Heimische Heuschrecken richten keine Schäden an.

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Wissen Wissenschaft
07/02/2020

Heimische Heuschrecken sind keine Plage

Österreich hat keine biblische Plage zu befürchten. Im Gegenteil: Viele Arten sind Hierzulande gefährdet.

von Hedwig Derka

In riesigen Schwärmen ziehen Wüstenheuschrecken seit Monaten durch die Lande. Zunächst zu Fuß, dann durch Flügelschlag und von Luftströmen getragen. Auf ihrer Reise hinterlassen sie kahl gefressene Felder, Wiesen und Bäume. Mittlerweile sind Regionen zwischen Ostafrika und Asien betroffen. Die UNO spricht von der schlimmsten Heuschreckenplage seit einem Vierteljahrhundert.

Bis nach Österreich werden es die Neuflügler kaum schaffen. Sollten sie Mitteleuropa doch erreichen, erledigt sie spätestens der Winter. Das war nicht immer so.

Plagen bis ins 19. Jahrhundert

„Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert haben Wanderheuschrecken auch bei uns immer wieder ganze Kulturen vernichtet“, sagt der Landschaftsökologe Thomas Zuna-Kratky. In ausgedehnten Feuchtgebieten – vor allem rund um den Neusiedler See und den Bodensee – fanden die Sechsfüßer günstige Bedingungen für massenhaft Nachwuchs. Ohne Kälteeinbruch im Frühling überlebten nicht nur Eier und Larven, sondern auch die Insekten in gefräßiger Zahl. Dann konnten selbst die natürlichen Fressfeinde wie der Rosenstar den Bestand nicht ausreichend dezimieren. Die Plage wurde biblisch.

„Heute kommt in Mitteleuropa nur noch eine Wanderheuschreckenart vor: Locusta migratoria“, sagt der Experte. Da es hier aber keine intakten Feuchtgebiete im großen Stil mehr gibt, sind die zirka 5 cm kleinen Einzeltiere ökonomisch bedeutungslos. Wie auch der Rest der Verwandtschaft richtet das Vogelfutter keinen Schaden an. Im Gegenteil: Insgesamt kommen in Österreich knapp 140 Heu- und Fangschreckenarten vor – von Ameisengrille bis Zwitscher-Heupferd. „Die Insektengruppe ist von einer Massenentwicklung weit entfernt“, sagt die Zoologin Inge Illich. Vielmehr ist jede vierte Art gefährdet.

Grund dafür ist in erster Linie die Zerstörung der Lebensräume. Die intensive Nutzung durch die Landwirtschaft setzt den Hüpfakrobaten zu. Ebenso macht ihnen die Überdüngung von Wiesen zu schaffen. Die Beschattung des Bodens tut dem Nachwuchs nicht gut. Er senkt die Bodentemperatur; ist es den Eiern zu kalt, können sie sich nicht entwickeln.

„Theoretisch wäre es möglich, dass Arten von Afrika oder Asien zu uns kommen“, sagt Zuna-Kratky. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings gering. Die Marokkanische Wanderheuschrecke etwa müsste über das Mittelmeer. Die weite Strecke ist schon für Zugvögel fordernd, Insekten bewältigen sie höchstens bei gutem Wind über die Straße von Gibraltar. Die Wüstenheuschrecken wiederum müsste anhaltender Ostwind nach Europa treiben. Auch wenn ein Schwarm bis zu 200 Kilometer am Tag zurücklegen kann, ist Österreich doch sehr weit von der Gefahr entfernt. Zudem können die fremden Arten „in unserem Klima nicht überleben“, sagt Illich. Maßnahmen gegen die exotischen Überflieger sind hierzulande überflüssig.

Andernorts freilich ist die Verzweiflung groß. Schon ein kleiner Schwarm um die 30 Millionen Tierchen kann an einem Tag so viel Nahrung vertilgen, wie für 35.000 Menschen reichen würde, rechnet die UNO vor. Kein Wunder, dass die betroffenen Regionen teils skurrile Abwehr-Strategien erwägen: Pakistan überlegt, eine Enten-Armee aus China anwatscheln zu lassen. Nepal zieht in Betracht, die Schädlinge mit Heavy-Metall-Sound zu bekämpfen.

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