Österreichs Spitäler im Hitzestress: Schon jeder fünfte Notfall wegen hoher Temperaturen
Die hitzebedingten Notfälle in den Spitälern nehmen zu. In der Klinik Ottakring wird aktuell jeder fünfte Notfallpatient aufgrund von Hitzebeschwerden versorgt, berichtet Alexander Spiel, Leiter der Notfallabteilung. Eine Aufnahme erfolgt bei weniger als einem Drittel. „Wir vermuten, dass dies in den nächsten Tagen weiter zunehmen wird, ähnlich der Juni-Hitzewelle“, sagt Spiel. Angespannt auch die Lage im AKH Wien: „Normalerweise gibt es im Winter mehr Notfälle als im Sommer. Herzinfarkte und Schlaganfälle treten dann häufiger auf. Derzeit behandeln wir aber gleich viele Menschen wie im Winter“, sagt Harald Herkner, Stv. Klinikleiter der Universitätsklinik für Notfallmedizin am AKH Wien.
Besonders betroffen sind ältere Menschen und Kinder, vor allem jene mit chronischen Erkrankungen. „Menschen mit Herz- oder Nierenschwäche, chronischen Atemwegserkrankungen oder Tumorpatienten unter Therapie sind bei Hitze gefährdet, aber auch Menschen, die bettlägerig oder bewegungseingeschränkt sind. Sie haben nicht die Möglichkeit, an einen kühleren Ort zu gehen oder wenn es nachts zumindest etwas abkühlt, das Fenster aufzumachen“, erklärt Herkner.
Typischer Notfall: Hitzekollaps
Ein typischer Notfall ist der Hitzekollaps, ein plötzlicher Kreislaufzusammenbruch. Er macht sich durch Schwindel, Schwäche und blasse oder schwitzende Haut bemerkbar. Spiel: „Betroffene halten sich oft zu lange draußen auf, trinken zu wenig. Es kommt zu Elektrolyt- und Nierenfunktionsstörungen.“ Der Hitzschlag ist die schwerste Form der hitzebedingten Erkrankungen. „Wir haben regelmäßig Patientinnen und Patienten, die mit einer lebensgefährlichen Körpertemperatur über 40 Grad zu uns gebracht werden“, sagt Spiel.
Warnsignale sind Verwirrtheitszustände, Bewusstlosigkeit und starke Kopfschmerzen. Dies sind auch die häufigsten Symptome, weshalb die Rettung gerufen wird, erzählt Andreas Huber, Pressesprecher der Wiener Berufsrettung. „Wichtig ist, nicht zu warten, bis es ganz schlecht wird, sondern frühzeitig die Gesundheitshotline 1450 zu kontaktieren, wenn man merkt, man fühlt sich nicht wohl“, so Huber.
Die Wiener Rettung verzeichnet derzeit 10 Prozent mehr Einsätze als üblich.
Auch bei fehlendem Durstgefühl ausreichend trinken
Ein oft unterschätztes Warnsignal: fehlendes Durstgefühl. „Wenn Menschen sagen, sie haben keinen Durst mehr, obwohl sie schon glühen und die Körpertemperatur über 40 Grad liegt, sollte man nicht zuwarten und die Rettung rufen“, rät Herkner. Tückisch sei, dass sich die Symptome oft schleichend entwickeln und man zunächst nicht mitbekommt, dass man dehydriert.
Das richtige Maß beim Trinken zu finden, sei vor allem für chronisch Kranke schwierig. „Menschen mit Herzschwäche nehmen oft entwässernde Medikamente. Das Herz braucht genau die richtige Menge Flüssigkeit – dies sollte im Zweifel mit dem behandelnden Arzt besprochen werden“, sagt Herkner.
Auch andere Herzmedikamente sowie Psychopharmaka interagieren mit unseren körpereigenen Regulationsmechanismen und begünstigen hitzeassoziierte Notfälle. Das ist ein Mitgrund, warum chronisch Kranke gefährdet sind.
Kohlenmonoxid-Unfälle werden unterschätzt
Eine unterschätzte Gefahr sieht Herkner in unsachgemäß installierten Klimageräten. „Wir sehen immer wieder Menschen nach Kohlenmonoxid-Unfällen, die mitunter auch tödlich enden – durch Klimageräte und Gasthermen.“ Es kommt zu Übelkeit, Verwirrtheit bis zu Bewusstlosigkeit.
Vereinzelt müssen Sonnenstiche versorgt werden. Zur Gehirnreizung kann es kommen, wenn der Kopf der Sonne direkt ausgesetzt war. Typische Symptome: Kopfschmerzen und Übelkeit.
Die fehlende nächtliche Abkühlung in Tropennächten verschärft die Situation. Der Körper kann sich nicht regenerieren. „Eine heiße Nacht überstehen die meisten gut. Aber bei mehreren Tropennächten hintereinander kann es kippen“, warnt Herkner. Die Wiener Rettung verzeichnet auch nachts Einsatzanstiege.
Die Ausstattung der Fahrzeuge wurde der Hitze angepasst: „Utensilien wie Infusionslösungen, die bei Dehydrierung verabreicht wird, wurden aufgestockt, und werden gekühlt mitgeführt. Alle Fahrzeuge sind klimatisiert und haben Kühlboxen“, sagt Huber.
Auf andere mehr schauen
Tipps von den Experten: Anstrengungen in der Hitze meiden, sportliche Aktivitäten eher in die Früh oder in den Abend legen, ausreichend trinken, leichte Kleidung tragen und den Kopf schützen. Kaltes Abduschen der Handgelenke, des Halses und am Kopf kann ebenfalls helfen. Neben sich selbst, sollte man auch auf andere schauen, rät Huber: „Vielleicht bei Verwandten und Bekannten, die älter sind, einmal öfter anrufen und fragen, wie es ihnen geht, damit man früh entgegenwirken kann.“
Das Hitzetelefon 0800/880-800 ist aus ganz Österreich kostenlos erreichbar
(Montag bis Freitag von 6 bis 22 Uhr; Samstag von 8 bis 20 Uhr; Sonntag von 8 bis 18 Uhr)
Tipps gegen die Hitze:
- Genug trinken: zwei bis drei Liter pro Tag, bei körperlicher Belastung mehr.
- Sonnencreme verwenden
- Auf die Ernährung achten: Gedünstetes Gemüse, Getreidesalate aus Bulgur, Couscous oder Hirse, Tofu-Spieße oder Suppen sind ideal.
- Wohnung kühl halten: Wer ohne Klimaanlage in der Wohnung auskommen muss, sollte tagsüber die Fenster schließen und die Räume verdunkeln.
- Körper und Kleidung: Füße in kaltes Wasser halten, ein feuchtes Tuch in den Nacken legen. Bei der Kleidung sollte man auf Leinen, Baumwolle oder Seide setzen. Diese Stoffe sind atmungsaktiv, nehmen Feuchtigkeit auf und fördern die Luftzirkulation, was zu einer natürlichen Kühlung führt.
- Direkte Sonne meiden: Besonders zwischen 11 und 17 Uhr möglichst im Schatten bleiben und körperliche Aktivitäten auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen.
- Körperliche Anstrengung reduzieren: Sport und schwere körperliche Arbeit möglichst vermeiden oder auf kühlere Tageszeiten verschieben.
- Kopf schützen: Im Freien einen Hut, eine Kappe oder ein Tuch tragen.
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