Eine ältere Frau in Sevilla erhält ihre Covid-Auffrischungsimpfung.

© REUTERS/MARCELO DEL POZO

Wissen Gesundheit
11/04/2021

Dritter Stich: Wie wirksam ist der Booster tatsächlich?

Je länger die zweite Impfung zurückliegt, desto höher das Risiko für eine Corona-Infektion. Ein Booster schützt alte Menschen und Risikopersonen ganz besonders.

von Ernst Mauritz, Ingrid Teufl

336.137 Menschen in Österreich hatten bis Dienstag eine dritte Impfung, die jetzt für alle freigegeben ist, deren zweite Impfung mindestens sechs Monate zurückliegt – der KURIER berichtete. Häufige Fragen und Antworten.

Wie viele Impfdurchbrüche gibt es?

Ein Impfdurchbruch liegt vor, wenn bei einer Person mit vollständigem Impfschema eine SARS-CoV-2-Infektion mit Symptomen (etwa Halsschmerz, Fieber) festgestellt wird. Laut AGES gab es in den vergangenen vier Wochen unter den knapp 50.000 laborbestätigten symptomatischen Corona-Infektionen knapp 20.000, die vollständig geimpft waren (39,46 %). In Bezug zu einer Bevölkerungszahl relativiert sich dieser Wert: Von 100.000 vollständig geimpften Personen in Wien sind 165 positiv getestet (mit und ohne Symptomen) und 1 Person auf der Intensivstation, so Daten aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. Von 100.000 nicht vollständig geimpften Personen sind 803 positiv getestet und 10 Personen auf einer Intensivstation. Und: Geimpfte Infizierte sind im Schnitt 1 bis 3 Tage infektiös, Ungeimpfte bis zu zehn Tage.

Sind mehr Impfdurchbrüche ein Zeichen für schlechte Impfwirksamkeit?

Nein, heißt es bei der AGES. „Es ist zu erwarten, dass es mit steigendem geimpften Bevölkerungsteil auch zu mehr Impfdurchbrüchen kommt.“ – „Angetrieben wird der Anstieg der Infektionen derzeit von den Ungeimpften, das erhöht aber auch die absolute Zahl der Impfdurchbrüche, obwohl sie in Bezug gesetzt zur steigenden Zahl der Geimpften noch immer wenig und im Bereich dessen sind, was wir erwartet haben. Der Schutz der Impfungen vor Infektionen liegt eben nicht bei 100 %“, sagt der Infektiologe Herwig Kollaritsch.

Wie hoch ist die Wirksamkeit der Impfungen?

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid-19 zu erkranken, bei vollständig gegen Covid-19 geimpften Personen nach wie vor um etwa 90 Prozent geringer als bei nicht geimpften. Die Wirksamkeit gegen eine symptomatische Infektion mit Delta liegt bei etwa 75 Prozent.

Allerdings: Daten aus Israel zeigen, dass es im Juli bei Personen, die im Jänner geimpft wurden, mehr Infektionen gab als bei Personen, die im März geimpft wurden. „Und bei Astra Zeneca geht die Immunität rascher zurück“, so Kollaritsch. Deshalb sollte diese Gruppe möglichst rasch auffrischen.

Wer bekommt welche Auffrischungsimpfung?

Empfohlen sind generell die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Wer also einen Vektorimpfstoff (Astra Zeneca, Johnson & Johnson) erhalten hat, hat seine dritte Impfung auf jeden Fall mit einem anderen Vakzin. Wer zweimal Biontech/Pfizer erhalten hat, für den ist in erster Linie als dritter Impfstoff Biontech/Pfizer vorgesehen, nach zwei Mal Moderna auch Moderna als Booster. Es gibt aber laut Kollaritsch eine Einschränkung: „Personen unter 30 Jahren sollten generell mit Biontech aufgefrischt werden. Es gibt Anhaltspunkte, dass es bei ihnen mit Moderna etwas häufiger zu Herzmuskelentzündungen kommen könnte.“

Wie wirksam ist die Booster-Impfung?

Mit dem Booster werde – vor allem bei den Älteren – der Schutz vor schweren Verläufen deutlich erhöht, sagt der klinische Pharmakologe Markus Zeitlinger. Forscher vom Clalit Research Institute in Tel Aviv verglichen die Covid-Krankenhausaufenthalte in zwei Gruppen von je rund 728.300 dreifach und zweifach Geimpften (nur Biontech/Pfizer). In einem Zeitraum von 13 Tagen mussten nur 29 Dreifachgeimpfte in einem Spital aufgenommen werden, aber immerhin 231 Zweifachgeimpfte (Wirksamkeit: 93 Prozent).17 der dreifach Geimpften und 157 der zweifach Geimpften erkrankten schwer. Und 7 Covid-Todesfälle gab es unter Personen mit drei Impfungen, 44 bei Personen mit zwei Impfungen.

Virologe Christian Drosten weist auf Twitter noch auf einen weiteren Aspekt hin: „Boostern schützt alte Menschen und Risikopatienten. Gleichzeitig kann es auch das Infektionstempo bei Ungeimpften verlangsamen – aber nicht verhindern.“

Manche Ärzte sagen, gegen die Delta-Variante wirken die Impfstoffe nicht?

Die Wirksamkeit gegen eine symptomatische Infektion ist laut RKI bei Delta um 10 bis 20 % geringer im Vergleich zu Alpha. Die Wirksamkeit gegen eine schwere Erkrankung sei aber sowohl bei den mRNA-Impfstoffen als auch bei Astra Zeneca sehr gut. Eine Ausnahme bildet das Vakzin von Johnson & Johnson: „Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass für den Janssen-Impfstoff – im Unterschied zu den anderen zugelassenen Impfstoffen – eine vergleichsweise geringe Impfstoffwirksamkeit gegenüber der Delta-Variante besteht.“

Soll man für die Auffrischung auf die Totimpfstoffe von Valneva oder Novavax warten?

„Davon rate ich angesichts der derzeitigen massiven Welle wirklich ab“, sagt Kollaritsch. „Wir wissen nicht genau, wann diese Impfstoffe zugelassen werden. Novavax liegt bei der Wirksamkeit gegen die Delta-Variante ungefähr gleichauf mit den mRNA-Impfstoffen, von Valneva haben wir noch zu wenig Wirksamkeitsdaten.“ Klassische Totimpfstoffe bestehen aus chemisch inaktivierten Virusproteinen (Novavax) oder dem gesamten inaktivierten, nicht vermehrungsfähigen Virus (Valneva). Der Novavax-Impfstoff wird bereits von der EU-Arzneimittelagentur geprüft.

Stimmt es, dass der Nachweis neutralisierender Antikörper nicht mehr ausreichen wird, um sich als „Genesen“ auszuweisen?

Ja. „Mit Stufe 2 fallen ab 8. 11. die Antikörpertests als 3-G-Nachweis weg“, heißt es im Gesundheitsministerium. Mit neutralisierenden Antikörper-Bluttests waren bisher Genesene nach Ablauf einer Sechs-Monats-Frist nach ihrer Erkrankung für weitere 90 Tage von Restriktionen befreit. Lediglich in Kombination mit dem Nachweis einer Impfung sind Tests auf neutralisierende Antikörper für Genesene eine Möglichkeit, zu einem gültigen Grünen Pass zu kommen.

Sollten angesichts der Impfdurchbrüche geimpfte enge Kontaktpersonen nicht als K2-, sondern als K1-Kontakte eingestuft werden und damit für zumindest fünf Tage in Quarantäne müssen?

„Bei Personen mit ausreichendem Impfschutz würde das derzeit keinen Sinn machen“, sagt ein Sprecher von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. Eine generelle Herabstufung auf K2 sei schon derzeit nicht vorgesehen. „Prinzipiell haben die Gesundheitsbehörden die Möglichkeit, Geimpfte oder Genesene nicht als K2-Kontakt herabzustufen, wenn davon ausgegangen werden muss, dass keine ausreichende Immunität vorliegt“ – etwa bei länger zurückliegendem Impfschutz, nicht nachweisbarer Antikörper, fortgeschrittenem Alter. „In Zeiten wie diesen mit so vielen Neuinfektionen würde ich vorschlagen, diese Bestimmung vorübergehend auszusetzen und auch Geimpfte als K1-Personen zu kategorisieren“, sagt Kollaritsch.

Ändert sich etwas im Grünen Pass?

Die Zweitimpfung gilt weiterhin für 360 Tage, die Drittimpfung verlängert die Gültigkeitsdauer vorerst um weitere 360 Tage. Sollte sich zeigen, dass die dritte Impfung auch darüber hinaus ausreichend schützt, kann sich auch die Gültigkeit des Grünen Passes verlängern.

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