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Wissen Gesundheit
12/01/2021

Vierte Corona-Welle: Forderung nach Testpflicht im Kindergarten

Noch beruht das Testen auf Freiwilligkeit. Eltern und Patientenanwalt wollen Pflicht wie in Schulen.

von Elisabeth Gerstendorfer

Die meisten Kindergartenkinder werden derzeit nicht regelmäßig auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 getestet. Es gibt österreichweit keine einheitlichen Regelungen, auch wenn manche Bundesländer Pilotprojekte gestartet haben.

In Nieder√∂sterreich k√∂nnen Eltern etwa zustimmen, dass ihre Kinder drei Mal pro Woche mittels Lollipop-Test getestet werden. Dabei handelt es sich um einen Antigentest, der kurz im Mund gelutscht wird und rasch ausgewertet werden kann. Im Burgenland k√∂nnen Kindergartenkinder einmal pro Woche einen Lollipop-PCR-Test machen. Auch hier wird √ľber kurzes Lutschen Speichel entnommen, allerdings mittels PCR-Methode ausgewertet.

In Wien haben Kinder ab vier Jahren k√ľrzlich zwei Gurteltests mit nachhause bekommen. So sollten Eltern animiert werden, ihre Kinder regelm√§√üig zu testen.

Derzeit freiwillig

Bei allen Testm√∂glichkeiten setzt man auf Freiwilligkeit, eine Verpflichtung gibt es derzeit in √Ėsterreichs Kinderg√§rten nicht. Johanna Pichler, Allgemeinmedizinerin in Nieder√∂sterreich und Mutter von drei Kindern, ist das zu wenig. "In unserem Kindergarten ist es leider so, dass viele Eltern ihre Kinder nicht testen lassen. Mittlerweile sind zwei von vier Gruppen wegen positiver F√§lle geschlossen", sagt Pichler.

Sie l√§sst ihre beiden Kindergartenkinder bereits seit vier Wochen fremdbetreuen, hat daf√ľr eigens jemanden angestellt. "Ich kann meiner Arbeit als Allgemeinmedizinerin nicht mehr nachgehen, wenn meine Kinder immer wieder Kontaktpersonen sind. Ich f√ľhle mich im Stich gelassen, wenn es darum geht, dass im Kindergarten regelm√§√üig getestet wird."

Meist Impfgegner gegen Testen

Die meisten Eltern, die im Kindergarten ihrer Kinder den Tests nicht zugestimmt haben, seien Impfgegner. "W√§hrend diese Leute ihre Kinder nach wie vor in den Kindergarten geben, sind die, die f√ľr das Testen sind, auf Fremdbetreuung angewiesen. Vielmehr sollten aber Getestete in den Kindergarten gehen", meint Pichler. Zwar verlaufe bei vielen Kindern eine Covid-Infektion mild, sie w√ľrde sich aber sicherer f√ľhlen, wenn die Kinder getestet werden und so die Wahrscheinlichkeit f√ľr eine Ansteckung reduziert wird. "Auch wenn der Verlauf vielleicht mild ist, kann Long Covid auftreten. Ich m√∂chte mein Kind davor gesch√ľtzt wissen, dass es nicht mehr leistungsf√§hig ist und unter Konzentrationseinbu√üen leidet", betont Pichler.

Sie habe im Kindergarten angeboten, dass Eltern mit ihren Kindern auch zu ihr in die Praxis f√ľr einen Antigen- oder PCR-Test kommen k√∂nnen ‚Äď dies wurde aber nicht angenommen. Bei ihren eigenen Kindern macht die Medizinerin einmal pro Woche einen PCR-Test mittels Abstrich.

Patientenanwalt f√ľr Pflicht

Pichler hat eine Online-Petition gestartet, mit der sie sich f√ľr eine Testpflicht in Kinderg√§rten stark macht . Den nieder√∂sterreichischen Patientenanwalt Gerald Bachinger hat sie an ihrer Seite. "Wir m√ľssen uns darauf einstellen, dass wir l√§ngerfristig bestimmte Abl√§ufe brauchen, um das Virus in den Griff zu bekommen. An den Schulen haben wir gute Erfahrungen mit den regelm√§√üigen Tests. Auch im Kindergarten sollten wir die Gesundheit unserer Kinder bestm√∂glich sch√ľtzen", sagt Bachinger zum KURIER.

Das Pilotprojekt in Niederösterreich habe gezeigt, dass im Schnitt drei von vier Eltern zugestimmt haben, ihre Kinder regelmäßig den Schleckertest machen zu lassen. Er habe "vollstes Vertrauen" in Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen, dass die Tests kindgerecht stattfinden.

Kinder, die nicht an regelm√§√üigen Tests teilnehmen, sollten nicht in die Gruppen gebracht werden d√ľrfen. Bachinger: "Eltern, die aus welchen Gr√ľnden auch immer nicht mitmachen, sollten ein klares Signal bekommen, dass wenn sie sich nicht solidarisch zeigen, mit Konsequenzen zu rechnen ist. Es sollte nicht eine kleine Minderheit das Gesamtsystem gef√§hrden."

Tests umstritten

Die derzeit in Nieder√∂sterreich eingesetzten Lollipop-Tests sind allerdings hinsichtlich ihrer Qualit√§t umstritten. Zwar ist die Handhabung sehr einfach, insbesondere f√ľr Vorschulkinder, allerdings zeigen bisherige Studien, dass Antigentests, die auf Speichelproben basieren, deutlich schlechter abschneiden als solche bei denen ein Abstrich aus Nase oder Rachen genommen wird.

Grund daf√ľr ist die geringe Virenlast im Speichel. "Bis zu einem gewissen Grad kann auch ein schlechter Test besser sein als gar kein Test. Aber man darf nicht den Schluss ziehen, dass ein negativer Test wirklich eine Infektion ausschlie√üt, also man das so getestete Kind zur nicht geimpften Oma schicken kann", sagt Gregor H√∂rmann von der √Ėsterreichischen Gesellschaft f√ľr Labormedizin. Am ehesten seien hochinfekti√∂se Personen zu erkennen.

Allgemeinmedizinerin Pichler und Patientenanwalt Bachinger kennen die Bedenken zum Lollipop-Antigentest. F√ľr Pichler liegt der Vorteil in der Probengewinnung durch kurzes Lutschen im Mund. Abstriche seien bei Kindern im Vorschulalter nicht immer so einfach durchzuf√ľhren. Besser geeignet seien PCR-Tests, wie sie etwa im Burgenland einmal w√∂chentlich f√ľr Kindergartenkinder m√∂glich sind.

Bis bessere Testsysteme gefunden werden, sei aber auch der Lollipoptest geeignet, meint Patientenanwalt Bachinger. Schlie√ülich habe es auch bei den Tests f√ľr Erwachsene Erfahrungswerte gebraucht, bis sich gut geeignete Verfahren herauskristallisiert h√§tten.

Die guten Erfahrungen an den Schulen w√ľrden jedenfalls zeigen, dass Kinder bereit sind, bei Tests mitzumachen, betont Bachinger. In ersten Gespr√§chen mit der nieder√∂sterreichischen Landesregierung sei man auf Verst√§ndnis gesto√üen.

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