Vor dem Neujahrsfest am kommenden Samstag verreisen traditionell Hunderte Millionen Chinesen.

© APA/AFP/HECTOR RETAMAL

Wissen Gesundheit
01/20/2020

Virus-Ausbruch in Asien: Mysteriöse Lungenkrankheit von Menschen übertragbar

Nach China wurden weitere Infektionen aus Thailand, Japan und Südkorea gemeldet. Die Krankheit wirft viele Fragen auf.

Ausgerechnet während der Reisewelle anlässlich des chinesischen Neujahrsfests breitet sich ein neuartiger Virus sprunghaft aus. Mit diesem Coronavirus haben sich nach Behördenangaben mittlerweile mehr als 200 Menschen in der Volksrepublik angesteckt, drei von ihnen starben. Weitere Infektionen wurden aus Thailand, Japan und Südkorea gemeldet. Die Krankheit wirft viele Fragen auf.

Der Erreger zählt zur großen Familie der Coronaviren und wurde vor den seit Dezember auftretenden Fällen noch nie beobachtet. Bisher ist über das Virus und seiner Herkunft wenig bekannt. Vieles deutet darauf hin, dass es sich von einem Fischmarkt in Wuhan ausbreitete, einer Stadt mit elf Millionen Einwohnern in der ostchinesischen Provinz Hubei. "Man nimmt an, dass die Quelle auf diesem Markt verkaufte Tiere waren", sagt Arnaud Fontanet, Leiter der Abteilung für die Epidemiologie neu auftretender Krankheiten am Pariser Pasteur-Institut. Der Markt wurde zu Jahresbeginn geschlossen und desinfiziert.

Der neue Erreger ähnelt dem Coronavirus, das in den Jahren 2002/2003 eine Epidemie der Atemwegserkrankung SARS (Severe acute respiratory syndrome) verursacht hatte. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten weltweit 8.096 Menschen, 774 von ihnen starben. Damals wurden 349 Todesfälle aus Festland-China gemeldet und 299 weitere aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong.

Am Montagabend berief die WHO ihren Notfallausschuss ein. Die Experten sollen am Mittwoch darüber beraten, ob eine Gesundheitsnotlage ausgerufen werden soll. Diese unabhängigen Experten empfehlen auch Maßnahmen, die möglicherweise ergriffen werden sollten.

Mehr als 200 Menschen in China infiziert

Bei dem SARS-Erreger und dem nun aufgetretenen Coronavirus bestehen laut Fontanet zu "80 Prozent Ähnlichkeiten" im Erbgut - und beide verursachen Atemwegserkrankungen. Bisher infizierten sich nach Behördenangaben mehr als 200 Menschen mit dem Virus, fast alle in China. Drei Patienten in China starben. Insgesamt vier weitere Infektionen wurden aus Thailand, Japan und Südkorea gemeldet. Alle Patienten hatten sich zuvor in Wuhan aufgehalten. Das Londoner Zentrum für die Analyse globaler Viruserkrankungen schätzt die tatsächliche Zahl der Infizierten deutlich höher: Es geht von mehr als 1.700 Infizierten aus.

Am Montag wurde bekannt, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar sei – das war zuvor für unwahrscheinlich gehalten worden. Über die exakten Umstände tappt man aber nach wie vor im Dunkeln. Die chinesischen Behörden haben rund 700 Kontaktpersonen der Infizierten untersucht. Sie stellten dabei nur eine Infektion bei einer Frau fest, deren Mann auf dem verdächtigen Fischmarkt arbeitete und die versichert, nie dort gewesen zu sein.

Die ständig neuen Fälle bis hin ins Ausland ließen "befürchten, dass eine Von-Mensch-zu-Mensch-Übertragung existiert", sagt Fontanet. Wenn überhaupt sei dieser Übertragungsweg aber "sehr eingeschränkt".

Neue Fälle in anderen Ländern "wahrscheinlich"

"Angesichts der weltweiten Reisegewohnheiten sind neue Fälle in anderen Ländern wahrscheinlich", urteilte die WHO. Innerhalb Chinas könnte sich das Virus auch durch den massiven Reiseverkehr anlässlich des Neujahrsfests am Wochenende weiter ausbreiten.

Um die Krankheit einzudämmen, muss schnell ihre Quelle gefunden werden. Deswegen werden derzeit in der Region Wuhan unterschiedliche Tiere untersucht, wie Raina MacIntyre von der University of New South Wales in Sydney sagt. Außerdem haben die Behörden ein wachsames Auge auf aus Wuhan kommende Reisende, sie werden bei Symptomen von Atemwegserkrankungen isoliert. Um internationale Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu unterstützen, haben die chinesischen Behörden früh seine Gensequenz veröffentlicht, wie Adam Kamradt-Scott, Infektionsexperte der University of Sydney, betonte. Dies habe es ermöglicht, einen Test zur Identifizierung von Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus zu entwickeln.

Derzeit erscheine der neue Erreger weniger gefährlich als der SARS-Erreger, sagte Experte Fontanet. Wenn das Coronavirus wie damals mutiere und dadurch schneller übertragbar werde, könne sich dies aber ändern.

Ob Atemmasken einen wirksamen Schutz bieten, ist unklar. Für viele Menschen aber sind sie die naheliegendste Vorsichtsmaßnahme.

Chinas Präsident Xi: Virus-Ausbruch muss eingedämmt werden

Der chinesische Präsident Xi Jinping hat einen entschlossenen Kampf gegen die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit angekündigt. "Das Leben und die Gesundheit der Menschen sollten oberste Priorität haben und die Ausbreitung des Ausbruchs sollte entschieden eingedämmt werden", wurde Xi am Montag vom staatlichen Fernsehen zitiert.

China hat bis zum frühen Montagabend (Ortszeit) insgesamt 217 Fälle bestätigt. Demnach gibt es mittlerweile auch einen bestätigten Fall in Shanghai.

Ärger über Behörden

Der Ausbruch sowie Enthüllungen lokalen Behörden über Patienten, die bis zur Bestätigung der Diagnose unter Quarantäne stehen, gehörten am Montag zu den Top-Themen auf Social-Media-Plattformen wie dem chinesischen Twitter-Pendant Weibo. Einige Nutzer äußerten sich verärgert über den Mangel an klaren Hinweisen der Behörden, welche Vorsichtsmaßnahmen sie ergreifen können. "Ich muss auf Weibo selbst nach allen neuen Entwicklungen suchen - keine Benachrichtigung von Schulen, Firmen oder dem Wohnkomplex, in dem ich lebe", beklagt sich ein Nutzer auf Weibo.

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