Chronik | Oberösterreich
18.03.2018

Plötzlicher Herztod trifft auch Jüngere

Viele Menschen wissen nicht, dass sie herzkrank sind – Herz-Kreislauf-Erkrankungen nehmen zu.

Betroffen und "in tiefer Trauer" gab das Land Oberösterreich Anfang März bekannt, dass Werner Jüngling, Leiter der Abteilung Verkehr am 28. Februar "völlig überraschend" im 53. Lebensjahr starb. Am 18. Februar ist der Steyrer Notar Markus Stögner ebenso "völlig unerwartet" gestorben. Der schlanke und sportliche Jurist erlitt einen Herzstillstand auf der Piste. Am 4. März wurde der 31-jährige italienische Fußball-Profi und Kapitän des AC Florenz Davide Astori tot in seinem Hotelzimmer in Udine aufgefunden. Eine Obduktion hat ergeben, dass sein Herz zuerst langsamer wurde, bevor es zu schlagen aufgehört hat. Am 10. März erlitt der deutsche Ex-Motorrad-Star Ralf Waldmann mit 51 Jahren einen Herzinfarkt und starb. Wie kann es sein, dass junge, scheinbar gesunde Menschen plötzlich sterben?

Völlig überraschend

"Die Ursache des plötzlichen Herztods sind meist Herz-Rhythmusstörungen wie das Kammerflimmern", sagt Professor Hans Joachim Geißler, Standortleiter des Referenzzentrums für Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie am Klinikum Wels-Grieskirchen. Die Herzkammer schlage dabei mit einer vergleichsweise massiv hohen Frequenz. "Letztendlich hat das Herz keinen Blutauswurf mehr." Der Effekt sei wie bei einem Herzstillstand, wo das Herz zu schlagen aufhört.

Eine Ferndiagnose zu den genannten Fällen könne nicht gestellt werden. Jedoch sei bei jungen Menschen oft eine Herzmuskelentzündung die Ursache, häufig auf dem Grund eines viralen Infektes. "Vielfach bemerken das diese Menschen nicht. Sie glauben, sie hätten eine starke Grippe und fangen früh an, zu trainieren." In Wirklichkeit haben sie laut Geißler eine Leistungsschwäche des Herzens. "Wenn man dann in solch einer Situation Leistung abfordert, kann Kammerflimmern auftreten."

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten nach wie vor als die häufigste Todesursache. "Das gilt vor allem für Industrieländer", sagt der Leiter des Referenzzentrums, Primar Andreas Florian Zierer. Er ist Vorstand der Universitätsklinik für Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie und Professor an der Medizinischen Fakultät Linz.

Lebensstil als Risiko

Das habe auch mit einem ungesünderen Lebensstil in den USA und in Europa zu tun. Neben den bekannten Risikofaktoren wie zu wenig Bewegung und fettreiche Ernährung gebe es auch familiäre Dispositionen und Veranlagungen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

In Österreich sterben laut Geißler jährlich 12.000 bis 15.000 Menschen an plötzlichem Herztod, in Deutschland ungefähr 130.000. "Wobei in der überwiegenden Anzahl der Fälle ein akuter Herzinfarkt die Ursache ist. Das ist eine Mangeldurchblutung, weil ein Herzkranzgefäß durch eine Krankheit zu gegangen ist." Das Problem sei, dass viele dieser Menschen nicht wissen würden, dass sie herzkrank sind. "Der plötzliche Herztod ist in 20 Prozent der Fälle die Erstmanifestation." In der Mehrzahl betreffe das jedoch Menschen, die älter sind als 60 Jahre. "Wichtig ist, dass diese Menschen an die Möglichkeit einer Herz-Erkrankung denken."

Laut Geißler und Zierer gibt mehrere Möglichkeiten, aktiv etwas für sich und für andere zu tun. Geißler meint: "Nehmen Sie das Angebot der Gesundenuntersuchung wahr und seien Sie kritisch, was Ihre Familienanamnese und Ihre Risikofaktoren anbelangt wie Rauchen und Diabetes."

Auf Körper achten

Zweitens soll man laut Geißler auf den eigenen Körper achten. "Wenn es Ihnen wirklich schlecht geht, hat das einen Grund und dann sollten Sie das ernst nehmen."

Primar Zierer rät zu zwei bis drei Mal pro Woche einer Stunde gemütlichem Ausdauersport. "Spaziergänge, langsames Joggen, Schwimmen oder Langlaufen sind für das Herz am besten." Auch bei der Ernährung sei ein Kompromiss gefragt zwischen Gemüse und Schnitzel. Wichtig sei, Herz-Kreislauf-Erkrankungen ernst zu nehmen und bei Symptomen wie Druck auf der Brust, Atemnot oder Unregelmäßigkeiten im Herzschlag zum Arzt zu gehen. "Aber man soll sich nicht verrückt machen lassen, von dem, was sein könnte."

Außerdem kann laut Geißler das Kammerflimmern durchbrochen werden, zum Beispiel durch den Einsatz eines Defibrillators, den es an vielen öffentlichen Plätzen gibt. "Dafür muss man kein Arzt sein, das kann jeder machen." Man solle sich jemanden zur Hilfe holen, die Rettung informieren und mit der Wiederbelebung beginnen. "Man kann nichts schlimmer machen", sagt er.