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Wissen Gesundheit
10/28/2021

Infekte bei Kindern: "Schwierig, Spitalsbetten zu bekommen"

RSV-Infektionen haben massiv zugenommen, vor allem bei den ganz Kleinen. Einige müssen im Spital behandelt werden.

von Elisabeth Gerstendorfer

Vermehrte Hygiene, weniger Kontakte, Lockdowns – die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie sorgten im vergangenen Herbst und Winter auch für eine Reduktion anderer Virenerkrankungen. So gab es etwa keine Infektionen mit dem RS-Virus, das die oberen Atemwege betrifft und üblicherweise meist zwischen Jänner und April verstärkt auftritt. Das Respiratorische Synzytial-Virus ist Auslöser teils schwerer Atemwegsinfekte, die zu schweren Lungenentzündungen führen und bei Risikokindern auch tödlich verlaufen können. Während Erwachsene nur einen Schnupfen bekommen, leiden Kleinkinder häufig unter Husten, Bronchitis und Luftnot, die oft ambulant oder vom Kinderarzt behandelt werden kann. Manche erkranken jedoch schwer. „Wir sehen heuer eine massive Zunahme der RSV-Fälle, vor allem bei ganz kleinen Kindern. Die Verzögerung der letzten Saison schlägt jetzt mit voller Wucht zu“, sagt der Kinderarzt Peter Voitl.

Häufig Virenkombinationen

In seiner Praxis in Wien-Donaustadt behandelt er derzeit teilweise Kinder, die er lieber im Spital sehen würde. „Mittlerweile haben wir aber Schwierigkeiten, Spitalsbetten zu bekommen. Noch ist die Situation handelbar, das Problem ist aber, dass Kinder mitunter nicht nur einen Virus haben – häufig sehen wir RS- und Rhinoviren in Kombination, Covid-19 ebenso und die Grippe kommt erst. Wir haben wirklich viele, denen es nicht gut geht“, erzählt Voitl.

Der Kinderarzt spricht von einem Nachholeffekt – die Kinder konnten vergangenes Jahr keinen Immunschutz aufbauen. RS-Viren sind sehr ansteckend, innerhalb einer Familie kann eine Ansteckung fast nicht vermieden werden.

Eine Schwierigkeit der RSV-Erkrankungen ist, dass sie einen höheren Personal- und Organisationsaufwand im Spital mit sich bringt. Kinder mit Virenerkrankungen können nicht mit anderen Kindern gemeinsam in einem Zimmer liegen, sodass es mehr Ressourcen braucht, die Station zu organisieren. Krankenpflegerinnen und -pfleger müssen bei RSV genauso gut geschützt sein, wie bei der Betreuung von Covid-19-Patienten, um das Risiko einer Übertragung auf andere Patientinnen und Patienten zu reduzieren. Der allgemeine Pflegemangel in Österreich betrifft zudem auch Kinderabteilungen.

Besonders gefährdet

Gefährdet für einen schweren Verlauf sind Frühgeborene sowie Kinder mit Herzproblemen und chronischen Lungenerkrankungen in den ersten beiden Lebensjahren. Diese Risikokinder können mit einer RSV-Prophylaxe geschützt werden. Alle vier Wochen erhalten sie eine Spritze, ein Antikörper-Präparat, das vor einer Infektion schützt. Voitl: „Normalerweise beginnen wir mit der Prophylaxe erst im November, heuer verabreichen wir sie schon seit September, da bereits viele Fälle aufgetreten sind.“

Welche Kinder das vorbeugende Mittel bekommen, entscheidet der Kinderarzt oder die Kinderärztin. Dies sei jedoch nur möglich, „wenn die Eltern in die Ordination kommen“, so Voitl. Eine Impfung gegen RS-Viren ist in Entwicklung, derzeit aber noch nicht zugelassen.

Unterschied RSV und Covid-19

Eine Unterscheidung zwischen einer Covid-19- und einer RSV-Infektion ist auf den ersten Blick nicht möglich, da viele Symptome ähnlich sind. Hier kann nur ein Test Klarheit bringen. Voitl empfiehlt, bei gefährdeten Kindern besonders vorsichtig zu sein. Bei einem einjährigen, ehemaligen Frühchen sollten etwa auch Husten und Schnupfen vom Arzt oder der Ärztin abgeklärt werden. „Bei älteren Kindern sind vor allem Fieber, Schmerzen und ein nicht Trinken und nicht Essen wollen, Gründe, zum Arzt zu gehen. Wenn der Allgemeinzustand schlecht ist, das Kind lethargisch und ein auffälliges Rasseln bei der Atmung zu hören ist, weist das meist auf RSV hin – dann sollte man direkt ins Spital fahren“, rät Voitl. Kommt es zu Atemnot – erkennbar an einer schnelleren Atmung, einem Ein- und Ausziehen der Nasenflügel, Einziehungen oberhalb des Brustbeins oder zwischen den Rippen, sowie auffälligen Atemgeräuschen wie Pfeifen – sollte ebenfalls ein Krankenhaus aufgesucht werden.

Bei Kindern, die Fieber haben, Schnupfen und Husten, aber normal essen und trinken, helfe es, das Fieber zu senken und sie zuhause zu pflegen.

Keine Therapie

Eine Therapie gegen das RS-Virus gibt es nicht, lediglich die Symptome können gelindert werden. In seltenen Fällen müssen Kinder beatmet werden. Manche brauchen im Spital Flüssigkeit in Form von Infusionen, viele benötigen zusätzlichen Sauerstoff.

Vorbeugend helfe „banale Alltagshygiene, wie regelmäßiges Hände waschen, Türschnallen sauber halten sowie hygienisches Niesen in die Ellenbeuge“. Kinder mit Fieber, starkem Husten sowie allgemeinem Unwohlsein sollten nicht in Kindergarten und Schule. Ein banaler Schnupfen ohne weitere Symptome ist kein Grund, das Kind zuhause zu lassen.  

Voitl empfiehlt Eltern von Kindern, aber auch Gesundheitspersonal, sich bald Grippeimpfen zu lassen, um die Gesundheitsversorgung auch in der kommenden Influenzasaison aufrechthalten zu können. „Der Impfstoff ist schon da, es ist bereits möglich, sich impfen zu lassen. Ich gehe davon aus, dass bei Influenza ein ähnlich hoher Anstieg zu befürchten ist.“ Die Grippeimpfung kann Kindern von zwei bis 15 Jahren über einen Nasenspray verabreicht werden, ab sechs Monaten bis zwei Jahre und ab 15 Jahren wird eine Injektion verabreicht.

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