35 Grad erwartet: Warum uns Hitze so erschöpft
Hitzetage jenseits der 30 Grad Celsius haben Auswirkungen auf den Körper.
Bis zu 30 Grad und mehr werden für heute, Donnerstag, erwartet, am Freitag soll das Thermometer in städtischen Bereichen sogar 35 Grad anzeigen. Derartige Hitzetage, an denen die Maximaltemperatur mehr als 30 Grad Celsius beträgt, haben Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Studien zeigen, dass während und nach Hitzewellen Krankenhauseinweisungen und Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich zunehmen. Doch was passiert im Körper tatsächlich? Warum ist Hitze für uns so anstrengend? Und welche psychischen Folgen kann Hitze haben? Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen.
Wie wirken sich Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius auf den Körper aus?
Auch im Ruhezustand ohne körperliche Aktivität wird der Körper durch Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke belastet. „Die Körperkern- und Hauttemperatur erhöhen sich, was dazu führt, dass sich die Blutgefäße der Haut weiten und sich die Schweißproduktion erhöht, um Wärme abzugeben. Um weiterhin Blut zu den lebenswichtigen Organen und gleichzeitig zur Haut zur Kühlung zu transportieren, schlägt das Herz schneller“, erklärt Justin Lawley, Sportwissenschafter an der Universität Innsbruck.
Das Blut sammelt sich in den Venen der Gliedmaßen, durch das Schwitzen geht Flüssigkeit verloren. Dadurch verringert sich das Blutvolumen im zentralen Kreislauf. Lawley: „Dies belastet das Herz zusätzlich und kann bei Personen mit bestehenden Herzproblemen Beschwerden wie Angina pectoris, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen auslösen.“ Zudem kann die Durchblutung des Gehirns verringert werden, insbesondere im Stehen. Mögliche Folgen sind Schwindel oder Ohnmacht.
Kann sich der Körper an die Hitze „gewöhnen“?
Anders als viele Säugetiere kann der Mensch die Körpertemperatur außergewöhnlich gut regulieren. Wir verfügen über eine hohe Dichte an Schweißdrüsen und eine fein abgestimmte Durchblutung der Haut. „Bei wiederholter täglicher Hitzebelastung, insbesondere in Kombination mit körperlicher Aktivität, passt sich der Körper an: Das Blutplasmavolumen nimmt zu, das Schwitzen setzt früher ein und wird intensiver mit geringerer Salzabgabe, die Körperkerntemperatur bei Ruhe und Belastung sinkt, die Herzfrequenz steigt bei gleicher Belastung weniger stark und die Hautdurchblutung verbessert sich. Diese Veränderungen, bekannt als Hitzeakklimatisation, beginnen meist nach vier bis sieben Tagen und sind nach etwa zehn bis 14 Tagen gut ausgeprägt“, so Lawley. Geht die Hitzebelastung zurück, verringert sich die Anpassung. Bei neuerlicher Hitze erfolgt die Akklimatisation dann aber deutlich schneller.
Warum verspüren viele Menschen bei Hitze weniger Hungergefühl?
Die genauen Ursachen für dieses Phänomen sind noch nicht vollständig geklärt. Forschungen der Universität Wien deuten darauf hin, dass bestimmte Nervenbahnen bei erhöhter Körpertemperatur die Nahrungsaufnahme unterdrücken können. Hitze verringere oft nicht nur den Appetit, sondern auch die Freude am Essen, den Belohnungseffekt, auch „Food-Reward“-Effekt genannt. Dies erfolge jedoch ohne Veränderungen der appetitregulierenden Darmhormone, sagt Lawley.
Wie wirken sich Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius sinkt, auf Erholung und Schlafqualität aus?
Wie gut wir uns in der Nacht erholen, hängt stark davon ab, wie gut der Körper abkühlen kann. In Tropennächten fällt das dem Körper schwer, was sich etwa auf das Einschlafen auswirkt. Zudem zeigen Studien, dass der Anteil an Tiefschlaf und REM-Schlaf sinkt, die Zahl der Aufwachphasen steigt und die Gesamtschlafdauer kürzer wird. „Aus physiologischer Sicht führen die eingeschränkten Wärmeabgabeprozesse dazu, dass die Herzfrequenz erhöht bleibt, Stresshormone wie Cortisol ansteigen und der normale nächtliche Abfall der Körperkerntemperatur ausbleibt – alles Faktoren, die einen erholsamen Schlaf verhindern“, sagt Lawley. Besonders ältere Menschen und Menschen ohne Kühlmöglichkeiten sind betroffen. Bleibt die Schlafqualität über mehrere Nächte schlecht, kann sich das etwa auf Konzentration, Gedächtnis, Herz-Kreislauf-System sowie auf die Stimmung auswirken.
Welche Folgen kann Hitze für die Psyche haben?
Lawley: „Wissenschaftliche Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Hitze und schlechterer Stimmung, erhöhter Reizbarkeit, verminderter Konzentrationsfähigkeit, langsameren Entscheidungsprozessen sowie einer verstärkten Stressreaktion. Während extremer Hitzewellen treten auch vermehrt psychiatrische Beschwerden auf.“
Woran erkennt man gesundheitliche Probleme durch Hitze?
Hitzebedingte Erkrankungen wie ein Hitzeschlag können schnell lebensbedrohlich werden. Warnzeichen sind starker Durst, trockener Mund, Schwäche, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder erhöhter Puls. Bei solchen Symptomen sollten Betroffene sofort jede Aktivität abbrechen, einen kühlen Ort aufsuchen, sich kühlen und ausreichend trinken. Rasches Handeln kann schwere Folgen verhindern.
Kommentare