Alzheimer ist die häufigste Form vom Demenz.

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Wissen Gesundheit
07/30/2020

Hoffnungsträger: Was kann der neue Bluttest zur Alzheimer-Diagnose?

Ein simples Verfahren soll das Krankheitsrisiko Jahrzehnte im Voraus absehbar machen.

von Marlene Patsalidis, Anita Kattinger

Zeit ist in der Medizin ein kostbares Gut. Auch bei Alzheimer, der häufigsten Form der Demenz. Durch neueste Forschungen ist ein Bluttest greifbar geworden, der zwei Jahrzehnte vor Ausbruch präzise prognostizieren können soll, ob ein Risiko für Alzheimer besteht. Für Betroffene, ihre Familien, Ärzte ebenso wie Forschende wäre das ein großer Fortschritt.

Diagnostiziert wird Alzheimer durch Gedächtnistests, neurologische und bildgebende Untersuchungen. Diese können erst vorgenommen werden, wenn der Patient mit ersten Symptomen zum Arzt kommt. Bislang gibt es keine Heilung, eine frühe Diagnose verschafft aber einen zeitlichen Vorsprung. Eine Therapie kann den Verlauf besonders im Anfangsstadium hinauszögern.

Früherkennung

Beim Diagnose-Vorsprung setzt auch eine neue Studie an. Bei der jährlichen Verbandskonferenz der internationalen Alzheimer's Association präsentierten Wissenschafter aus Schweden und den USA nun ihre Erkenntnisse: Sie forschen an einem Protein, das an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sein soll.

Es wird angenommen, dass das Tau-Protein in Verbindung mit dem Schwund der Geisteskräfte steht: P-Tau217, eine bestimmte Form von Tau, scheint sehr früh auf eine kommende Alzheimer-Erkrankung hinzuweisen. Veränderungen der Gehirn-Proteine Amyloid und Tau und deren Verklumpung (Ablagerungen) gehören zu den typischen Veränderungen im Gehirn bei Alzheimer.

Biomarker im Fokus

Anhand der Unterart P-Tau217 sollen diese bereits 20 Jahre vor Einsetzen der Symptome erkennbar sein. Die Treffsicherheit der Test-Ergebnisse soll bei 98 Prozent liegen. Peter Dal-Bianco, Neurologe und Präsident der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft (ÖÄG), sieht in den Erkenntnissen "einen spannenden Befund". Dass die Tau-Protein-Werte in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit bei Patienten sehr früh zunehmen, sei schon länger bekannt. "In der Forschung wird seit geraumer Zeit versucht, Tau-Proteine in der Rückenmarksflüssigkeit und ihre Bedeutung bei Alzheimer zu bestimmen. Das scheint nun in Ansätzen sogar im Blut gelungen zu sein."

Zellen-Stabilisator

Doch welche Rolle spielen Tau-Proteine im Körper? Dal-Bianco: "Nervenzellen bestehen aus einem Zellkörper, einem Zellfortsatz und Nervenenden, an denen sie an die nächste Zelle andocken. Dort läuft permanent ein botenstoffliches Feuerwerk ab."

Botenstoffe werden in der Zelle erzeugt und zur nächsten transportiert. Hier kommen Tau-Proteine ins Spiel: "Sie stabilisieren den Transportweg. Nimmt das Protein zu viel Phosphor an, erfüllt es seine Funktion nicht mehr." Die Transportwege zerfallen, die Zelle stirbt ab. Als Fragment dieser abgestorbenen Zelle wird das Tau-Protein in die Rückenmarksflüssigkeit abtransportiert und ist dann im Blut nachweisbar. "Bei P-Tau217 scheint es sich um ein auffälliges Tau-Protein zu handeln", sagt Dal-Bianco, "aus dem man ableiten kann, dass beim symptomlosen Menschen eine Zerstörung des Hirngewebes vonstattengeht".

Unklar sei, wie spezifisch dieser Bluttest ist: "Es stellt sich die Frage, ob P-Tau217 auch bei anderen Erkrankungen ansteigt. Es muss geklärt werden, wie zuverlässig der Test ist. Ein falsch positives Ergebnis wäre für den, den es trifft, fatal." Die Forscher sind von der Bedeutsamkeit der Erkenntnisse überzeugt. Sie könnten auch die Entwicklung von Medikamenten vorantreiben. "Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis die Tests zur klinischen Nutzung verfügbar sind", betont Maria C. Carrillo, Chef-Wissenschafterin der Alzheimer's Association. Sie müssten nun in großformatigen Studien getestet werden.

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