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Wissen Gesundheit
11/25/2021

Dritter Stich: Warum man auf 120 Tage Mindestabstand achten muss

Ein Tag weniger, und der Booster scheint im Impfzertifikat als neue Zweit-, aber nicht als Drittimpfung auf. Neue Daten bestätigen hohe Wirksamkeit der Auffrischungsimpfung.

von Caroline Bartos, Elisabeth Gerstendorfer, Ernst Mauritz

Die dritte Coronavirus-Impfung ist nun generell mit allen Vakzinen nach vier Monaten möglich. "Die dritte Impfung kann ab vier und soll ab sechs Monaten nach der zweiten Impfung durchgeführt werden", heißt es in den aktualisierten Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums (NIG). Dabei muss man aber unbedingt darauf achten, einen Mindestabstand von 120 Tagen zur Zweitimpfung nicht zu unterschreiten. Was jetzt beim Thema Impfen wichtig ist.

Warum spricht man mittlerweile von einer Impfquote von 90 bis 95 Prozent für die Herdenimmunität?

Zu Beginn der Pandemie war von einer Impfquote von 60 bis 70 Prozent für eine Herdenimmunität die Rede, zuletzt sprach Virologe Christoph Steininger im KURIER-Interview aber von 90 bis 95 Prozent. Die Erklärung liegt darin, dass bereits die Alpha-Variante um rund 60 Prozent ansteckender war als die ursprüngliche Wildvariante, und die Delta-Variante nochmals deutlich leichter übertragbar ist. Und: Auch Geimpfte können das Virus weitergeben – aber in deutlich geringerem Ausmaß als Ungeimpfte.

Welche Impfstoffe verlieren am schnellsten an Wirksamkeit?

Eine neue Studie aus Schweden bestätigt, dass – je nach Impfstoff – die Wirksamkeit gegen symptomatische Infektionen insgesamt nach zwei Impfungen schon vor sechs Monaten abnimmt. Der Schutz vor schweren Erkrankungen bleibt aber hoch, betont das Robert-Koch-Institut (RKI). Bei Moderna lag die Wirksamkeit gegen symptomatische Infektionen nach vier bis sechs Monaten bei 59 Prozent, bei Biontech/Pfizer bei 47 Prozent. Nach zwei Impfungen mit Astra Zeneca wurde in dieser Studie nach vier Monaten gar keine Wirksamkeit mehr festgestellt. Generell zeigte sich, dass bei Männern, älteren Personen sowie Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck der Impfschutz schneller nachlässt als bei anderen.

„Ab dem vierten bis sechsten Monat nimmt die Antikörperkonzentration ab, je nachdem, welcher Impfstoff es ist“, sagt die Virologin Christina Nicolodi im KURIER-daily-Podcast. „Bei älteren Leuten schneller, bei jüngeren nicht so schnell.“ Auch sie betont, dass man sich noch anstecken kann, einen symptomlosen oder leichten Verlauf hat, „aber die Wahrscheinlichkeit, dass man einen schweren Verlauf hat oder ins Spital mus, ist weiterhin reduziert gegenüber Ungeimpften“. Die Wirksamkeit gegen schwere Verläufe halte länger an. Und Geimpfte sind auch deutlich kürzer infektiös.

Wieso jetzt eine dritte Impfung?

Viele Experten sehen die dritte Impfung als Teil der Grundimmunisierung. „Und wir wissen, dass die Impfstoffe gegen die infektiösere Delta-Variante an Leistung verloren haben“, sagt Nicolodi. Aus diesem Grund sei es wichtig, sich die dritte Teilimpfung zu holen. Eine israelische Studie zeigt: Die Wahrscheinlichkeit von Dreifach-Geimpften, in einem Krankenhaus aufgenommen zu werden, ist um 93 Prozent geringer als bei nur zweifach Geimpften. Eine neue US-Studie ergab, dass die Booster-Impfung die Antikörperspiegel deutlich stärker erhöht als die Erst- und Zweitimpfungen.

Werden wir eine vierte Impfung brauchen?

„Davon gehe ich aus, aber Daten dazu gibt es noch nicht“, sagt Nicolodi. Erst wenn diese vorliegen, werde sich ein Intervall definieren lassen. Biontech-Mitgründer Ugur Sahin geht von jährlichen Auffrischungsimpfungen aus, der Virologe Florian Krammer hingegen hält es noch für zu früh für ein derartiges Urteil.

Wie streng ist das mit den vier Monaten Abstand zwischen Zweit- und Drittimpfung?

Damit die dritte Impfung auch als 3/3 im Impfzertifikat eingetragen werden kann, muss der Mindestabstand 120 Tage betragen (Tag 1 ist der Tag nach dem Impftag der Dosis 2). „Wir müssen uns hier an die gesetzlichen Vorgaben halten – und die sind 120 Tage“, reagiert ELGA-GmbH-Geschäftsführer Franz Leisch auf zahlreiche Beschwerdefälle. Er verweist auf die Covid-Maßnahmenverordnung: Nach dieser wird ein Intervall unter 120 Tagen zwischen 2. Impfung und 3. Impfung nicht als 3. Impfung gewertet "und dies ist auch aus medizinischen Gründen nicht sinnvoll". Auch nach 119 Tagen steht also 2/2 im Impfzertifikat – es ist aber neuerlich sofort 270 Tage gültig, so wie derzeit auch die Drittimpfung. Das könnte sich aber im kommenden Jahr ändern, wenn mit der Einführung der Impfpflicht möglicherweise die Gültigkeit der Zweitimpfung von neun auf sieben Monate verkürzt wird.

In den kommenden Tagen sollen alle Ärzte detailliert informiert werden, diese 120 Tage nicht zu unterschreiten. Einen Filter im ELGA-System, der beim Stecken der E-Card auf eine Unterschreitung aufmerksam machen würde, gibt es nicht: „Das geht nicht, weil es viele medizinische Ausnahmefälle gibt, immunschwache Menschen etwa, die mehrere Zweitimpfungen bekommen.“

Gibt es vielleicht ein Rechenbeispiel?

Für die Berechnung des Mindestabstandes wird der auf die Impfung folgende Tag als Tag eins gezählt. Die Uhrzeit der Impfung ist nicht relevant. Ein Beispiel: 19.07.2021 = Tag der Impfung Dosis 2; 20.07.2021 = Tag 1; 15.11.2021 = Tag 119 (Zertifikat "2von2"); 16.11.2021 = Tag 120 : Tag der Impfung Dosis 3 (Zertifikat "3von3").

Warum wurde die Haltbarkeit des Pfizer-Impfstoffes von sechs auf neun Monate verlängert?

Zum Zeitpunkt der Zulassung hatte man nur Daten, dass der Impfstoff zumindest für sechs Monate stabil ist, sagt Nicolodi. Daten für einen längeren Zeitraum gab es damals noch nicht. „Die Haltbarkeit kann dann kontinuierlich verlängert werden, sobald man Daten für längere Zeiträume hat und wir wissen, dass die Stabilität des Impfstoffes noch gegeben ist.“ Man bekomm also keinen abgelaufenen Impfstoff.

Stimmt es, dass an Unis die Impfraten sehr hoch sind?

Ja. Sie lagen Ende September zwischen 82 und 90 Prozenz. Die Daten der Statistik Austria stammen von Ende September, mittlerweile geht man von noch höheren Werten aus.

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