Das Thema Impfen erhitzt die Gemüter

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Wissen Gesundheit
11/19/2021

Welche Impfstoff-Kombinationen am besten wirken

Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt, welche Aufeinanderfogle der Impfstoffe für gute Reaktionen sorgt.

von Elisabeth Gerstendorfer

Für viele steht die dritte Impfung kurz bevor, bei anderen die erste oder zweite und damit die Frage: Welchen Impfstoff soll ich mir verabreichen lassen? Klar empfohlen wird vom Nationalen Impfgremium (NIG), für die Auffrischungsimpfung einen der beiden mRNA-Impfstoffe zu verwenden. Diese Empfehlung entspricht auch der EMA-Zulassung. Aber welcher der beiden ist besser – jener von Biontech/Pfizer oder jener von Moderna?

In einer aktuellen Studie der Universität des Saarlandes, die nun als Preprint erschienen ist, also noch nicht von Fachkolleginnen und -kollegen begutachtet wurde, wurden die Impfwirkungen von fünf möglichen Impfschemata miteinander verglichen, nämlich

  • Biontech/Pfizer – Biontech/Pfizer
  • Moderna – Moderna
  • AstraZeneca – AstraZeneca
  • AstraZeneca – Biontech/Pfizer
  • AstraZeneca – Moderna

Die ersten drei Kombinationen werden als homologes Impfen bezeichnet, es wird also der gleiche Impfstoff wiederverwendet. Wird für weitere Impfungen ein anderer Impfstoff gewählt, so spricht man von heterologem Impfen oder Kreuzimpfen. Anzumerken ist, dass in dieser Studie die ersten beiden Impfungen verglichen wurden. Die Ergebnisse geben jedoch auch Hinweise für die dritte Impfung.

Kreuzen oder nicht?

„Wir konnten unsere Beobachtungen einer vorangegangenen Studie bestätigen, dass die zweifache Astra-Impfung die geringste Immunogenität aufweist; bei den anderen Kombinationen sehen wir sehr eindrücklich, dass die Varianten mit Moderna eine stärkere Immunantwort induzieren als die jeweiligen Kombinationen mit Biontech. Dies deckt sich mit den Effektivitätsdaten zur Wirkung der Impfstoffe, geht aber bei Moderna-Kombis auch mit etwas mehr Nebenwirkungen einher“, sagt Studienautorin Martina Sester, Professorin für Transplantations- und Infektionsimmunologie an der Universität des Saarlandes.

Die heterologe Kombination aus AstraZeneca und Moderna sorgte laut der Studie für die deutlichste Immunantwort, gefolgt von der heterologen Kombination AstraZeneca und Biontech/Pfizer. Danach folgt die doppelte Moderna-Impfung, die derjenigen mit zweimal Biontech in der Studie etwas überlegen ist. Die schwächste Wirkung der fünf verglichenen Impfschemata war jene mit zweimal Astra Zeneca. Untersucht wurden die Daten von rund 550 gesunden Personen.

Es konnte also gezeigt werden, dass heterologe Impfschemata für eine gute Immunantwort sorgen. Auch bisherige Studien weisen darauf hin, dass heterologes Impfen die neutralisierenden Antikörper mehr erhöht als homologes Impfen. Kreuzimpfungen führen oft zu einer stärkeren Immunantwort – das zeigen etwa Erfahrungen aus der Entwicklung von Influenza- und HIV-Impfstoffen. Mit verstärkten Impfreaktionen ist nicht zu rechnen – sowohl das Kreuzimpfen als auch das Beibehalten der Impfstoffe sind gut verträglich.

Moderna oder Biontech/Pfizer - ist einer besser?

Bezüglich der Frage, welcher der beiden mRNA-Impfstoffe besser ist, gibt es bisher keine eindeutige Antwort. Zwar zeigte sich, dass die Impfung mit Moderna mehr Antikörper hervorruft als jene mit Biontech/Pfizer und dass diese nach der Impfung mit Moderna langsamer zurückgehen als nach der Impfung mit Biontech/Pfizer. Auch die Wirksamkeit von Moderna ist in den meisten Studien etwas besser als jene von Biontech/Pfizer – sie liegt im Schnitt 15 Prozentpunkte besser als bei Biontech/Pfizer. Ein gewisser Unterschied zwischen den beiden Impfstoffen ist also vorhanden, fraglich ist allerdings, welche Konsequenzen dies tatsächlich für den Impfschutz hat. Expertinnen und Experten wie etwa der österreichische Virologe Florian Krammer, der in den USA forscht, betonen, dass es noch zu früh ist, um Aussagen darüber zu treffen, ob einer der beiden mRNA-Impfstoffe besser ist als der andere. Wichtig sei jedenfalls, Auffrischungsimpfungen mit einem mRNA-Impfstoff vornehmen zu lassen, so Krammer.

Wie steht es um Johnson & Johnson?

Ebenfalls untersucht wurde die Wirkung des Impfstoffes von Johnson & Johnson. Dieser war ursprünglich als Einmalimpfung zugelassen. Später wurde eine zweite Impfung empfohlen, da sich herausstellte, dass die Schutzwirkung geringer war als bei den Impfstoffen, die doppelt verimpft werden. Zudem gibt es bei Johnson & Johnson die meisten Impfdurchbrüche. Ein Impfdurchbruch liegt vor, wenn bei einer vollständig geimpften Person eine SARS-CoV-2 Infektion mit Symptomen (zum Beispiel Halsschmerzen und Fieber) festgestellt wird. Ein vollständiger Impfschutz besteht bei den allermeisten Impfstoffen (Biontech/Pfizer, Astrazeneca, Moderna), wenn nach der letzten erforderlichen Impfdosis 14 Tage vergangen sind. Davon abzugrenzen sind asymptomatische Verläufe unter vollständig Geimpften: Die Personen werden zwar positiv auf den Erreger getestet, zeigen aber keinerlei Symptome. Diese Fälle gelten nicht als Impfdurchbrüche.

Die aktuelle Studie konnte zeigen, dass eine Zweitimpfung mit Biontech/Pfizer nach der ersten Impfung mit Johnson & Johnson die Immunantwort signifikant erhöht. „Wir konnten nach einer Booster-Impfung mit Biontech einen deutlichen Anstieg der Antikörper-Konzentration feststellen, die das so genannte Spike-Protein der Viren blockieren“, so Studienautorin Sester. Mit diesem „Schlüssel“ gelingt es den Viren, in die menschlichen Zellen einzudringen und sich zu vermehren. Durch die erhöhte Anzahl der Antikörper wird den Viren diese Möglichkeit genommen. Außerdem erhöht sich durch die Zweitimpfung durch Biontech die Zahl der so genannten T-Zellen im Immunsystem der Johnson & Johnson-Geimpften, welche das Virus direkt angreifen.

Der Booster mit Biontech/Pfizer nach Johnson & Johson sei zudem gut verträglich, wie die Auswertung eines Fragebogens zu den Impfreaktionen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigt.

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