Jede dritte Person über 60 leidet zuhause unter Hitze
Ein Drittel der Personen ab 60 Jahren in Österreich empfindet die eigenen vier Wände während Hitzewellen als heiß bis unerträglich heiß, in Wien fast die Hälfte.
Das ergab eine vom Institut Integral durchgeführte, repräsentative Umfrage unter Menschen ab 60 Jahren im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace. Demnach sind Frauen und Menschen, die zur Miete wohnen, besonders betroffen, hieß es am Dienstag in einer Aussendung. Greenpeace forderte eine Sanierungsoffensive.
Für die Erhebung wurden im Mai etwa eintausend Personen online befragt. Mehr als vier von zehn Mieterinnen und Mietern über 60 Jahren gaben an, dass ihre Wohnung während Hitzewellen zu heiß wird. Zudem empfanden Frauen und Personen zwischen 60 und 64 Jahren Hitze besonders stark.
Die hohen Temperaturen machen sich auch körperlich bemerkbar: 42 Prozent der befragten Seniorinnen und Senioren berichteten von verminderter Leistungsfähigkeit, 36 Prozent von Schlafproblemen und 34 Prozent von starkem Schwitzen, hieß es weiter. Befragte in Wohnräumen, die besonders heiß werden, erleben fast alle abgefragten Symptome mindestens doppelt so häufig wie jene, deren Wohnungen bei Hitze kühl bleiben.
Warnzeichen von Hitzebelastung werden nicht erkannt
„Hitze kann besonders für ältere Menschen lebensgefährlich werden“, wurde die Umweltmedizinerin und Professorin an der Medizinischen Universität Wien, Daniela Haluza, in der Aussendung zitiert. „Mit zunehmendem Alter reagiert der Körper schlechter auf hohe Temperaturen. Viele Betroffene verspüren weniger Durst und bemerken daher nicht rechtzeitig, dass sie dehydrieren oder ihr Körper überhitzt.“
Beschwerden wie Schwindel oder Kreislaufprobleme würden zudem häufig nicht als Warnzeichen einer Hitzebelastung erkannt werden, sondern fälschlicherweise dem Alter oder schon bestehenden gesundheitlichen Problemen zugeschrieben. „Umso wichtiger ist es, an heißen Tagen regelmäßig und ausreichend zu trinken sowie sich an kühlen Orten aufzuhalten, auch dann, wenn man sich noch wohl fühlt.“
Das Hitzetelefon 0800/880-800 ist aus ganz Österreich kostenlos erreichbar
(Montag bis Freitag von 6 bis 22 Uhr; Samstag von 8 bis 20 Uhr; Sonntag von 8 bis 18 Uhr)
Tipps gegen die Hitze:
- Genug trinken: zwei bis drei Liter pro Tag, bei körperlicher Belastung mehr.
- Sonnencreme verwenden
- Auf die Ernährung achten: Gedünstetes Gemüse, Getreidesalate aus Bulgur, Couscous oder Hirse, Tofu-Spieße oder Suppen sind ideal.
- Wohnung kühl halten: Wer ohne Klimaanlage in der Wohnung auskommen muss, sollte tagsüber die Fenster schließen und die Räume verdunkeln.
- Körper und Kleidung: Füße in kaltes Wasser halten, ein feuchtes Tuch in den Nacken legen. Bei der Kleidung sollte man auf Leinen, Baumwolle oder Seide setzen. Diese Stoffe sind atmungsaktiv, nehmen Feuchtigkeit auf und fördern die Luftzirkulation, was zu einer natürlichen Kühlung führt.
- Direkte Sonne meiden: Besonders zwischen 11 und 17 Uhr möglichst im Schatten bleiben und körperliche Aktivitäten auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen.
- Körperliche Anstrengung reduzieren: Sport und schwere körperliche Arbeit möglichst vermeiden oder auf kühlere Tageszeiten verschieben.
- Kopf schützen: Im Freien einen Hut, eine Kappe oder ein Tuch tragen.
Außenjalousien als Hitzeschutzmaßnahme
Um den hohen Temperaturen zu entkommen, suchen 23 Prozent kühlere Räume innerhalb des Hauses bzw. der Wohnanlage auf, 15 Prozent begeben sich in Parks oder andere Grünräume. Mehr als die Hälfte der Befragten verfügt zum Schutz gegen Hitze über Außenjalousien, jeweils knapp ein Drittel verwendet Markisen oder Innenjalousien. 13 Prozent der Befragten verfügen über keinerlei Hitzeschutzmaßnahmen.
Greenpeace forderte von Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP), die Sanierung von Altbauten zu fördern. Zudem müsse die Bundesregierung bei der versprochenen Mietrechtsreform Vermieterinnen und Vermieter in die Pflicht nehmen und Mietminderungen bei mangelhaftem Hitzeschutz gesetzlich verankern, hieß es.
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