© Getty Images/South_agency/iStockphoto

Wissen Gesundheit
01/25/2022

Überraschende Studie: Nicht nur ältere Männer sterben beim Sex

Ein plötzlicher Herztod während oder nach dem Liebesspiel ist selten - doch er trifft auch Frauen und Jüngere.

Sex hat viele gesundheitliche Vorteile: Er reduziert Stress und Bluthochdruck, stärkt das Immunsystem und trägt zu einer besseren Schlafqualität bei. Bei einem Orgasmus flutet das Hormon Oxytocin den Körper, welches Bindungen und Vertrauen stärkt. Verschiedene Studien haben sogar gezeigt, dass Männer, die zweimal pro Woche zum Höhepunkt kommen, seltener an einer Herzschwäche leiden.

In äußerst seltenen Fällen kann das Liebesspiel jedoch auch tödlich enden. Studien haben gezeigt, dass sich weniger als 1 Prozent der plötzlichen Herztodesfälle während oder nach dem Sex ereignen. Meistens liegt es an der körperlichen Anstrengung während des Akts, auch Medikamente (etwa gegen Erektionsstörungen) oder illegale Drogen wie Kokain sind häufige (post-)koitale Todesursachen. 

Doch wer ist besonders gefährdet, beim Sex an einem plötzlichen Herztod zu sterben? Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Meist trifft es Männer - im Durchschnitt 59 Jahre alt -, und meist ist die Ursache ein Herzinfarkt. Das ergab eine groß angelegte Analyse von 32.000 Verstorbenen, die über Jahrzehnte hinweg in Deutschland durchgeführt wurde. 

Nicht nur Männer

Eine neuere Studie der University of London zeigt nun, dass der Herztod beim Sex keineswegs nur Menschen jenseits der 50 treffen kann. Die Forscher untersuchten plötzliche Herztodesfälle an knapp 7.000 Verstorbenen zwischen 1994 und 2020. Von diesen ereigneten sich 17 - also 0,2 Prozent - während oder innerhalb einer Stunde nach der sexuellen Aktivität, schreiben die Forscher im Fachjournal JAMA Cardiology.

Das Durchschnittsalter beim Sex-Tod betrug 38 Jahre. 35 Prozent der Fälle waren Frauen, ein deutlich höherer Anteil als in früheren Studien. Diese Frauen starben typischerweise nicht an Herzinfarkten, wie es bei älteren Männern meist der Fall ist. Bei etwa der Hälfte zeigte das Herz eine normale Funktion, Todesursache war eine plötzliche Rhythmusstörung. 

Die zweithäufigste Ursache war ein Aortenriss (12 Prozent). Die restlichen Fälle waren auf strukturelle Anomalien wie Kardiomyopathien oder seltene genetische Konditionen zurückzuführen. 

Ursachen 

Ein veränderter Herzrhythmus, etwa durch Anstrengung beim Sex, kann einen Sauerstoffmangel verursachen und zu einem plötzlichen Herzstillstand führen, schreibt der Pathologe David Gaze von der University of Westminster auf Science Alert. "Diese neue Studie legt nahe, dass Menschen unter 50 hauptsächlich durch plötzliche, unklare Rhythmusstörungen (SADS, Anm.) oder Kardiomyopathien sterben."

Jüngere Erwachsene, bei denen solche Diagnosen vorliegen, sollten ihren Kardiologen zum Thema sexuelle Aktivität befragen, schreibt Gaze. Die Ergebnisse würden aber auch zeigen, dass das Risiko sehr niedrig ist - "sogar bei Menschen mit vorliegenden Herzproblemen".

Laut dem Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit überschätzen Menschen die körperliche Leistung, die sie beim Sex erbringen. Zwar seien Blutdruck und Herzfrequenz vor und während des Orgasmus sehr hoch, die Belastung auf das Herz dauert aber nur wenige Sekunden. Für Herzkranke sei es daher ratsam, mit einem langen Vorspiel zu beginnen und sich dann langsam zu steigern - ähnlich wie beim Sport.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare