Wissen | Gesundheit
03.07.2018

Verbessern Antioxidantien die Spermienqualität?

Vitamin C, Vitamin E, Selen und andere Radikalfänger sollen Einfluss auf die Samenqualität haben.

Die Spermienqualität nimmt seit Jahren ab, wie zahlreiche Studien belegen. In Österreich liegt laut Bericht des IVF-Fonds (In-vitro-Fertilisations-Fonds, Anm.) bereits bei jedem zweiten Paar, das künstliche Befruchtung versucht, die Ursache der Unfruchtbarkeit beim Mann (mehr dazu). Auf der Suche nach Hilfsmitteln, die die Spermienqualität verbessern, stößt man schnell auf Antioxidantien. Denn: Einer der Hauptgründe für die sinkende Samenqualität sind vermutlich freie Radikale. Sie können Spermien angreifen, ihre Beweglichkeit einschränken und sie schädigen.

Sperma enthält beispielsweise Vitamin C, um sich vor freien Radikalen zu schützen. Doch diese spermaeigene Abwehr ist vermutlich aufgrund zahlreicher Umwelteinflüsse überfordert. Reicht es also etwa Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, Selen oder Zink einzunehmen, um die Spermienqualität zu verbessern? Zahlreiche kleinere Studien belegen derartige Effekte. Eine aktuelle amerikanische Studie mit 174 Paaren konnte allerdings keinen Unterschied hinsichtlich Spermienkonzentration, Beweglichkeit und Gestaltung der Spermien feststellen. Auch die DNA der Spermien war nicht weniger geschädigt als bei jenen Männern, die keine Antioxidantien in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich nahmen.

Tägliche Tablette

Die Studie wurde in acht amerikanischen Fertilitätszentren von Forschern der University of North Carolina durchgeführt. Alle teilnehmenden Männer wiesen eine schlechte Spermienqualität auf. Diese wurde zu Beginn der Studie sowie drei Monate später erneut gemessen. In diesem Zeitraum erhielt ein Teil der Männer, eine tägliche Dosis Antioxidantien in Tablettenform, nämlich die Vitamine C, D3 und E, Folsäure, Zink, Selen und L-Carnitin. Die Kontrollgruppe erhielt ein Placebo.

Nach drei Monaten zeigten die Ergebnisse nur einen "geringfügigen" Gesamtunterschied in der Spermienkonzentration zwischen den zwei Gruppen, aber keine signifikanten Unterschiede in der Gestaltung, Beweglichkeit oder DNA-Schäden der Spermien. Auch die Schwangerschaftsrate der beiden Gruppen unterschied sich nicht. Von beiden Gruppen wurden etwa zehn Prozent der Partnerinnen schwanger. Dies galt auch nach weiteren drei Monaten Beobachtung.

Antioxidantien unterstützen nicht

Aus Sicht der Forscher sind die positiven Effekte aus anderen Studien auf einzelne Aspekte der Durchführung zurückzuführen: etwa eine geringe Teilnehmerzahl, zu unterschiedliche Teilnehmer oder viele verschiedene Antioxidantien, die untersucht wurden. Sie kommen zu dem Schluss, dass Antioxidantien bei männlicher Unfruchtbarkeit Paare, die auf natürlichem Wege schwanger werden, nicht unterstützen.

Vor einigen Jahren hatte eine neuseeländische Übersichtsarbeit sehr positive Effekte gezeigt: Nahmen die Männer Antioxidantien, stieg die Chance, dass ihre Partnerin schwanger wurde, auf das Vierfache – im Verglich zu Männern, die keine Antioxidantien in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich nahmen. Die Forscher hatten 15 Studien mit insgesamt 964 Paaren ausgewertet. Bei jenen, die keine Antioxidantien nahmen, wurden drei Prozent Vater. Bei jenen, die zu den Nahrungsergänzungsmitteln griffen, waren es 16 Prozent. Die Wissenschaftler zogen den Schluss: Antioxidantien steigern die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung deutlich. Allerdings wurden in den untersuchten Studien verschiedene Antioxidantien in verschiedenen Dosierungen verwendet. Darunter waren Vitamin C, Vitamin E, Selen, Carotinoide, Ubiquinol, Folsäure und Zink. Eine einfache Antwort, welches Nahrungsergänzungsmittel die besten Effekte hat, gab es also auch damals nicht.