Wissen | Gesundheit
05.04.2018

Herzklappe wie bei „Arnie“: Für wen diese Methode geeignet ist

Katheter statt Operation. Arnold Schwarzeneggers wurde mit einer neuen Methode behandelt. Sie ist aber nicht für jeden geeignet.

Es ist ein häufiger Eingriff, dem sich kürzlich auch Arnold Schwarzenegger unterziehen musste: Der Ersatz einer Herzklappe. Was in manchen Berichten als „ex perimentelles Verfahren“ bezeichnet wurde, ist aber eine seit zehn Jahren angewandte Methode: Der Ersatz der Herzklappe mittels eines Katheters (eines dünnen Schlauches), der über eine Arterie die neue Klappe zum Herzen transportiert. Dort wird sie aufgeklappt und fi xiert (TAVI-Verfahren) . Der Brustkorb wird dabei – im Gegensatz zur offenen OP – nicht geöffnet.

Schwarzenegger bekam seine neue Klappe mit dieser Kathetertechnik. Dass dabei eine Komplikation auftrat, die eine Operation notwendig gemacht hatte, „hat höchstwahrscheinlich nichts mit dem Verfahren zu tun“, sagt Herzchirurg Peter Poslussny vom Herzzentrum im Krankenhaus Hietzing in Wien. „Dieses Verfahren ist schon lange nicht mehr experimentell.“

„Die TAVI-Methode ist die schonendere, weil die Risiken einer offenen Herzoperation wegfallen“, so Poslussny. „Noch vor zehn Jahren konnte man rund 20 Prozent der Menschen mit Aortenklappenstenose (verengter Aortenklappe, Anm.) nicht mehr helfen, weil sie eine Operation nicht überstanden hätten. Heute sind es nur mehr fünf Prozent“, sagte der Innsbrucker Kardiologe Guy Friedrich anlässlich des Innsbrucker Kardiologenkongresses.

„Mit der TAVI-Methode haben nun auch Menschen im fortgeschrittenen Alter oder mit Begleiterkrankungen – also Patienten mit ho hem Operationsrisiko – eine Chance auf ein längeres Leben in besserer Lebensqualität.“ Auch die Genesung verläuft schneller. Poslussny: „Wir wissen aber noch nicht, wie lange die biologischen TAVI-Klappen wirklich halten. Es gibt einfach erst Daten aus einem Zeitraum von zehn Jahren.“ In den ver gangenen Jahren sei die Altersgrenze allerdings schon gesunken: „Ab 80 ist es Standard, ab 75 beginnt man darüber nachzudenken. 70 wie bei Schwarzenegger ist die Ausnahme.“

Altersfrage

Bei den biologischen Klappenmodellen, die bei einer of fenen Operation eingesetzt werden, beträgt die Haltbarkeit zumindest 15 Jahre. Deshalb wird bei jüngeren Patienten nach wie vor in der Regel eine Operation durchgeführt. „Operativ eingesetzte mechanische Klappen halten sogar ewig“ – haben aber den Nachteil, dass die Patienten ihr Leben lang das Medikament Marcoumar gegen die Blutgerinnung einnehmen müssen. Rund 80 Prozent der operativ eingesetzten Klappen sind Bioklappen von Schwein oder Rind.

„Je mehr Daten wir von den via Katheter eingesetzten Klappen haben, umso mehr wird ihr Einsatz zunehmen“, ist der Herzchirurg überzeugt. Bei dem Kongress in Innsbruck wurden jährliche Steigerungsraten von bis zu 30 % als realistisch eingestuft: „Manche Schätzungen gehen dahin, dass in einigen Jahren bis zu zwei Drittel aller Patienten mit einer verengten Aortenklappe auf diese Weise therapiert werden – derzeit ist es ein Drittel. Dass man überhaupt keine offenen Operationen mehr durchführen wird, ist nicht abzusehen.“

Eingriffe mit Katheter werden in der Regel von Kardiologen durchgeführt – die Operationen von Herzchirurgen. „Es muss aber bei jedem Kathetereingriff auch ein Herzchirurg dabei sein“, betont Poslussny. „Einerseits für den Fall, dass es zu einer Komplikation wie einer Verletzung des Herzmuskels kommt. Bei uns in Hietzing ist der Kathetereingriff im mer eine Teamarbeit von Kardiologe und Herzchirurg.“ Ähnlich auch Guy Friedrich und der Innsbrucker Herzchirurg Nikolaos Boneros: „Die Zukunft ist ein Zusammenwachsen von Kardiologie und Chirurgie am Herzen.“