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Wissen Gesundheit
01/28/2022

mRNA-Technologie: Moderna startet klinische Studie für HIV-Impfstoff

56 gesunde Probandinnen und Probanden werden im Zuge einer ersten klinischen Studie mit der Vakzine behandelt.

Das Biotechnologieunternehmen Moderna hat mit der Erprobung eines HIV-Impfstoffes auf mRNA-Basis begonnen. Das gab der US-Konzern am Donnerstag bekannt.

Für die Entwicklung hat sich das Unternehmen mit der gemeinnützen International AIDS Vaccine Initiative (IAVI) zusammengetan.

Nun haben die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen einer Phase-I-Studie (siehe Infobox weiter unten) eine Dosis des Vakzins an der George Washington University School of Medicine and Health Sciences erhalten, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens.

Dringend benötigt

"Wir freuen uns sehr (…) diese neue Richtung in der Entwicklung von HIV-Impfstoffen voranzutreiben", wird Mark Feinberg, IAVI-Präsident in der Erklärung zitiert. "Die Suche nach einem HIV-Impfstoff ist langwierig und herausfordernd." Neue Werkzeuge könnten "der Schlüssel zu schnellen Fortschritten bei der Entwicklung eines dringend benötigten, wirksamen HIV-Impfstoffs sein".Eine HIV-Diagnose galt früher als Todesurteil. Heute lässt sich HIV mit Medikamenten, die die Viruslast so weit senken können, dass sie im Körper nicht mehr nachweisbar ist, sehr viel besser kontrollieren. Seit einigen Jahren ist in der EU auch ein vorbeugendes Medikament zugelassen, das eine Ansteckung verhindern soll. Im Rahmen dieser "Präexpositionsprophylaxe" nehmen HIV-Negative eine Arznei ein, um sich vor einer Infektion zu schützen. Allerdings ist diese Behandlung nach wie vor sehr teuer (mehr dazu hier).

Doch trotz jahrzehntelanger Forschung wurde bisher noch kein HIV-Impfstoff entwickelt. Mehrere Kandidaten wurden in klinischen Versuchen getestet, scheiterten jedoch in späteren Stadien.

Bauplan per Spritze

Der neue mRNA-Impfstoff von Moderna basiert auf Boten-Ribonukleinsäure (mRNA). Dabei handelt es sich um eine Technologie, die die körpereigene Immunantwort stimuliert. mRNA-Impfstoffe enthalten Informationen aus der mRNA, darunter den "Bauplan" oder Code eines bestimmten Virusmerkmals (Virusantigen).

Anhand der Informationen kann der Körper dieses Antigen selbst produzieren. Die Zellen in unserem Körper präsentieren diesem Antigen Immunzellen, was die gewünschte spezifische Immunantwort auslöst. Wenn der Körper mit dem Virus in Kontakt kommt, erkennt das Immunsystem das spezifische Antigen und kann das Virus und somit die Infektion schnell und gezielt bekämpfen.

Die Forschenden haben neben einem Erstimpfstoff auch einen Booster-Shot entwickelt.

Vonseiten Moderna heißt es, dass in der ersten Phase der Studie 56 gesunde, HIV-negative erwachsene Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der George Washington University School of Medicine and Health Sciences sowie an drei weiteren Standorten behandelt werden: der Hope Clinic des Emory Vaccine Center in Atlanta, dem Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle und der University of Texas-Health Science Center in San Antonio.

Von den Freiwilligen erhalten 48 eine oder zwei Dosen des mRNA-Impfstoffs und 32 zusätzlich die Auffrischungsimpfung. Die übrigen acht erhalten nur die Auffrischungsimpfung.

Nachdem die Probandinnen und Probanden ihre letzte Dosis erhalten haben, werden Sicherheit und Wirksamkeit des neuen Impfstoffs bis zu sechs Monate lang überwacht.

9.000 HIV-positive Menschen in Österreich

Weltweit leben fast 38 Millionen Menschen mit dem HI-Virus (Humanes Immunschwäche-Virus). Die Österreichische AIDS Gesellschaft geht davon aus, dass es hierzulande etwa 9.000 mit HIV infizierte Personen gibt – das entspricht bei knapp 8,9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern etwa 0,1 Prozent der Bevölkerung.

Eine HIV-Infektion geht kurz nach der Ansteckung üblicherweise mit unspezifischen, grippeähnlichen Symptomen einher. Im Verlauf der Infektion kommt es zu einer Schwächung des Immunsystems. So können Krankheiten leichter auftreten, die ein gesunder Organismus üblicherweise abwehren kann. Von Aids spricht man, wenn entweder definierte Krankheiten bereits auftreten, und/oder das Immunsystem stark geschwächt ist.

Phase I-Studien sind kleine Studien, in denen eine neue Behandlung erstmals am Menschen, und zwar an gesunden Freiwilligen, eingesetzt wird. In diesem Stadium werden grundlegende Eigenschaften wie Verträglichkeit und Sicherheit eines neuen Medikaments überprüft, um zu sehen, ob es sich für einen Einsatz beim Menschen eignet.

Phase II-Studien sind etwas größer als Phase I-Studien. Sie haben meist 100 bis 300 Teilnehmende. In der Phase II wird ein Medikament zum ersten Mal bei Patientinnen und Patienten überprüft, die an jener Erkrankung leiden, für deren Behandlung das Medikament entwickelt wird. Dabei geht es um die optimale Dosierung. Zusätzlich werden erste Daten zur Wirksamkeit erhoben.

Phase III-Studien sind große Studien. Sie geben relativ präzise Auskunft über Wirksamkeit und Verträglichkeit. In den allermeisten Fällen sind es Vergleichsstudien. Dabei werden Patientinnen und Patienten, die die zu untersuchende Behandlung erhalten, mit einer Kontrollgruppe verglichen, die eine andere Behandlung erhält.

Phase IV-Studien finden statt, wenn ein Medikament bereits auf dem Markt ist. Für Phase IV-Studien gibt es unterschiedliche Gründe. So kann es sinnvoll sein, ein bereits zugelassenes Medikament bei Patientinnen und Patienten mit bestimmten Eigenschaften noch einmal gezielt zu untersuchen. In Phase IV-Studien können außerdem seltene Nebenwirkungen eines Medikaments besser beurteilt werden, weil mehr Patientinnen und Patienten behandelt werden.

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