Die Spanische Grippe gilt als tödlichste Influenza-Pandemie der Geschichte.

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Wissen Gesundheit
01/22/2020

Pandemien damals und heute: Viren, die dem Menschen zu schaffen machten

Tritt ein neues Virus auf, ist schnell von einer Pandemie die Rede. Nicht immer ist der Begriff zutreffend.

von Marlene Patsalidis

Unbekannt, hoch ansteckend, tödlich: Wenn wie aktuell ein neues Virus auftaucht, beschäftigt das Menschen und Medizin in immensem Ausmaß. Schnell wird von einer Epidemie oder gar einer Pandemie gesprochen. Bedrohliche Begriffe, die einer Einordnung bedürfen.

Eine Epidemie bricht aus, wenn durch bestimmte Erreger ausgelöste Krankheiten innerhalb einer gewissen Region stark gehäuft aber zeitlich begrenzt auftreten. So haben etwa bereits die bakteriellen Infektionskrankheiten Cholera und Typhus Epidemien ausgelöst. Oft werden auch nicht ansteckende Krankheiten, beispielsweise Übergewicht, als solche bezeichnet. Nicht immer wächst sich eine Epidemie zur Pandemie aus. Letztere ähnelt dieser zwar, allerdings treten Pandemien nicht örtlich begrenzt auf, sondern breiten sich weit und über viele Ländergrenzen und ganze Kontinente hinweg aus."Wenn ein Ausbruch einer Epidemie oder Pandemie droht, treten medizinische Mechanismen in Kraft, die genau von der Weltgesundheitsorganisation vorgegeben sind. Es werden speziell geschulte medizinische Teams in die betroffenen Regionen geschickt, um die lokalen Behörden zu unterstützen", erklärt Virologe Christoph Steininger von der MedUni Wien / AKH Wien. "Das war auch jetzt in China der Fall. China scheint jedoch bei der Untersuchung des Virus ohnehin sehr gut aufgestellt zu sein – es wurden binnen kürzester Zeit viele Erkenntnisse zum Virus gewonnen." Außerdem wichtig zu betonen: Epidemien und Pandemien müssen nicht zwangsläufig Auswirkungen auf Österreich haben.

Schlimme Seuchen

Zu den großen Pandemien der jüngeren Geschichte zählen die Spanische Grippe (1918–1920) mit (je nach Schätzung) 25 bis 50 Millionen Toten und das HI-Virus, das seit Beginn der Achtzigerjahre weltweit mehr als 37 Millionen Leben gefordert hat.

In den vergangenen 100 Jahren haben vor allem Influenza-Pandemien für Aufregung und Verunsicherung gesorgt. Ursache des Problems: Influenza-Viren verändern sich ständig, große Teile der Bevölkerung sind daher trotz Impfung oder Immunisierung durch eine vorangegangene Infektion nicht mehr geschützt. Beispiele für Influenza-Pandemien sind neben der bereits genannten Spanischen Grippe die Asiatische Grippe, die 1957 mehr als eine Million Tote forderte, ebenso wie die Hongkong-Grippe im Jahr 1968. Der Russischen Grippe fielen in den 1970er-Jahren rund 700.000 Kinder und Jugendliche zum Opfer. 2009 starben schließlich rund 18.000 Menschen an der Schweinegrippe.

Medizinischer Fortschritt

"Derzeit gibt es keine Warnzeichen, dass es in unseren Breiten in unmittelbarer Zukunft zu einer Influenza-Pandemie kommen wird", sagt Steininger. Über dieses Szenario werde bereits seit zehn Jahren gesprochen. "Seit dem Ausbruch der Schweinegrippe, die im Vergleich zu anderen Influenza-Pandemien wie etwa der Spanischen Grippe eine viel geringere Opferzahl gefordert hat, hat sich die Medizin erneut weiterentwickelt und auf dem Gebiet Fortschritte erzielt, sodass ein derartiges Schreckensszenario tatsächlich nicht wahrscheinlich scheint", schildert der Experte für Infektiologie und Tropenmedizin. Für Influenza stehe zudem eine Impfung zur Verfügung.

Als erste Pandemie des 21. Jahrhunderts gilt SARS. Das "Schwere Akute Respiratorische Syndrom" trat erstmals Ende 2002 auf und ging auf ein bis dahin unbekanntes Coronavirus zurück. An der SARS-Pandemie in den Jahren 2002 und 2003 starben insgesamt rund 700 Menschen in Festlandchina und Hongkong.

Der aktuell in China um sich greifende Coronavirus ähnelt dem SARS-Virus. Coronaviren gelten schon lange als Kandidat für weltweite Epidemien, da sie es gelegentlich schaffen, Artgrenzen zu überwinden. So scheint das MERS-Coronavirus, das erstmals 2012 auf der arabischen Halbinsel auftauchte, von Dromedaren auf Menschen übergegangen zu sein. SARS hingegen dürfte seinen Ursprung in Flughunden haben, die das Virus wiederum auf Schleichkatzen übertrugen. Diese werden in China als Delikatessen verzehrt. So dürften sich Menschen angesteckt haben.

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