Neuer Covid-Lebensretter: "Der große Wurf ist es nicht"

Dexamethason kann intravenös, also als Flüssigkeit per Nadel in eine Vene, oder als Tablette verabreicht werden.
Der Entzündungshemmer Dexamethason wird als neues Heilmittel gegen Covid-19 gefeiert. Österreichische Mediziner zeigen sich skeptisch.

"Durchbruch", "Sensation", "Riesen-Hoffnung": Unter diesen Schlagwörtern verbreiten sich seit Dienstag Meldungen über das Medikament Dexamethason. Anlass ist eine klinische Studie der renommierten britischen Universität Oxford. Darin soll sich gezeigt haben, dass der schon lange bekannte Entzündungshemmer die Sterberate bei Menschen schweren Covid-19-Verläufen verringern könnte.

Todesfälle verhindert, Studie unveröffentlicht

Bei schwerstkranken Patienten, die im Zuge der klinischen Tests intensivmedizinisch betreut und künstlich beatmet wurden und das Medikament bekamen, sank die Sterberate demnach um ein Drittel. Bei der Therapie von acht schwerkranken Covid-19-Patienten durch Dexamethason würde somit ein Todesfall verhindert, hieß es.

Bei den Erkenntnissen handelt es sich um aktuell noch unveröffentlichte Studienergebnisse. Den wissenschaftlichen Begutachtungsprozess zur Qualitätssicherung hat die Erhebung eines Teams um den Epidemiologen und Experten für neu auftretende Infektionskrankheiten und globale Gesundheit, Peter Horby, noch nicht durchlaufen.

Dennoch prescht Großbritannien mit dem Einsatz der Arznei vor. Das Medikament wurde bereits auf die Liste der Standardverfahren gegen Covid-19 des Nationalen Gesundheitsdienstes gesetzt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) lobt die neuen Daten als "großartige Neuigkeiten". WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus gratulierte allen Beteiligten "die zu diesem lebensrettenden wissenschaftlichen Durchbruch beigetragen haben".

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