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Wissen Gesundheit
04/22/2021

Ansteckung am Spielplatz: Was Eltern wissen müssen

Kleinkinder halten kaum Abstand und greifen alles an. Warum sie dennoch auf Spielplätze dürfen sollten, erklärt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter.

von Elisabeth Gerstendorfer

Klettern, Schaukeln, Rutschen – Spielplätze bieten Kindern viel Platz zum Toben, Laufen und Spielen mit anderen Kindern. Das alles ist wichtig für ihre Entwicklung, gleichzeitig besteht aber auch für Kinder das Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren. Insbesondere, wenn sie engen Kontakt mit anderen haben.

Vor allem zwei Ansteckungswege können auf Spielplätzen eine Rolle spielen: die Tröpfchen- und die Schmierinfektion. „Natürlich bewegen sich Kinder am Spielplatz mehr und scheiden, wenn sie infiziert sind, Viruspartikel aufgrund ihrer Aktivität aus. Allerdings spielen Kinder am Spielplatz häufig alleine, mit Geschwistern oder befreundeten Kindern, kaum aber mit fremden Kindern, sodass sie sich meist nicht zu nahekommen“, sagt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien.

Andrang meiden

Um eine Ansteckung mittels Tröpfcheninfektion unwahrscheinlicher zu machen, gilt für Kinder das Gleiche wie für Erwachsene: Abstand halten. Kleinkinder kennen zwar keine Distanz und es ist auch meist nicht zielführend, sie ständig darauf hinzuweisen. Die Eltern können aber darauf achten, dass Kinder etwa Spielgeräte mit starkem Andrang meiden oder in der Sandkiste ein Plätzchen mit etwas Abstand zu anderen Kindern bearbeiten. Sinnvoll ist, Treffen von Kindern, die nicht im selben Haushalt wohnen oder gemeinsam in Kindergarten oder Schule gehen, zu reduzieren.

Der zweite Übertragungsweg, die Ansteckung mittels Schmierinfektion, ist am Spielplatz über das Angreifen von Spielgeräten möglich. Sie passiert vor allem dann, wenn ein infiziertes Kind in die Hand niest oder hustet und dann etwa die Rutsche angreift. Das nächste Kind berührt ebenfalls die Rutsche und kann dadurch Viren auf seine Hand bringen und in weiterer Folge zu den Schleimhäuten in Augen, Mund und Nase. Hutter: „Kinder greifen sich häufiger ins Gesicht als Erwachsene, aber in den meisten Fällen passiert dabei nichts. Ja, es besteht ein gewisses Risiko, allerdings ist es im Vergleich zur Tröpfcheninfektion wesentlich geringer.“

Wirkung von UV-Strahlen

Generell kann das Virus auf Oberflächen nicht lange überleben. „Auf Spielplätzen befinden sich sehr unterschiedliche Oberflächen, etwa Holz, Metall, zum Teil Kunststoffe. Je glatter die Oberfläche, desto längere Überlebenszeiten haben Viren im Allgemeinen. Man weiß aber z. B., dass SARS-CoV-2 gegenüber UV-Strahlung empfindlich ist“, sagt Umweltmediziner Hutter. Auch die Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie die Virusmenge tragen dazu bei, wie lange sich Viren auf Oberflächen halten – meist sind dies wenige Stunden bis Tage, wie Laboruntersuchungen zeigen. Belegt werden konnte aber auch, dass sich die Infektiosität von SARS-CoV-2 auf trockenen Oberflächen bereits innerhalb einer Stunde um das 100-fache reduziert.

„Auch unabhängig von SARS-CoV-2 sollten Kinder, sobald sie nach Hause kommen, ihre Hände mit Seife waschen. Unterwegs kann man sie eventuell mit einem feuchten Tuch abwischen. Allerdings braucht man nicht nach jedem Kontakt mit einem Spielgerät die Finger abzutupfen“, erklärt Hutter. Trinkt jedes Kind aus seiner eigenen Flasche und benutzt eigene Sandförmchen, reduziert dies eine Ansteckung ebenfalls.

Nicht desinfizieren

Eine Desinfektion von Spielgeräten auf Spielplätzen sei nicht nur nicht machbar, sondern auch nicht sinnvoll, sagt der Public Health Experte: „Wir wissen aus verschiedenen langjährigen Studien, dass eine durchdesinfizierte Umwelt Erkrankungen, speziell Allergien, fördert. Die Konfrontation mit Umweltkeimen ist wichtig. Das darf in der Sorge um eine Ansteckung nicht vergessen werden.“

Hinzu komme, dass der positive Effekt der Bewegung im Freien das Infektionsrisiko überwiegt. „Natürlich gibt es ein gewisses Risiko, dass Kinder sich am Spielplatz anstecken, aber wichtig ist, dass diese Bedenken nicht dazu führen, dass Kinder nur zu Hause bleiben. Man muss Kindergesundheit ausbalanciert sehen und wissen, dass Kinder das Spielen, Laufen und Toben brauchen“, sagt Hutter.

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