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Hitze: Ab wie viel Grad es gefährlich wird

Hitze greift maßgeblich in körperliche Funktionen ein. Ein Blick auf das, was genau passiert, wenn die Grade klettern, und was dann wirklich hilft.
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Viele Menschen leiden bei Hitze unter Konzentrationsschwierigkeiten, schlafen schlecht oder sind gereizt. Hohe Temperaturen können sogar lebensbedrohlich werden, besonders für Babys, Kinder und ältere Erwachsene. Das gilt auch für vermeintlich gesunde Menschen, die etwa nach einem Sprung ins kalte Wasser nicht mehr lebend auftauchen. Extreme Hitze ist mehr als ein Wohlfühlproblem. „Aus medizinischer Sicht betrifft Hitzebelastung praktisch jedes Organsystem. Besonders Gehirn, Psyche, Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel. Und auch die Psyche leidet“, erklärt Daniela Haluza, Umweltmedizinerin an der MedUni Wien.

Luftfeuchtigkeit beachten

Der Körper versucht, seine Kerntemperatur von etwa 37 Grad zu halten und wird bei hohen Außentemperaturen massiv gefordert: Die Blutgefäße erweitern sich, das Herz schlägt schneller und es kommt zu verstärktem Schwitzen. Flüssigkeit und Elektrolyte werden umverteilt, was den Kreislauf stark belastet. Ist die Außentemperatur zu hoch, kann der Körper nicht mehr ausreichend abkühlen. Ab etwa 40 Grad Körperkerntemperatur können Eiweiße und damit auch lebenswichtige Enzyme ihre Funktion verlieren, sagt Haluza. Wichtige Stoffwechselprozesse werden gestört und die Leistungsfähigkeit des Körpers nimmt deutlich ab. „Das ist für den Kreislauf extrem belastend“, betont die Expertin. Bis zu einer Außentemperatur von 30 Grad sei es im Allgemeinen noch gut aushaltbar, darüber werde Hitze für den Körper anstrengend. Zwischen 30 und 35 Grad nehme die körperliche und mentale Belastung zu, ab 35 Grad steige das gesundheitliche Risiko deutlich.

Entscheidend ist aber nicht die Temperatur am Thermometer allein, sondern auch, wie hoch die Luftfeuchtigkeit ist. „Bei sehr feuchter Luft liegt die theoretische Überlebensgrenze bei etwa 31 Grad Celsius“, sagt Haluza. Denn: Bei hoher Luftfeuchtigkeit, z. B. im Regenwald, verdunstet Schweiß kaum, sodass die körpereigene Kühlung nicht mehr funktioniert, obwohl es vielleicht gar nicht so heiß ist. In trockener Hitze wie etwa in der Sauna verträgt der Körper höhere Temperaturen besser, weil er durch Schwitzen abkühlen kann. Angegeben wird dies als sogenannte „Wet-Bulb-Temperatur“ (Feuchtkugeltemperatur): Die Maßeinheit kombiniert Temperatur und Luftfeuchtigkeit und zeigt, wie gut der Körper noch durch Schwitzen abkühlen kann.

Gehirn leidet unter Hitze

Besonders das Gehirn leidet unter Hitze. Studien zeigen: Die Aufmerksamkeit sinkt, Reaktionszeiten verlängern sich, die Fehleranfälligkeit steigt. Die Lern- und Denkleistung verschlechtert sich. Bei Büroarbeit sinkt die Konzentrationsfähigkeit bereits ab 25 Grad Celsius deutlich. Bei Hitzewellen und Temperaturen um die 40 Grad, wie sie heuer Ende Juni teils in österreichischen Klassenzimmern gemessen wurden, sei effektives Lernen kaum noch möglich. Hinzu kommt mangelnde Erholung in der Nacht, wenn es kaum bis gar nicht abkühlt. Der Schlafmangel wirke sich ähnlich auf die Leistungsfähigkeit aus wie eine leichte Alkoholisierung und führe untertags dazu, dass die Konzentration einbricht und das Unfallrisiko steigt.

Mehrere internationale Studien belegen zudem einen Zusammenhang zwischen Hitze und einem Anstieg psychischer Probleme. „Bei Hitzewellen gibt es mehr Notaufnahmen in den Spitälern“, berichtet Haluza. Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit psychiatrischen oder neurologischen Diagnosen. „Die hitzebedingte Sterblichkeit ist bei ihnen höher, weil Verwirrtheit zunimmt und sie beispielsweise vergessen zu trinken oder ihre Medikamente einzunehmen“, erklärt die Expertin.

Studien zeigen zudem, dass bei höheren Temperaturen auch die Suizidrate und Gewaltbereitschaft zunehmen. „Mehrere Untersuchungen belegen, dass Aggression gegen sich und gegen andere bei Hitze ansteigt. Eine südkoreanische Studie dokumentierte etwa einen Anstieg der Suizidrate in der Größenordnung von rund einem Prozent pro Temperaturanstieg um 1 Grad Celsius“, sagt Haluza. Als mögliche Ursachen vermuten Forschende die Kombination aus Schlafmangel, Hitze-Stress, hormonellen Veränderungen im Serotoninhaushalt und Elektrolytverlust. „Wenn dieses fein austarierte Zusammenspiel von Hormonen, Herz-Kreislauf-System und Elektrolyten über längere Zeit durch zu viel Schwitzen und Hitze gestört wird, kann das für manche diese schwerwiegenden Auswirkungen haben“, so die Umweltmedizinerin.

Medizinische Notfälle

Auch ernste medizinische Notfälle und Sterblichkeit nehmen bei Hitze zu, wie die Datenlage zeigt: Eine japanische Studie mit 24 Millionen Todesfällen kommt etwa zu dem Ergebnis, dass bei heißen Nächten die Gesamtsterblichkeit um neun bis zehn Prozent zunimmt. Eine österreichische Untersuchung belegt weiters: Nach 14 Tagen mit Temperaturen über 30 Grad ist das Risiko, im Krankenhaus zu versterben, um 17 Prozent höher, bei Menschen über 75 Jahren sogar um 32 Prozent. „Vor allem sehr alte Frauen, die alleine leben, sind bei Hitze übersterblich. Generell leiden Ältere, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen am meisten“, sagt Haluza.

Ein oft übersehenes Problem: Hitze verändert auch die Wirkung von Medikamenten. „Hitzebedingter Flüssigkeitsmangel kann das Blutvolumen verringern und so die Wirkung von Präparaten verändern“, warnt Haluza. Das betreffe besonders ältere Menschen, die mehrere Medikamente einnehmen. „Das sind fein abgestimmte Therapiepläne, die oft wochenlang eingestellt werden müssen. Durch Hitze kann sich diese Balance ändern.“ Vor allem Blutdruck- und Herzschwächepatienten bekommen im Sommer immer wieder Einstellungsprobleme. „Viele von ihnen haben in der warmen Jahreszeit einen auffällig niedrigen Blutdruck. Der Grund ist verstärktes Schwitzen und der damit verbundene Flüssigkeitsverlust. In der kalten Jahreszeit kehrt sich das Bild: Der Blutdruck ist eher höher und es braucht etwas mehr entwässernde Maßnahmen, da das Schwitzen dann kaum eine Rolle spielt“, erklärt Kardiologe Dr. Lukas Fiedler.

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Aus diesem Grund sollten Herzpatienten, die auf eine sehr präzise Therapieeinstellung angewiesen sind, mit Unterstützung ihres behandelnden Arztes die Medikation rechtzeitig anpassen, bevor ernsthafte Komplikationen eintreten, etwa Bewusstlosigkeit, die zu Stürzen und Verletzungen führen kann. Typische Alarmsignale sind zum Beispiel Atemnot, Schmerzen in der Brust oder Herzrhythmusstörungen. Zeigen sich solche Symptome, muss man nicht abwarten, bis sich der Zustand verschlechtert. In diesem Fall sollte man beim Hausarzt klären, ob eine Anpassung der Therapie notwendig ist. Leichter durch Hitzewellen kommen Menschen, die regelmäßig Sport machen, weil sie gewöhnt sind, dass der Körper belastet wird. Auch die Schweißdrüsen funktionieren bei ihnen besser.

Auch für Gesunde gefährlich

Doch auch für junge, vermeintlich gesunde und fitte Menschen kann Hitze lebensbedrohlich werden, etwa durch einen Hitzschlag. Dabei steigt die Körpertemperatur auf über 40 Grad Celsius und der Körper verliert seine Fähigkeit zur Temperaturregulierung. Anders als beim Sonnenstich, der durch direkte Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken entsteht, handelt es sich beim Hitzschlag um eine systemische Überhitzung des gesamten Organismus. Der Körper nimmt mehr Wärme auf, als er abgeben kann, etwa bei körperlicher Anstrengung in großer Hitze oder unzureichender Flüssigkeitszufuhr. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kleinkinder, chronisch Kranke und Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen. Typische Symptome sind eine Körpertemperatur über 40 Grad, heiße, trockene Haut, Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung sowie schneller Puls, Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. In schweren Fällen drohen Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit. Ohne sofortige Behandlung kann ein Hitzschlag zu Organversagen, Hirnschäden oder zum Tod führen. Die Rettung muss sofort verständigt werden. Als Erste Hilfe sollte die Person in den Schatten gebracht, die Kleidung gelockert und der Körper mit feuchten Tüchern oder kühlem Wasser gekühlt werden. Bei Bewusstsein können kleine Mengen Wasser gegeben werden. Abzugrenzen ist die Hitzeerschöpfung als Vorstufe: Dabei ist die Haut feucht und kühl, die Person schwitzt stark. Auch hier ist ärztliche Hilfe nötig.

Beim Sonnenstich werden durch Wärmestrahlung die Hirnhäute gereizt. Es handelt sich um eine örtlich begrenzte Reaktion im Gegensatz zur Ganzkörperüberhitzung. Besonders gefährdet sind Menschen mit wenig Kopfhaar und Kinder. Die Symptome treten oft erst Stunden später auf. Typische Anzeichen sind ein hochroter, heißer Kopf bei normaler Körpertemperatur, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. In schweren Fällen können Bewusstseinsstörungen oder Krämpfe auftreten. Die Person sollte sofort aus der Sonne gebracht und Kopf und Nacken mit kühlen Tüchern gekühlt werden. Bei schweren Symptomen die Rettung verständigen.

Abkühlen, aber richtig

Immer wieder kommt es bei Hitze zu Ertrinkungsunfällen. Zur Abkühlung springen viele ins kalte Nass, nachdem sie zuvor in der Sonne waren. „Viele unterschätzen, wie viel eine rasche Temperaturänderung körperlich ausmacht. Beim Sprung in kaltes Wasser ziehen sich die Gefäße zusammen und das Herz wird schlagartig stark belastet. Das kann zu kurzer Bewusstlosigkeit und zum Kreislaufkollaps führen, bei Risikopatienten zum Herzinfarkt“, sagt Fiedler. Im Wasser kommt es in weiterer Folge zum Ertrinken.

Entscheidend sei die individuelle Konstitution, etwa ob man gewisse Risikofaktoren für einen Herzinfarkt erfüllt, beispielsweise Raucher ist oder Alkohol getrunken hat, ob man Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzschwäche hat oder bereits älter ist. Fiedler rät, wenn man schon länger in der Sonne war und merkt, dass man sich nicht wohlfühlt, etwa Schwindelgefühle hat oder Kopfschmerzen, nicht ins Wasser zu gehen, sondern unmittelbar jemanden in der Nähe zu verständigen. „Eine einfache Maßnahme ist, etwas Kühles an Zonen zu halten, wo große Blutgefäße vorbeigehen, etwa am Hals, der Leiste oder am Ellenbogen“, so Fiedler. Erst, wenn man das Gefühl hat, sich etwas erholt zu haben, sollte man die Extremitäten kalt abduschen und Unwohlsein ärztlich abklären lassen.

Nicht vergessen darf man, dass bei Hitze mehr Flüssigkeit zugeführt werden muss. Vor allem ältere Menschen vergessen häufig darauf, ausreichend zu trinken. Hilfreich ist es, einen Krug Wasser bereitzustellen, der am Vormittag ausgetrunken und am Nachmittag wieder aufgefüllt wird. Idealerweise steht dieser an einer Stelle, wo man oft vorbeikommt. Geeignet sind Wasser und ungesüßte Tees. Ein möglicher Gradmesser dafür, ob man ausreichend Flüssigkeit zuführt, ist, ob der Harn klar bleibt. Wird der Harn dunkelgelb, ist das ein Zeichen dafür, dass man zu wenig getrunken hat.

Ebenfalls hilfreich ist, den Blutdruck zu messen. Ein oberer Blutdruckwert unter 100 sollte bei Bluthochdruckpatienten als Warnsignal verstanden werden. Bei sinkenden Blutdruckwerten oder anhaltendem Schwindel trotz genügend Flüssigkeit empfiehlt sich der Gang zum Arzt. Körperliche Anstrengung sollte bei Hitze möglichst vermieden werden. Fiedler: „Besser ist, die kühleren Morgenstunden zu nutzen. Bei extremer Hitze empfiehlt sich der Aufenthalt in kühlen Innenräumen unter Verwendung von Klimaanlagen oder Ventilatoren. Ist man unterwegs, kann man sich mit kaltem Wasser über Hände und Nacken Linderung verschaffen.“

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