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Wissen Gesundheit
01/26/2022

Omikron: Wie lange uns der Booster schützt

Eine neue Studie zeigt, wie lange der Immunschutz der dritten Impfung anhält.

von Elisabeth Kröpfl

Omikron sorgt weltweit für rasant ansteigende Infektionszahlen. In Österreich wurden von Dienstag auf Mittwoch 34.011 Neuinfektionen gemeldet. Bisherige Studien zeigen, dass die zugelassenen Impfstoffe die Wahrscheinlichkeit von schweren Verläufen und Todesfällen auch bei Omikron reduzieren. Seit dem Auftauchen der neuen Variante im November 2021 wird intensiv geforscht, wie lange und gut wir durch die Impfstoffe geschützt sind - auch welche Rolle Auffrischungsimpfungen dabei spielen.

"Flut neuer Daten"

Eric Topol, Molekularmediziner und Chef des Scripps Research Translational Institute in La Jolla in Kalifornien, spricht von einer "Flut neuer Daten über die Auswirkungen von Omikron auf der ganzen Welt". Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter verweist er auf eine aktuelle Studie, die als Preprint bei biorxiv erschienen ist und noch nicht von Fachkolleginnen und Fachkollegen begutachtet wurde. Sie zeigt, dass noch vier Monate nach der Auffrischung mit Biontech/Pfizer neutralisierende Antikörper gegen Omikron vorhanden sind.

In der Laborstudie wurde verglichen, wie gut Antikörper über die Zeit die Ursprungsvariante aus Wuhan und die Omikron-Variante nach jeweils zwei und drei Dosen des mRNA-Impfstoffs von BioNtech-Pfizer neutralisieren. Zwei bzw. vier Wochen nach der zweiten Impfung zeigen die Messergebnisse, dass keine ausreichende Neutralisierung gegen Omikron bestand. Einen Monat nach dem Drittstich waren jedoch das Ausmaß und die Breite der neutralisierenden Antikörper – auch gegen Omikron – erhöht.

Antikörper "ziemlich hoch"

Auch vier Monate nach der Booster-Impfung war die Zahl neutralisierender Antikörper laut Topol "überraschenderweise noch immer ziemlich hoch". Der US-Wissenschafter bezeichnet das auf Twitter als "großartig".

Zwar sei die Zahl der neutralisierenden Antikörper vier Monate nach dem Drittstich im Gegensatz zu einem Monat nach dem Drittstich –  sowohl gegen die Ursprungsvariante als auch gegenüber Omikron – gesunken, insgesamt unterstreicht die Studie jedoch die Wichtigkeit des Drittstichs. Die Daten sprechen also für eine Impfstrategie mit drei Dosen.

Eine zentrale Frage in der Debatte um die Auffrischungsimpfung ist, wie schnell ihr Schutz nachlässt und der Stich wiederholt werden muss, ob also nach dem Booster noch ein vierter Stich notwendig ist. Die Ergebnisse der Laborstudie deuten darauf hin, dass eine vierte Impfung möglicherweise nicht sofort erforderlich ist.

"Das ist eine ganz neue Erkenntnis", sagte Pei-Yong Shi, Mikrobiologe an der University of Texas Medical Branch in Galveston zur Washington Post. "Das zeigt, dass zumindest bis zu vier Monate nach der dritten Dosis noch eine beträchtliche neutralisierende Aktivität gegen Omikron besteht. Auch wenn die Antikörper gegen die Omikron-Variante in den vier Monaten nach der Auffrischungsimpfung sanken, blieben sie jedoch hoch genug, so dass sie, zumindest wenn man von Vergleichen mit anderen Varianten ausgeht, weiterhin einen gewissen Schutz bieten sollten, so Shi.

"Es ist wirklich bemerkenswert, wie viel und wie schnell wir über Omikron und unsere Fähigkeit, sein Ausmaß zu reduzieren, lernen, wenn man bedenkt, dass dieser Virusstamm erst vor weniger als zwei Monaten gemeldet wurde“, schreibt Topol.

Rückgang der Antikörper

Dass der Antikörperstatus in den Monaten nach der Impfung abnimmt, ist bereits aus früheren Studien bekannt. Die Omikron-Variante war diesbezüglich besonders besorgniserregend, weil im Monat nach der zweiten Impfung, wenn die Menge neutralisierender Antikörper eigentlich ihren Höchststand erreicht haben sollte, diese nur minimal oder teilweise gar nicht nachweisbar waren.

Zum Zeitpunkt, zu dem Menschen ihre Auffrischungsimpfung – sprich die dritte Dosis – erhielten, war die Menge neutralisierender Antikörper noch weiter zurückgegangen. Nach wie vor ungewiss ist, ob der Antikörperspiegel nach vier Monaten weiter sinkt oder sich auf einem bestimmten Niveau stabilisieren wird.

Booster bei abgeschwächtem Immunsystem

Patientinnen und Patienten, bei denen das Immunsystem durch immunsuppressive Therapien abgeschwächt ist, haben oft auch nach zweimaliger Impfung ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf. Aktuelle Forschungsergebnisse der MedUni Wien zeigen nun, dass für Patientinnen und Patienten, die initial keine Antikörper bilden konnten, eine Boosterimpfung sicher und effektiv ist. Die Studie wurde vor kurzem im Journal Annals of the Rheumatic Diseases veröffentlicht.

"Da das Risiko für ein reduziertes Impfansprechen und einen schweren Krankheitsverlauf bei dieser Gruppe besonders groß ist, sollten Betroffene an eine Auffrischungsimpfung denken", verdeutlicht Studienautor Michael Bonelli.

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