Wissen und Gesundheit
21.11.2017

Gesundheit und Hund: Was ein Kardiologe sagt

Der Kardiologe Franz Xaver Roithinger über die positiven Auswirkungen von Hunden – von jung bis alt. Und welche Erkenntnisse frühere Studien brachten.

Hunde können das Risiko für einen frühzeitigen Tod und einen Herzinfarkt deutlich senken - zu diesem Ergebnis kam eine große schwedische Studie - der KURIER berichtete. Der Kardiologe Univ.-Doz. Franz Xaver Roithinger (Landesklinikum Wiener Neustadt) hat selbst zwei Hunde und ist Sprecher der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft.

KURIER: Aus Ihrer Erfahrung: Was bringt ein Hund für die persönliche Gesundheit?

Franz Xaver Roithinger: Wenn jemand in die Ordination kommt und sagt, ’ich gehe täglich mit dem Hund spazieren‘, ist das schon einmal ein gutes Zeichen, gerade in Ostösterreich. Da ist ja das Bewegungsausmaß generell niedriger als im Westen. Und wenn es auch nur 500 Meter am Tag sind, die man beim Ausgang mit dem Hund zurücklegt, so ist das eindeutig besser als gar nichts. Bereits eine geringe regelmäßige körperliche Aktivität hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Ich habe selbst in meiner Familie zwei Hunde, und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, ein weiterer Vorteil ist, dass die Kinder dadurch nicht so viel vor dem Handy sitzen.

In der neuen Studie wird die geringere Zahl an Herzinfarkten und frühzeitigen Todesfällen unter Hundebesitzern auch mit den positiven Wirkungen eines Hundes auf die Psyche in Zusammenhang gebracht.

Wir wissen heute, dass es bei depressiven Patienten mehr Herzinfarkte gibt – und dass nach einem Infarkt die Prognose für ihren künftigen Gesundheitszustand eine schlechtere ist als bei Infarktpatienten ohne Depressionen. Die psychische Stabilisierung ist deshalb enorm wichtig. Und hier spielen Haustiere eine Rolle, die aus meiner Sicht bisher unterschätzt wurde. Gerade auch bei älteren Menschen sehe ich hier sehr viele positive Effekte für ihr psychisches und körperliches Wohlbefinden.

Welche Erkenntnisse schon bisher bekannt waren

Die American Heart Association ist eine große wissenschaftliche Einrichtung in den USA mit einem Ziel: Die Zahl von Herzinfarkten und Schlaganfällen zu senken. Vor Kurzem gab sie – nach der Sichtung aller einschlägigen Studien – eine wissenschaftliche Stellungnahme zum Thema „Gesundes Herz und Haustiere“ ab. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Aussage kannten die US-Forscher noch gar nicht die Ergebnisse der schwedischen Studie. Zentrales Ergebnis auch ihrer Stellungnahme: Die Anschaffung eines Haustieres, besonders eines Hundes, könne eine vernünftige Maßnahme sein, das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen zu senken.

Denn bereits frühere Studien zeigten positive Effekte, die dann auch Grundlage für die Stellungnahme der Heart Association waren.

Hier einige Beispiele:

  • Von Teilnehmern einer Studie wurde über fünf Monate hindurch der Blutdruck während typischer Alltagsaktivitäten gemessen. Eine Gruppe bekam zu Studienbeginn einen Hund, die andere lebte ohne Hund weiter. Die neuen Hundebesitzer hatten nach zwei und fünf Monaten einen signifikant niedrigeren ersten Blutdruckwert.
  • Hundebesitzer waren in einer Studie 150 Minuten pro Woche spazieren, Nicht-Hundebesitzer hingegen nur 111 Minuten.
  • Bei Hundebesitzern ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Ausmaß ihrer wöchentlichen Bewegung an die offiziellen Empfehlungen herankommt, um fast 60 Prozent höher als in der Gesamtbevölkerung.
  • Gerade bei Hundebesitzern scheint es positive Auswirkungen auf die Gewichtsreduktion zu geben.

Eines betonen die US-Kardiologen aber auch: Die Reduktion des Risikos für Herzerkrankungen sollte nicht der Hauptgrund für die Anschaffung eines Hundes sein.