Impfstoff von Astra Zeneca

© APA/AFP/POOL/ZOLTAN MATHE

Wissen Gesundheit
02/08/2021

Varianten: Astra Zeneca-Impfstoff auf dem Prüfstand

Die bisherigen Ergebnisse zur Wirksamkeit des Impfstoffes in Bezug auf die südafrikanische Variante sind vorläufig und aus kleinen Studien.

von Theresa Bittermann, Ingrid Teufl

Zuerst Lieferengpässe, dann einzelne Impfempfehlungen nur für unter 65-Jährige – und jetzt: Just bei der gerade als ansteckender geltenden südafrikanischen Virus-Variante – B.1.351 – soll der Impfstoff von Astra Zeneca schlechter wirken.

Dieses Ergebnis der Universität Oxford (wo der Impfstoff mitentwickelt wurde) und der südafrikanischen Universität Witwatersrand in Johannesburg ist allerdings mit Vorsicht zu beurteilen. Denn einerseits nahmen lediglich 2.000 Probanden daran teil – und diese waren zudem jung (Altersschnitt 31) und gesund. Andererseits handelt es sich um ein sogenanntes „Pre-Paper“. Das heißt, die Studie wurde noch nicht wie vor einer Veröffentlichung üblich von unabhängigen Experten beurteilt.

Und selbst dieses Pre-Paper ist noch nicht veröffentlicht, sondern nur eine erste Pressemitteilung mit der Meldung: der Impfstoff biete einen „minimalen Schutz“ vor milden Corona-Krankheitsverläufen bei der südafrikanischen Variante B.1.351. Was den Impfschutz vor schweren Krankheitsverläufen, Hospitalisierungen und der Sterblichkeit im Hinblick auf die Variante betrifft, können die Autoren noch keine Aussage machen. Der Grund: die Probanden hätten allesamt nur ein sehr geringes Risiko für schwere Erkrankungen etc.

Nichtsdestotrotz kündigte Südafrikas Regierung am Wochenende an, die geplanten Impfungen mit den Vakzinen auszusetzen. Am Montag bekundeten die Wiener Spitäler ebenfalls Vorbehalte.

Noch keine „seriösen“ Daten

Der österreichische Infektiologe und Impf-Spezialist Herwig Kollaritsch plädiert für Besonnenheit. „Um den Impfstoff von Astra Zeneca in Bezug auf die südafrikanische Variante seriös zu bewerten, brauchen wir umfassende und öffentliche Daten, die es momentan einfach noch nicht gibt.“ Was man momentan zu den Varianten wisse, ist, dass manche Antikörper diese Variante schlechter neutralisieren können.

Das bedeute im Umkehrschluss aber keine sofortige oder totale Unwirksamkeit. Jeder Mensch bildet einen Antikörper-Mix, nur manche davon können wohl von der Variante umgangen werden. Außerdem wehrt der Körper sich auch mittels sog. T-Zellen gegen das Virus. Diese zelluläre Abwehr bleibe von den Mutationen weitgehend unbeeinflusst.

So lange so wenige Österreicher geimpft sind, „brauchen wir uns gar nicht den Kopf über womöglich ansteckendere Virus-Varianten zu zerbrechen“, betont Markus Zeitlinger, Vorstand der Klinik für klinische Pharmakologie der MedUni Wien. „Unser Hauptproblem sind die alten, stark kursierenden Varianten.“

Zur südafrikanischen Variante gebe es grundsätzlich nur sehr kleine Studien, betont er zur APA. Aber: „Die Daten passen mit anderen zusammen, in erster Linie mit der Vakzine von Novavax, die auch eine deutlich schlechtere Wirksamkeit gegen die südafrikanische Mutation aufweist.“ Man könne außerdem bei Astra Zeneca nicht sagen, wie der Impfstoff bei schweren Erkrankungen durch die südafrikanische SARS-CoV-2-Mutante wirkt, weil keine schwer erkrankten Patienten untersucht wurden. Zudem liegen bisher nur präklinische Daten vor, sagt er zum KURIER. „Da sieht man, dass sie zwar schlechter wirken – aber ausreichend.“ Astra Zeneca geht derzeit von einem ausreichenden Impfschutz aus. „Wir glauben, dass unser Impfstoff gegen eine schwere Erkrankung schützen kann, da die Aktivität neutralisierender Antikörper genauso funktioniert wie bei anderen Covid-19-Vakzinen, die gegen schwerere Erkrankungen funktionieren – besonders wenn der Abstand zwischen den beiden Dosen auf acht bis zwölf Wochen optimiert ist“, zitiert die Financial Times einen Sprecher des Pharmakonzerns. Der Impfstoff soll allerdings auf neue derzeit aktive Viren-Varianten besser angepasst werden. Das Update soll dann im Herbst verfügbar sein, so der Sprecher.

Das könnte auch auf andere Hersteller zukommen. Laut der deutschen Presseagentur dpa entpuppt sich diese Mutation ebenfalls bei anderen Vakzinen als resistenter. Erste Untersuchungen liefern aber Hinweise, die Wirksamkeit reicht nach wie vor aus.

Im Fachmagazin Nature Medicine erschien eine Studie von Pfizer und Biontech: Antikörper wirken gegen die Variante aus Südafrika weniger gut. Das führt laut den Herstellern aber „vermutlich nicht zu einer signifikant verringerten Wirksamkeit des Impfstoffs“.

Diese Studie war bereits Ende Jänner erstmals zitiert worden. Der Unterschied zu jetzt (und zur eingangs erwähnten über den Astra Zeneca-Impfstoff): Diese Daten wurden bereits von externen Experten begutachtet. Auch von Moderna hieß es Ende des letzten Monats: Das Vakzin erzeuge virusneutralisierende Antikörper auch gegen die beiden neuen Varianten.

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