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Reportage
08/11/2021

Abgesperrte Gemeinden in Osttirol: Corona hat den Berg erobert

Oberlienz und Innervillgraten sind die ersten beiden Orte Österreichs, die nach den Lockerungen wieder mit einer Ausreistestpflicht belegt wurden. Ein Lokalaugenschein.

von Anja Kröll

Josef Lusser sitzt am Stammtisch im Gasthaus neben dem Gemeindeamt von Innervillgraten. Herrgottswinkel, Familienfotos und Holz bestimmen die Gaststube. Für Lusser, seit 26 Jahren Bürgermeister, bestimmt ein anderes Thema den Tag: Ausreisetestpflicht. Seit Mitternacht gilt in den Osttiroler Gemeinden Innervillgraten und Oberlienz wegen der hohen 7-Tage-Inzidenz eben diese.

„Dass da was kommen wird, darauf wart ich seit letzter Woche“, sagt Lusser, dessen Gemeinde mit einer Inzidenz von 1.205 die höchste in ganz Österreich hat. Gekommen ist ein weißer Testcontainer, der unterhalb des Gemeindeamtes steht. Rund 50 Leute haben sich hier bis Dienstagmittag testen lassen. Denn wer aus Innervillgraten raus will, der kann das in den kommenden zwei Wochen nur, wenn er geimpft, genesen oder getestet ist.

Warum man in dem 950-Einwohner-Dorf überhaupt in dieser Situation ist, dafür gibt es viele Erklärungen.

„Was soll ich denn tun, wenn alle zu mir sagen, dass sie g’impft sind und dann sind sie es nicht?“

Josef Lusser, Bürgermeister Innervillgraten

Reiserückkehrer, Urlauber und die Impfquote. Denn eines ist Fakt: Sowohl in Oberlienz, als auch in Innervillgraten ist diese niedriger als im Rest von Österreich. „Wir hatten vor wenigen Wochen gerade einmal 32 Prozent, jetzt sind wir bei 40“, sagt der Bürgermeister. Pause. „Was soll ich tun, wenn alle zu mir sagen, dass sie g‘impft sind und dann sind sie es nicht?“

Weg aus dem Hotel

Stornierungen habe es wegen der Maßnahme noch keine gegeben. Aber wer 700 Gästebetten hat, der hat auch Gäste, die sich so ihre Gedanken machen. So wie Familie Cagnato aus Venedig, Stammgäste in Osttirol. „Wir wohnen jetzt in einem Hotel, wollen aber auf ein Appartement umbuchen. Wir fühlen uns einfach sicherer“, sagt Marina Cagnato. Corona sei ein großes „sfortuna“ (Unglück).

 

Als Unglück wird im gut 45 Minuten entfernten Oberlienz, 7-Tage-Inzidenz von 685, vor allem die Absage aller Veranstaltungen ab 50 Personen betrachtet (für den gesamten Bezirk Lienz ist die Durchführung von Veranstaltung ab 100 Personen untersagt). „Die Prozession zu Maria Himmelfahrt ist abgesagt. Unsere Vereine haben sich auf Normalität gefreut, damit wird es vorerst nichts“, sagt Bürgermeister Markus Stotter.

Lokale Herausforderung

Während nach Innervillgraten nur eine Straße führt, ist in Oberlienz mit Straßensperren zu rechnen, um den Verkehr zu kanalisieren. „Wir hoffen, dass am 24. August wirklich Schluss ist, weil dann wird die Dorfstraße asphaltiert und wie wir dann tun, weiß ich nicht“, sagt Ortschef Stotter. Im Minutentakt läutet sein Handy: Können die Zulieferer zufahren? Kann der Borkenkäfer-Wald wie geplant geschlägert werden? Das sind die Fragen an diesem Dienstag. „Wir warten auf die Details der Verordnung“, lautet die Antwort.

Am Stammtisch in Innervillgraten lautet die Antwort eines Gastes auf die Frage, was da noch kommen wird: „Wartet’s a mal den Herbst ab. Dann werdet’s schon sehen.“

Montagvormittag habe man ihn über die Ausreisetestpflicht informiert, Dienstagnacht um zwei Uhr sei der Testcontainer-Bus aus Innsbruck vorgefahren. „Ich verstehe nicht, warum die Verordnung immer noch regionale Verschärfungen ab einer Inzidenz von 300 vorsieht, obwohl viele geimpft sind. Das müsste doch auch Auswirkungen auf den Grenzwert haben, oder?“, sagt der 30-Jährige, der heuer seine erste Amtsperiode durchläuft. In Oberlienz liegt die Impfrate bei gut 48 Prozent.

Eines ist aber in beiden Orten trotz Urlauber-Hochsaison kaum zu spüren: Nervosität. In Oberlienz habe man den Schnee des Jahrhundertwinters überstanden, dann werde man ja wohl eine Ausreisekontrolle schaffen, heißt es. In Innervillgraten ist es das zweite Mal, dass es Ausreisekontrollen gibt. „Die Gäste müssen an der Grenze auch den negativen Bescheid vorweisen, dann tun sie es halt bei uns nochmal“, sagt Bürgermeister Lusser.

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