Die zärtliche Attacke sollte keine Folgen haben – gefährlicher sind Bisse.

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Gesund
11/28/2019

Tödliche Infektion durch Hundespeichel: "Eine wirkliche Ausnahme"

Abschlecken durch den eigenen Hund hat für den schweren Krankheitsverlauf ausgereicht: Solche Fälle sind eine extreme Seltenheit.

von Hedwig Derka, Ernst Mauritz

Ein Todesfall sorgt für Verunsicherung unter Tierbesitzern: Ein 63-jähriger, gesunder Mann in Bremen wurde von seinem Hund abgeschleckt – dabei kam es zu einer Infektion mit dem Bakterium Capnocytophaga canimorsus, das im Hundespeichel vorkommt. Der Mann bekam hohes Fieber und Grippe-ähnliche Symptome. Im Spital verschlechterte sich sein Zustand. Trotz intensivmedizinischer Behandlung kam es zu einer schweren Sepsis (Blutvergiftung), der Mann verstarb an Organversagen. Ein Bericht auf kurier.at stieß auf enormes Interesse.

„Das ist eine wirkliche Ausnahme, absolut nicht der Regelfall. Daher gibt es keine Gefahr für einen gesunden Menschen“, betont der Infektionsspezialist Florian Thalhammer von der MedUni/AKH Wien. Ähnlich sein Kollege Robert Krause von der MedUni Graz: „Das war wirklich ein Riesenpech.“

Bekannt sind solche Infektionen auch in Österreich: „Wir hatten eine Fallpräsentation auf einem der Österreichischen Infektionskongresse.“ In der Regel werden diese Erreger (und häufigere wie Pasteurella multocida) durch Bissverletzungen übertragen. Krause: „Aber wenn es eine offene Stelle z. B. auf der Hand gibt oder die Hautbarriere durch eine Erkrankung vermindert ist, kann auch ohne Biss eine Infektion angehen.“ Treten nach Tierkontakten merkwürdige Symptome auf, ist der Arzt gefragt.

Tierbisse müssen immer professionell gereinigt und versorgt werden, damit möglichst wenig Keime in die Wunde gelangen und das Risiko schwerer Verläufe vermindert wird. Weil Katzen mit ihren kleinen, spitzen Zähnen tief in das Gewebe eindringen können, wird in der Regel eine Antibiotikatherapie verordnet. Bei Hundebissen kommt es auf die Art der Verletzung an.

Was es sonst gibt

Wichtig ist Hygiene (siehe unten). Thalhammer: „Prinzipiell soll man Abschlecken vermeiden.“ Eine der bekanntesten Tier-Mensch-Infektionen ist die Toxoplasmose. „Ihre Häufigkeit hat abgenommen, gefährdet sind nur Schwangere, wenn es zu einer Erstinfektion während der Schwangerschaft kommt, und Transplantationspatienten.“ Wobei nicht die Katzen die häufigste Infektionsquelle für den Parasiten sind, sondern nicht ausreichend durchgebratenes Fleisch sowie Gemüse oder Obst, wenn darauf Rückstände von infiziertem Katzenkot sind.

Wer Streunerhunde aus dem Süden mitnimmt, kann sich mit Leishmaniose (Parasiten) infizieren. Reptilien oder Schlangen können Salmonelleninfektionen auslösen. Thalhammer: „Generell ist das Risiko einer Krankheitsübertragung durch Haustiere in Österreich aber gering.“ Im Vergleich etwa zur von Zecken übertragenen Borreliose. Oder zu Durchfallerregern wie Campylobacter in tierischen Lebensmitteln.

Hygiene und Vorsorge schützen

„Es ist ein furchtbar tragischer Fall. Es besteht aber überhaupt kein Grund zur Panik“, kommentiert Katharina Reitl den Tod eines 63-jährigen Deutschen, der sich bei seinem Hund mit einem überaus seltenen Bakterium infiziert hatte. Es gebe „jede Menge Krankheiten, die von Haustieren übertragen werden können, das Risiko dafür ist unter normalen Umständen aber extrem gering“, sagt der KURIER-Tiercoach.

Psyche: Haustiere gelten als beste Freunde des Menschen – weil sie ihre Bezugsperson ungeachtet deren Fähigkeiten, des Aussehens oder der sozialen Stellung akzeptieren; sie urteilen nicht. Die vierbeinigen „Familienmitglieder“ drücken diese bedingungslose Zuneigung unmissverständlich aus – u.a. durch Wedeln oder Schnurren. Sie reagieren auf ihren Halter und suchen (Körper-)Kontakt. Das macht sie zu Seelentröstern. Hunde z.B. senken einer aktuellen Studie zufolge das Risiko, sich einsam zu fühlen und verbessern generell die Stimmung.

Körper: Zahlreiche Studien belegen den positiven Effekt der Mensch-Tier-Beziehung auf die körperliche Gesundheit. Jüngst zeigten Forscher, dass Hunde Blutdruck und Cholesterin senken sowie das Sterberisiko nach einem Herzinfarkt deutlich reduzieren.

Hygienemaßnahmen – wie gründliches Händewaschen – und Prophylaxe – etwa  Entwurmen von Vierbeinern mit Auslauf – schützen. Immungeschwächte Patienten, Kinder und  ältere Menschen  sollen im Kontakt mit Hund, Katze  & Co.  vorsichtig sein. Veterinärmediziner tragen bei Bedarf vorsorglich Handschuhe bzw. Mundschutz.

„Das größte Problem sind vermutlich Hautpilze. Und Flöhe, die auf den Menschen springen, wenn der Vierbeiner behandelt ist“, sagt der Zoodoc aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Beides lässt sich gut therapieren. Katzenbisse sind wegen der Keime im Maul nicht zu unterschätzen. Prinzipiell können Säuger, Vogel und Reptil Krankheitsträger sein.

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