Gesund
01.12.2018

Welt-Aids-Tag: Forderung nach Bezahlung medikamentöser Vorsorge

Zumindest Risikogruppen sollten Medikament zur Vorbeugung kostenlos erhalten. 2017 gab es 510 HIV-Neudiagnosen.

Die Aids Hilfe Wien spricht sich dafür aus, Risikogruppen kostenlos die sogenannte Präexpositionsprophylaxe (PrEP) - die inzwischen auch in Österreich erhältlich ist - anzubieten. Es gebe dazu international bereits vergleichbare Beispiele, sagt AHW-Obmann Wolfgang Wilhelm anlässlich des heutigen Welt-Aids-Tages. Diese "Präexpositionsprophylaxe" ist eine Safer-Sex-Methode, bei der HIV-Negative ein Medikament einnehmen, um sich vor einer Ansteckung zu schützen.

Das Thema HIV oder Aids befinde sich derzeit im Wandel, betont Wilhelm. Medizinisch seien die Fortschritte groß, es gebe aber auch neue Herausforderungen. Aktuell sei etwa zu überlegen, wie man mit der Prophylaxe umgehe. Anfangs habe diese - in Tablettenform angebotene - Behandlung noch rund 800 Euro im Monat gekostet. Dank Initiativen der Apotheken und der Pharmaindustrie liege man inzwischen bei rund 60 Euro, die allerdings von den Kunden selbst zu tragen seien.

In manchen Ländern gebe es jedoch Modelle, die eine Gratis-Abgabe etwa an Menschen, die bereits an sexuell übertragbaren Krankheiten leiden, vorsehe. Genannt wurden hier etwa Frankreich oder die Niederlande. Auch Schottland oder die US-Stadt San Francisco seien hier Vorreiter: "Ich glaube, da sollten wir eintreten in diesen Kanon", sagte Wilhelm. Jedenfalls sollten die entsprechenden Begleituntersuchungen von der Krankenkasse übernommen werden.

Aktuell bleiben die Neudiagnosen in Österreich - 2017 waren es 510 - bei HIV auf niedrigem Niveau stabil, wie Bernhard Benka von der Abteilung 4 (Übertragbare Erkrankungen, Krisenmanagement und Seuchenbekämpfung) im Gesundheitsministerium erläuterte. Der Großteil betrifft demnach nach wie vor schwule bzw. bisexuelle Männer. Insgesamt, so wird geschätzt, leben knapp 10.00 Menschen mit HIV bzw. Aids - wobei nicht die Infektion mit dem Virus, sondern nur die Aids-Erkrankung meldepflichtig ist.

Aids-Hilfe-Chef Wilhelm beklagt, dass die soziale Ausgrenzung von Personen mit HIV noch immer existiere - auch wenn hier bereits deutliche Fortschritte erzielt worden seien. So sei etwa das Outing von Conchita medial gut rezipiert worden. In den Sozialen Medien habe es aber sehr wohl Hasspostings dazu gegeben.

Wilhelm verwies auch auf jüngst durch die Aids Hilfe umgesetzte Maßnahmen wie etwa die Schulung von Apothekern zu den neuen Selbsttests. Auch eine HIV-Selbsttest-Helpline wurde eingerichtet. Von besonderer Bedeutung sei aber auch die Arbeit mit Jugendlichen, hieß es. Gefordert wird eine "emanzipatorische Sexualpädagogik", die flächendeckend umgesetzt werden sollte.