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Wissen Gesundheit
08/11/2021

Vierte Welle: "Möglicherweise sitzen wir auf einem Pulverfass"

900 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden wurden am Mittwoch registriert. Laut Experten ist das derzeit - noch - nicht beunruhigend.

von Ingrid Teufl

In nicht einmal einer Woche haben sich die Neuinfektionen fast verdoppelt: Von etwas mehr als 500 auf 902 am Mittwoch. Wie schätzen Österreichs Experten diesen Anstieg ein? Ist das bereits die vierte Welle?

"Das zeigt auf jeden Fall, dass die vierte Welle begonnen hat. Corona ist noch nicht vorbei", sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) in der ZiB1.

Auch Herwig Kollaritsch, Infektiologe und Mitglied des Nationalen Impfgremiums, beantwortet die letzte Frage mit Ja. "Wir sind tatsächlich in der vierten Welle, das ist unbestreitbar."

Und auch für Erich Neuwirth, Statistiker an der Universität Wien, ist die derzeitige Situation "bedenklich. Ich hege den Verdacht, dass wir schon in einer vierten Welle sind." Seit Anfang Juli würden die Infektionszahlen kontinuierlich und steil nach oben gehen. "Möglicherweise sitzen wir auf einem Pulverfass."

Nach Analyse der aktuellen Daten sind die auf 900 gestiegenen Neuinfektionen "offensichtlich ein regionales Problem". Konkret haben sich die Zahlen in Wien und Oberösterreich verdoppelt. In Lienz in Osttirol liege die Inzidenz bereits bei 360. "Da muss man sich anschauen, was da genau passiert ist."

Was Neuwirth zusätzlich beunruhigt: "Im diesjährigen Sommer waren wir nie auf einem so niedrigen Wert an Neuinfektionen wie im Sommer 2020." An Maßnahmen komme man daher nicht herum. "Alles, womit man das Infektionsgeschehen selbst beeinflussen kann, sollte man tun."

Dazu zähle etwa das Tragen von Masken in Innenräumen oder das Vermeiden von größeren Menschenansammlungen.

Dunkelziffer

Die aktuelle Zahl spiegle "das Potenzial des Virus eigentlich gar nicht wider", betont Kollaritsch. Der Grund: Bei fast 1.000 Neuinfektionen müsse auch mit einer "beträchtlichen Dunkelziffer" gerechnet werden. "Vor allem bei jungen Menschen verläuft die Infektion oft symptomlos."

Würde diese Zahl an Infektionen bei einer Population auftreten, die zu großen Teilen nicht geimpft ist, wäre dieses Virus-Potenzial besser sichtbar.

Intensivstationen und Hospitalisierungen

Allerdings beunruhigen die aktuellen Zahlen den Experten im Hinblick auf die Volksgesundheit nicht sehr - momentan zumindest. "Neuinfektionen sind ja nicht der einzige relevante Parameter. Man muss immer auf die Belastung des Gesundheitssystems schauen."

Diesbezüglich sei die Lage in Österreich momentan eine andere: Auch wenn die Belegungen der Intensivstationen und auch die normalen Spitalsaufnahmen aufgrund von Covid-19 anstiegen, "hat noch kein Spital Alarm geschlagen, an seine Kapazitätsgrenzen zu kommen", sagt Kollaritsch.

Durchimpfungsrate bei Älteren hoch

Zudem sind die Zahlen der Geimpften in den höheren Altersgruppen gut, berichtet Impfexperte Kollaritsch. "Hier haben wir Werte, wo wir uns in gut abgesicherten Bereichen befinden." Mit Stand Mittwoch, betrug die Durchimpfungsrate in der Gruppe der über 75-Jährigen 83,5 Prozent, bei den über 66-Jährigen lag sie ebenfalls über 80 Prozent.

Auch darunter sind die Zahlen der vollständig (sprich: zwei Mal) Geimpften hoch: Bei den 56- bis 65-Jährigen haben 73,9 Prozent die volle Impfdosis erhalten, bei den 46- bis 55-Jährigen 63 Prozent.

In den noch jüngeren Altersgruppen werden die Geimpften immer weniger – etwa haben bei den 12- bis 15-Jährigen bisher erst 14 Prozent Impfungen erhalten. "Das ist durchaus ein Problem", findet Kollaritsch. Aber: "Die Situation wäre bei den derzeitigen Neuinfektionen viel dramatischer, wenn bei den Älteren erst so wenige geimpft wären."

Wenn das Virus wie derzeit vor allem in jüngeren Ungeimpften kursiert, bringt das allerdings auch die Gefahr neuerlicher Mutationen mit sich. "Man weiß zwar nicht, ob diese tatsächlich infektiöser als die bisherigen Varianten sein würden. Aber bis jetzt war dies noch bei jeder neuen Variante der Fall."

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