Wissen und Gesundheit
20.01.2018

Was das Herz schwach werden lässt

Gesundheitstalk zum Thema Herzschwäche: Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt und gut behandelt, erhöht das die Lebensdauer deutlich.

Welche ist die häufigste Spitals-Entlassungsdiagnose in Österreich von Patienten über 65 Jahre? "Herzschwäche", sagt die Internistin und Kardiologin Heidemarie Prager aus Gänserndorf (NÖ). "Sie wird oft erst spät erkannt und ihre Gefährlichkeit zu wenig beachtet." Prager ist kommenden Mittwoch beim KURIER-Gesundheitstalk am Podium (alle Details siehe in der Veranstaltungsankündigung unten).

Die Zahl der Patienten steigt: Durch immer bessere Behandlungsmöglichkeiten sterben weniger Menschen an Herzinfarkten und anderen Herzerkrankungen – aber in der Folge kann es zur Herzschwäche kommen.

"Die chronische Herzinsuffizienz wird unterschätzt, dabei ist sie bösartiger als manche Krebserkrankungen", betont Prager. Unbehandelt sterben innerhalb von fünf Jahren 40 bis 50 Prozent der Patienten.

Wichtig sei, dass die Krankheitsursache richtig erkannt und frühzeitig behandelt wird – etwa Herzklappenerkrankungen oder Herzrhythmusstörungen (siehe Grafik). "Oft erzählen Patienten, dass sie einen Leistungsknick verspüren, beim Stiegensteigen außer Atem kommen, dass ihr Herz rast oder ihre Beine anschwellen. Solche Symptome muss man erst nehmen: Herzschwäche wird zu selten erkannt. Viele älteren Menschen denken sich, ,meine geringere Leistungsfähigkeit ist eine normale Folge des zunehmenden Alters‘."

Ein erhöhter Wert des Herzhormons proBNP im Blut sei ein Hinweis auf eine mögliche Herzschwäche, bei einem Wert im Normalbereich kann diese weitgehend ausgeschlossen werden: "Leider werden die Kosten für die Bestimmung dieses Wertes im Labor – 30 bis 35 Euro – von den meisten Kassen nicht übernommen", sagt Prager.

Die medikamentöse Therapie hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert und kann die Sterblichkeit signifikant senken – doch Untersuchungen zeigen, dass weniger als die Hälfte der Patienten ihre Medikamente auch regelmäßig und in der richtigen Dosis einnimmt, sagt auch Kardiologe Prof. Christian Hengstenberg von der MedUni Wien.

Zusammenarbeit

"Dabei können sie das Herz deutlich entlasten und die Überlebensdauer verlängern. Wichtig ist, dass sie ausreichend hoch dosiert sind."

Die Herzinsuffizienz sei ein Paradebeispiel für eine Erkrankung, die die Vorteile einer engen Zusammenarbeit von Spital, Kardiologe bzw. Internist und Hausarzt zeige, betont Hengstenberg: Sie kann die Häufigkeit einer stationären (Wieder-)Aufnahme deutlich reduzieren.

Eine große Hilfe sei dabei auch die Telemedizin: Gewichts- Puls- und Blutdruckdaten etwa werden dabei täglich elektronisch an das Spital oder den niedergelassenen Arzt übertragen. "Plötzliche Gewichtszunahmen zum Beispiel durch die Einlagerung von Wasser werden so rechtzeitig erkannt, die Therapie kann angepasst werden." Die Österreichische Kardiologische Gesellschaft fordert in einem Positionspapier die Etablierung eines österreichweiten Versorgungs- und Behandlungsprogrammes (Disease Management Programm). Hengstenberg: "Es ist schon viel erreicht worden, aber wir Kardiologen würden uns noch viel mehr wünschen. Und es müssen alle mithelfen: Die Patienten, die niedergelassenen Haus- und Fachärzte, die Spitäler und die Reha-Kliniken."

Die Veranstaltung

Viele Jahre in guter Lebensqualität

„Man muss die Erkrankung akzeptieren – und aktiv bei der Therapie mittun.“ Franz Radl, 72, ist Präsident des Wiener Herzverbandes und – nach zwei Herzinfarkten – selbst von Herzschwäche betroffen. „Mit den heute zur Verfügung stehenden medikamentösen Therapien und der Bereitschaft, selbst etwas beizutragen, kann man aber sehr viele Jahre in guter Lebensqualität verbringen.“

Franz Radl, Präsident des Wiener Herzverbandes.>Bei vielen Patienten sei nach der Diagnose die erste Reaktion, „,wozu benötige ich so viele Medikamente? Die nehme ich sicher nicht‘.“ Aber: „Ich habe schon oft gesehen, wie rasch Patienten abbauen, die ihre Medikamente nicht oder nur sehr unregelmäßig nehmen und auch sonst sehr passiv sind.“

Gleichzeitig seien oft auch Lebensstiländerungen – Umstellung der Ernährung, mehr Bewegung – notwendig. Der Herzverband organisiert Turn-, Wander- oder Nordic-Walking-Gruppen, „in denen auf den schwächsten Teilnehmer Rücksicht genommen wird“. Viele Herzschwäche-Patienten würden sich nicht mehr zutrauen, wandern zu gehen: „Aber in der Gruppe sehen sie dann, dass es sehr wohl geht und dass man auch eine Verbesserung erreichen kann. In der Gruppe geht das leichter.“

Internet: www.herzverband.at