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Wissen Gesundheit
07/18/2021

Eine halbe Million Briten könnte jetzt an Long Covid erkranken

Ein Wissenschafter des Imperial College in London warnt vor tausenden Long Covid-Erkrankten, wenn die Infektionsrate von 100.000 pro Tag übersteigt.

von Anita Kattinger

Die Berechnung klingt schockierend: Der renommierte Epidemiologe Neil Ferguson vom Imperial College in London geht davon aus, dass rund eine halbe Million Briten alleine während dieser neuen Welle an Long Covid erkranken wird. Dass also Hundertausende an weiteren gesundheitlichen Folgen nach ihrer Infektion mit Covid-19 leiden werden.

Der Wissenschafter, der auch die Regierung berät, sagte in dem Interview mit dem Independent, es sei "fast unvermeidlich", dass die täglichen Infektionsraten in den nächsten Wochen einen Rekordwert von 100.000 Erkrankten erreichen werden: Die Infektionszahl könnte sogar auf mehr als 200.000 positive Fälle pro Tag ansteigen.

Kabinettsminister Robert Jenrick stimmte zu, dass die Welle, die von der Delta-Variante angetrieben wird, "herausfordernd" sein wird und bis in den September hinein andauern könnte. Die britische Regierung werde "alles tun, was wir können", um weitere Abriegelungen zu vermeiden.

Laut Ferguson wäre es ein Erfolg, wenn die Hospitalisierungen bei rund 1.000 Fällen pro Tag gestoppt werden könnten und die Fallzahl von 100.000 Infizierten pro Tag wieder langsam zurückgehen würde.

Infektionen auf diesem Niveau würden eine "signifikante Belastung" für das Gesundheitssystem darstellen, auch wenn die Impfung den Zusammenhang mit schweren Erkrankungen und Todesfällen reduziert hat, sagte der Epidemiologe.

Bereits eine Million Briten leidet an Long Covid

"Wir sehen jetzt sehr hohe Infektionsraten", sagte Ferguson. "Wir haben die Auswirkungen auf die Schulbildung gesehen. Wir haben wahrscheinlich auch eine Auswirkung auf Long-Covid-Raten. Wir wissen, dass wahrscheinlich etwa ein Viertel der Menschen, die symptomatisch an Covid-19 erkranken, Long-Covid-Symptome für einen langen Zeitraum haben werde."

Zu dem Krankheitsbild zählen Müdigkeit, Schwäche, Kopfschmerzen und "Gehirnnebel", aber auch neurologische Erkrankungen, die mehrere Monate anhalten können: "Wir sind derzeit bei etwa einer Million, die an Long Covid erkrankte, es könnte eine weitere halbe Million dazu kommen."

Der Wissenschafter machte deutlich, dass der Höhepunkt der täglichen Fälle mit 60.000 Erkrankten vom Januar übertroffen werden wird.

Was anders sein wird an dieser Welle

Inzwischen haben 88 Prozent der Erwachsenen im Vereinigten Königreich eine erste Impfung erhalten. Knapp 68 Prozent sind bereits zwei Mal geimpft.  Die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche je 100.000 Einwohner wurde zuletzt mit 360 angegeben.

Grundsätzlich wird die dritte Welle eine andere Welle als die beiden vorherigen sein: "Die beiden vorherigen erreichten ihren Höhepunkt, weil wir Abriegelungsmaßnahmen eingeführt haben - das ist der einzige Grund. Diesmal, wenn wir den Kurs nicht ändern müssen, wird sie ihren Höhepunkt erreichen, weil die Herdenimmunität erreicht wird. Danach wird es immer noch Infektionen geben, aber die Epidemie wird rückläufig sein."

Die britische Regierung zeigt sich besorgt angesichts der steigenden Anzahl von Long Covid-Erkrankten und stellt weitere 20 Millionen Pfund zur Verfügung. Die Masken und fast alle anderen Corona-Maßnahmen sollen dennoch am Montag in England fallen.

 

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