichst wenig Kinder gleichzeitig im Schulgebäude aufhalten.“

Damit nicht genug: Besonders belastet die Eltern derzeit, dass sie die nahe Zukunft nicht planen können. „Die Arbeitgeber erwarten von uns, dass wir unseren Jahresurlaub jetzt bekannt geben – auch, um die Unternehmensbilanzen nicht zu sehr zu belasten.“

Was tun in den Sommerferien?

Doch wie soll man planen, wenn so vieles noch nicht geklärt ist? „Wir wissen nicht, ob wir unseren Sommerurlaub in Kroatien überhaupt antreten können. Auch ist ungewiss, ob die Kinder wenigstens zeitweise bei den Großeltern bleiben können. Wie es mit den Sommercamps weitergeht, weiß bis jetzt auch niemand.“ Das macht ganz besonders jenen Eltern Bauchschmerzen, die in den vergangenen Wochen ihren Jahresurlaub fast komplett abbauen mussten. Selbst wenn es eine Ferienbetreuung gibt, ist die Frage, wie teuer diese dann ist.

Und wenn es Eltern – meist sind es die Mütter, die alles organisieren – geschafft haben, über den Sommer zu kommen, wird der Herbst nicht weniger herausfordernd. Auch hier wünschen sich viele Eltern, dass man sich jetzt schon Gedanken macht, wie man die Schule dann organisiert. Normalen Alltag wird es bis dahin wohl nicht geben.