Warum hoher Blutdruck so gefährlich ist

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Welttag des Bluthochdrucks: Jeder Zweite weiß nichts von seinem Gesundheitsproblem. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Es ist eine weltweite Initiative: Der Mai wurde von Blutdruckspezialisten zum internationalen „Mess-Monat“ erklärt, heute, Donnerstag, 17. 5. ist der „Welttag des Bluthochdrucks“. „Ein hoher Blutdruck ist weltweit der wichtigste Risikofaktor für einen frühzeitigen Tod und ein Leben mit Behinderung“, sagt die Kardiologin Sabine Perl von der MedUni Graz, die für die Österr. Gesellschaft für Hypertensiologie die Messaktionen koordiniert (Infos: www.hochdruckliga.at).

Wie gefährlich ist Bluthochdruck tatsächlich?

Ein 30-Jähriger mit unbehandeltem hohem Blutdruck – über 140/90 mmHg – hat ein Risiko von immerhin 63 Prozent, in seinem Leben eine Herzkreislauferkrankung wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Umgekehrt: „Wer einen Bluthochdruck behandelt, senkt sein Risiko für Herzinfarkt um ein Viertel, für einen Schlaganfall um ein Drittel und für Herzschwäche um die Hälfte.“ Bluthochdruck wird unterschätzt, weil er lange keine merkbaren Symptome verursacht.

Wie häufig ist Hochdruck – und wie oft unerkannt?

„In Europa sind 25 bis 30 Prozent der Bevölkerung betroffen, zirka die Hälfte weiß es nicht“, sagt Perl: „Im Vorjahr haben wir im Mai in Österreich 2700 Messungen durchgeführt. 51 Prozent hatten einen Blutdruck über 140/90. Aber auch von denen, die um ihren Hochdruck wussten und in Behandlung waren, erreichten 60 Prozent nicht den Zielwert von unter 140/90.“ Auch bei einer Messaktion in nö. Apotheken mit 4303 Hochdruck-Patienten waren 59 Prozent nicht im Zielbereich.

Warum erreichen trotz Therapie viele keinen Wert im Normalbereich?

Einerseits, weil bis zu 50 Prozent der Patienten ihre Medikamente nicht so einnehmen, wie das seitens des Arztes vorgesehen ist. „Patienten fragen mich dann, warum sie schon mit 40 zwei Tabletten schlucken müssen, wenn ihnen doch gar nichts weh tut? Meine Antwort lautet dann immer ‚Damit Sie mit 50 keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommen‘ Teilweise liegt es aber auch an den Ärzten, wenn die Therapie nicht ausreichend feinjustiert wird und der Blutdruck nicht engmaschig kontrolliert wird.“

Die US-Fachgesellschaften haben den Grenzwert für Bluthochdruck von 140/90 auf 130/80 gesenkt. Daran gibt es auch Kritik – immer mehr Menschen würden so zu Kranken gemacht, die Industrie verdiene.

„Wir wissen heute einfach, dass niedrigere Werte die Häufigkeit von Herzkreislaufleiden senken“, betont Perl. „Wer einen Blutdruck unter 120/80 hat, hat ein viel geringeres Risiko für Organschäden. Insofern kann ein niedrigerer Grenzwert das Bewusstsein für die Gefahren von erhöhtem Blutdruck schärfen.“ Es sei gut möglich, dass im Juni auch die europäischen Fachgesellschaften neue Richtlinien mit einem niedrigeren Grenzwert für Bluthochdruck veröffentlichen. Dass niedrigere Grenzwerte im Sinne der Pharmaindustrie seien, sieht Perl nicht so: „Es geht bei Werten um 130/80 in erster Linie um eine Lebensstiländerung (siehe auch die Grafik). Nur bei einem bereits bestehenden erhöhten Risiko für eine Herzkreislauferkrankung ist zusätzlich eine medikamentöse Therapie empfohlen.“ Allerdings dürfe man gerade bei älteren Menschen den Blutdruck nur langsam absenken, um das Schwindel- und Sturzrisiko nicht zu erhöhen.

Worauf muss man beim Messen achten?

Drei bis fünf Minuten in Ruhe sitzen, dann einmal messen, eine Minute warten und dann nochmals messen. Den zweiten (in der Regel niedrigeren) Wert sollte man aufschreiben. In der Früh und am Abend immer vor der Tabletteneinnahme messen. Liegen mehrere Messergebnisse über 135/85 mmHg, sollte man den Arzt aufsuchen. Bei Handmessgeräten ist es entscheidend, dass sie unbedingt in Herzhöhe gehalten werden. Vor allem für Menschen mit durch Atherosklerose verhärteten Blutgefäßen sind sie nicht geeignet – das erhöht die Fehlerhäufigkeit.

Was ist, wenn jemand sagt, er verträgt die Medikamente nicht?

Der Körper braucht ein bis zwei Wochen Zeit, bis er sich an den niedrigeren Blutdruck gewöhnt hat. „Deshalb darf die Dosis der Medikamente nur langsam erhöht werden“, erklärt Perl. „Aber wenn man durch diese erste Phase, in der sich viele müde und matt fühlen, durch ist, hat sich der Körper meistens sehr gut angepasst.“

( kurier.at , em ) Erstellt am 17.05.2018