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Wissen Gesundheit
07/03/2021

Extreme Hitze kann auch für junge Gesunde bedrohlich sein

Die Symptome einer Überhitzung, etwa trockene Lippen, sollten nicht ignoriert werden, sagt Wolfgang Schreiber, Chefarzt des Roten Kreuzes.

von Elisabeth Gerstendorfer

Die extrem hohen Temperaturen in Kanada haben nach Angaben der Behörden zu Hunderten Todesfällen beigetragen. Allein wischen Freitag der Vorwoche und Mittwoch dieser Woche wurden in der Provinz British Columbia rund 500 plötzliche und unerwartete Todesfälle gemeldet. Diese Zahl liegt 195 Prozent über dem Durchschnitt, verkündete die Gerichtsmedizin der Provinz, und wird wahrscheinlich noch steigen. Ein direkter Zusammenhang des starken Anstiegs mit der Hitze wird angenommen. Wie viel Hitze verträgt der Mensch, ab wie viel Grad wird es gefährlich?

Der KURIER fragte beim Chefarzt des Roten Kreuzes, Wolfgang Schreiber, nach: „Einen Cut-off-Wert, ab dem Hitze für Menschen problematisch ist, gibt es nicht. Es hängt sehr davon ab, wer von diesen hohen Temperaturen betroffen ist. Vor allem bei ganz Kleinen und bei älteren Menschen kann extreme Hitze zu gesundheitlichen Problemen führen.“ Für sie können bereits Temperaturen ab 30 Grad bedrohlich werden.

Bei hohen Außentemperaturen kommt es zunächst zu vermehrter Schweißproduktion und dadurch Flüssigkeitsverlust. „Schwitzen ist das Regulativ, um den Körper über Verdunstung zu kühlen. Gelingt das nicht mehr, erhöht sich die Körpertemperatur deutlich“, sagt Schreiber. Vor allem Kinder und Ältere trinken oft zu wenig, ihr Körper kann hohe Temperaturen dann schlechter ausgleichen. Erste Symptome sind meist ein trockener Mund und trockene Lippen. „Werden die Lippen trocken, ist das ein Signal, das man nicht ignorieren sollte. Dann sollte man sich in einen kühlen und beschatteten Bereich begeben“, rät Schreiber.

Wer sich bei großer Hitze körperlich anstrengt oder zu warm angezogen ist, bei dem kann es zu Hitzestau kommen. Dadurch ausgelöstes Schwitzen kann zu hohem Mineralstoff- und Flüssigkeitsverlust und in der Folge zu Kreislaufstörungen führen. Typische Symptome sind Schwindel, Benommenheit, Übelkeit, ein erhöhter Puls und eine erhöhte Körpertemperatur. Betroffene sollten viel trinken, einen kühlen Ort aufsuchen und den Körper mit feuchten Tüchern oder durch Duschen abkühlen.

Bei einem Hitzschlag kommt es zusätzlich noch zu Kopfschmerzen, Erbrechen und Muskelkrämpfen. Die Körpertemperatur steigt bis zu 43 Grad an. In schweren Fällen kann es zu Verwirrtheit bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen. Besonders bei älteren und durch Erkrankungen geschwächten Personen ist das eine bedrohliche Situation, die bis zum Versagen lebenswichtiger Organe und zum Tod führen kann. Betroffene sollten in eine kühle Umgebung gebracht und schluckweise mit Flüssigkeit versorgt werden. Bei Bewusstlosigkeit unbedingt die Rettung rufen.

Direkte Sonneneinstrahlung sollte gemieden werden, da sie die Symptome beschleunigt. „Auch für jüngere, gesunde Menschen können sehr hohe Temperaturen problematisch werden, vor allem, wenn sie sich unvernünftig verhalten und etwa Sport machen oder sich anders anstrengen. Wichtig ist, körperliche Aktivitäten zurückzuschrauben, ausreichend zu trinken und sich in beschatteten, vielleicht gekühlten Bereichen aufhalten“, empfiehlt Schreiber. Pro Tag sollten mindestens 1,5 bis drei Liter getrunken werden, ideal sind Leitungs- oder Mineralwasser, verdünnte Obst- und Gemüsesäfte sowie ungesüßte Früchte- und Kräutertees. Stark gesüßte und alkoholische Getränke sind bei hohen Temperaturen nicht geeignet.

 

Problematisch ist laut Schreiber, dass bei hohen Außentemperaturen sich auch die Wohnungen stark aufheizen. Er empfiehlt, Wohnräume möglichst kühl zu halten, etwa durch Lüften nur in der Früh und in der Nacht sowie Abdunkeln, und untertags gekühlte Orte, etwa ein Einkaufszentrum, aufzusuchen.

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