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Wissen Gesundheit
12/14/2020

Pfizer-Impfung: Was es mit der Zurückhaltung bei Schwangeren auf sich hat

Für werdende Mütter liegen bislang keine Sicherheitsdaten vor. In Großbritannien, wo die Substanz schon gespritzt wird, wird Schwangeren die Injektion nicht empfohlen.

von Marlene Patsalidis

Vergangenen Freitag hat die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA den Corona-Impfstoff der Biotechkonzerne Pfizer und Biontech final abgenickt. In Kürze sollen die ersten Impfdosen von "BNT162" verabreicht werden.

In ihrem Entscheid stellte es die FDA schwangeren und stillenden Frauen frei, sich das Mittel zur Immunisierung spritzen zu lassen. Ein durchaus überraschender Schritt. In Großbritannien, wo das Präparat ebenfalls bereits zugelassen und in Verwendung ist, wird Schwangeren von einer Impfung abgeraten, da aus den bisherigen klinischen Prüfstudien keine Daten zur spezifischen Sicherheit vorliegen. Heißt: Der Impfstoff wurde weder bei schwangeren noch bei stillenden Frauen getestet.

Die FDA genehmigte – wie die britischen Behörden – "BNT162" für Personen ab 16 Jahren und forderte Pfizer und Biontech auf, laufend Berichte über die Sicherheit des Impfstoffs nachzureichen, auch zur Anwendung bei Schwangeren. "Wir haben wirklich keine Daten, die auf Risiken für schwangere Frauen oder den Fötus hinweisen, aber auch keine Daten, die eine Kontraindikation (Gegenanzeige, Anm.) für die Anwendung in der Schwangerschaft zum jetztigen Zeitpunkt rechtfertigen würden", wird Doran Fink, stellvertretender Direktor für Impfstoffentwicklung bei FDA, von der New York Times zitiert. Im Rahmen der Notfallzulassung könnten Frauen daher gemeinsam mit ihrem Gynäkologen eine eigene Entscheidung treffen.

"Man geht bei allen Impfstoffen nicht zuerst gezielt auf Schwangere zu und impft sie", erklärt Markus Zeitlinger, Leiter der Abteilung für klinische Pharmakologie der MedUni Wien, die Hintergründe. "Es werden aber im Laufe der Zeit ganz natürlich Frauen die Corona-Impfung erhalten, die zu diesem Zeitpunkt schon schwanger sind, es aber noch nicht wissen, oder kurz nach der Impfung schwanger werden."

Anhand dieser Gruppe werde man laufend Sicherheitsdaten zum Wirkstoff generieren, "um schließlich zu entscheiden, ob der Impfstoff Schwangeren auch aktiv injiziert werden sollte".

Risikoabwägung

Unabhängig vom behördlichen Vorgehen sprechen sich Expertinnen und Experten in den USA teilweise für die Gabe des Vakzins an Schwangere aus. Man beruft sich auf die Risikoabwägung: So stelle eine Infektion mit SARS-CoV-2 für schwangere Frauen derzeit ein weitaus größeres Risiko dar als der neue Impfstoff. Der Großteil anderer zugelassener Impfstoffe würde Schwangeren zudem seit Jahrzehnten mit überwiegend sicherem Ergebnis verabreicht, so der Tenor.

"Wir haben eine lange Erfolgsgeschichte bei der Impfung schwangerer Frauen, und fast alle Impfungen sind sehr sicher", sagte etwa Denise Jamieson, Geburtshelferin an der Emory University in Atlanta und Mitglied des Ausschusses für Covid-Impfstoffe des American College of Obstetricians and Gynecologists zur New York Times. Sie sei enttäuscht, dass die FDA Schwangere "nicht expliziter" ermutige, die Impfung einzufordern. Frauen, die über eine Schwangerschaft nachdenken, sollten laut Jamieson beide Impfdosen erhalten, bevor sie versuchen, schwanger zu werden.

"Das ist ein wirklich großer Schritt nach vorne, um die Autonomie von Frauen bei Entscheidungen über ihre eigene Gesundheitsversorgung zu stärken", sagte Emily Miller, Geburtshelferin an der Northwestern University und Mitglied der Covid-19-Task Force der Society for Maternal Fetal Medicine der New York Times.

Weiblich geprägtes Gesundheitswesen

Die ersten Dosen des Pfizer-Biontech-Impfstoffs sind auch in den USA Beschäftigten des Gesundheitswesens und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen vorbehalten. Das schließt laut New York Times an die 330.000 schwangere und stillende Frauen mit ein. "Ich unterstütze die Entscheidung der FDA voll und ganz, die Tür für die Covid-Impfung für schwangere und stillende Arbeitnehmerinnen offen zu lassen", sagte Ruth Faden, Bioethikerin an der Johns Hopkins University in Baltimore. Das Gesundheitspersonal sei einem enormen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. "Wir müssen Frauen die Möglichkeit geben, die Sache für sich durchzudenken, mit jemandem, der ihnen Geburtshilfe leistet", sagte Bioethikerin Faden.

Bevor ein Impfstoff klinisch an Menschen getestet wird, wird er in Tierversuchen überprüft. Vergangene Woche hieß es vonseiten Pfizer und Biontech, dass Tierdaten zum Effekt der Impfung auf Föten bis Ende des Jahres verfügbar sein würden.

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