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Wissen Gesundheit
11/30/2021

Omikron-Variante: Was bringen Landeverbote und Einreisestopps?

Im Zuge der Ausbreitung der neuen Omikron-Variante werden auch umstrittene Maßnahmen gesetzt. Weitere wichtige Fragen und Antworten.

von Ernst Mauritz, Christian Willim

Je ein Verdachtsfall der Coronavirus-Variante Omikron in Salzburg und Vorarlberg, zwei in Oberösterreich, ein bestätigter Fall und zwei weitere de facto bereits bestätigte Fälle (aus demselben Haushalt) in Tirol: Alle gehen auf Reiseheimkehrer aus Südafrika und Namibia zurück. Wichtige Fragen und Antworten zur Ausbreitung der neuen Virusvariante.

Nach dem bestätigten ersten Omikron-Fall in Tirol: Was passiert dort jetzt?

Der Betroffene hat sich als Reiserückkehrer  gemeldet. Er ist symptomfrei und in Quarantäne und hatte nur zwei Kontakte, die jetzt ebenfalls PCR-positiv sind. Auf den Aufruf haben sich etwa 30 Personen gemeldet, von 20 gibt es bereits ein negatives Ergebnis. Die betroffene Person arbeitet im Gesundheitswesen, hatte noch keinen Booster, die zweite Impfung liegt neun Monate zurück.

Was bringen Landeverbote und Einreisestopps?

Mehrere Studien zeigten: Solche Maßnahmen können die Ausbreitung einer Infektionskrankheit um maximal einige Wochen verzögern, aber nicht verhindern. Im Frühjahr 2020 konnte in China die Virusausbreitung außerhalb Wuhans durch die Reiserestriktionen um drei bis fünf Tage verzögert werden. Wichtiger sind demnach Quarantäne, rasche PCR-Testung und Hygienemaßnahmen bei der Einreise. Auch angesichts der nicht vorhandenen Daten zur Wirksamkeit hat sich die WHO gegen solche Einreisestopps ausgesprochen. Amesh Adalja, Infektiologe an an der Johns Hopkins University, erklärte in der Washington Post, diese Maßnahme trage nur wenig bis nichts zur Ausbreitungseindämmung einer Variante bei, "die sich möglicherweise schon seit mehreren Tagen bzw. Wochen vor ihrer Entdeckung ausgebreitet hat". Fazit: Sie können aber helfen, zumindest ein wenig Zeit zu gewinnen - aufhalten können sie eine neue Variante aber nicht.

Im Falle von Südafrika kann das Aussetzen von internationalen Flügen nach Südafrika sogar negative Folgen für die Pandemiebekämpfung haben: Südafrikanische Wissenschafterinnen und Wissenschafter warnen, dass daurch die Versorgung mit Labormaterialien unterbrochen wird, die notwendig sind, um die Ausbreitung von Omikron, seine Infektiosität und seine Auswirkung auf die Krankheitsverläufe weiterhin zu untersuchen. "Es wäre sehr schlimm, wenn wir wegen des Flugstopps nicht die für die Welt dringenden Fragen über Omikron beantworten könnten", schreibt Tulio de Oliveira, Leiter des "Centre for Epidemic Response & Innovation" in Südafrika.

Sind die Erkrankungen jetzt schwerer oder leichter als bei Delta?

Auch wenn erste Fälle bei Jüngeren mit milderen Verläufen beobachtet wurden: „Für verlässliche Daten ist es zu früh“, so der Infektionsspezialist Richard Lessels aus Durban in Südafrika. Die Public-Health-Spezialistin Waasila Jassat erklärte am Montag, dass es in der Provinz Gauteng mit dem stärksten Anstieg an Covid19-Erkrankungen bis jetzt zumindest keinen Anstieg der Todesfälle gebe. Die Virologin Isabella Eckerle von der Universität Genf weist Spekulationen über einen milderen Krankheitsverlauf als unseriös zurück.

Welchen Zusammenhang könnte es mit HIV-Patienten geben?

Viele Experten fragen sich wie es möglich ist, dass eine Variante mit so vielen neuen Mutationen auf einmal auftritt. Eine Theorie ist, dass infizierte Menschen mit einem schwachen Immunsystem als eine Art "Inkubator" wirken, in dem sie aufgrund der schwachen Immunabwehr lange verbleiben und so viele Mutationen ansammeln können. Rund 20 Prozent der Bevölkerung Südafrikas sind mit dem HI-Virus infiziert, ein Risiko sind aber nur jene, die keine Therapie erhalten und zusätzlich auch nicht gegen Covid-19 geimpft sind. Und nur 71 Prozent der HI-Patienten haben Zugang zu antiviralen Therapien.

Sind die PCR-Tests bei Omikron immer positiv?

„Ja“, sagt der Salzburger Labormediziner  Hans-Georg Mustafa. Mit einer anschließenden Mutationsanalyse „können wir dann einen ersten Verdacht aussprechen. Wir werden aber in den nächsten Tagen so weit sein, Omikron direkt nachweisen zu können.“ Absolute Sicherheit bietet dann eine Vollgenomsequenzierung, bei der alle Bausteine des Viruserbguts aufgeschlüsselt werden.

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