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Wissen Gesundheit
11/24/2021

Bei welchen Impfstoffen die Wirksamkeit am schnellsten nachlässt

Der Vergleich zeigt, wann eine Auffrischung notwendig ist und mit welchem Impfstoff diese erfolgen sollte.

von Elisabeth Gerstendorfer

Wie lange schützen die einzelnen Impfstoffe tatsächlich vor einer Covid-Erkrankung? Die Empfehlungen dazu mussten in den vergangenen Wochen angepasst werden. Immer mehr Daten zeigen, dass die ursprüngliche Annahme, nämlich, den Booster nach frühestens sechs bis maximal zwölf Monaten zu verimpfen, nicht ausreicht, um in der aktuellen Phase hoher Infektionszahlen ausreichend Schutz vor einer symptomatischen Infektion zu bieten.

Das Nationale Impfgremium (NIG) hat auf neue Daten reagiert und empfiehlt nun generell für alle Erwachsenen ab 18 Jahren die dritte Covid-Impfdosis vier Monate nach der zweiten Dosis. Bisher war dies nur in „begründeten Ausnahmefällen“ möglich.

Schwedische Studie

Eine aktuelle Untersuchung aus Schweden bestätigt, dass – je nach Impfstoff – die Wirksamkeit gegen symptomatische Erkrankungen über die Zeit bereits früher abnimmt. Für die Studie wurden die Daten von 1,68 Millionen Menschen verglichen. Geimpfte hatten ihre ersten beiden Schutzimpfungen mit den Impfstoffen von AstraZeneca, Biontech/Pfizer oder Moderna erhalten.

Es wurde untersucht, wie lange die Wirksamkeit der Impfstoffe anhält, wann also die Wahrscheinlichkeit für einen Impfdurchbruch steigt. Ein Impfdurchbruch liegt vor, wenn bei einer vollständig geimpften Person eine SARS-CoV-2 Infektion mit Symptomen (zum Beispiel Halsschmerzen und Fieber) festgestellt wird. Ein vollständiger Impfschutz besteht bei den allermeisten Impfstoffen (Biontech/Pfizer, Astrazeneca, Moderna), wenn nach der zweiten Impfdosis 14 Tage vergangen sind. Davon abzugrenzen sind asymptomatische Verläufe unter vollständig Geimpften: Diese Personen werden zwar positiv auf den Erreger getestet, zeigen aber keinerlei Symptome. Diese Fälle gelten nicht als Impfdurchbrüche.

Wirksamkeit lässt nach

Die Wirksamkeit aller drei Impfstoffe nahm schrittweise im Lauf der Zeit ab. Über alle drei Impfstoffe gerechnet betrug sie zwei Wochen nach der zweiten Dosis 92 Prozent für symptomatische Verläufe. Nach sechs Monaten wurde nur noch ein Schutz von 32 Prozent festgestellt. Nach sieben Monaten sank der Wert auf 23 Prozent ab.

Generell zeigte sich zudem, dass bei Männern, älteren Personen sowie Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck der Impfschutz schneller nachlässt als bei anderen. Je nach Art des Impfstoffs ließ die Wirksamkeit zudem in unterschiedlichem Ausmaß nach. Die Ergebnisse im Detail:

  • Biontech/Pfizer: Gezeigt wurde, dass die Wirksamkeit des Impfstoffes von Biontech/Pfizer gegen symptomatische Infektionen schrittweise von 92 Prozent im ersten Monat auf 47 Prozent in den Monaten vier bis sechs nach der Zweitimpfung sank. Ab dem siebten Monat wurde eine Wirksamkeit von 23 Prozent festgestellt.
     
  • Moderna: Die Wirksamkeit des Impfstoffes von Moderna zum Schutz vor symptomatischer Infektion nahm etwas langsamer ab als bei Biontech/Pfizer. Nach 96 Prozent im ersten Monat sank sie auf 72 Prozent nach vier bis sechs Monaten. Nach sechs Monaten betrug die Wirksamkeit gegenüber einer symptomatischen Infektion noch 59 Prozent.
     
  • AstraZeneca: Der Impfstoff von AstraZeneca schnitt am schlechtesten ab. War der Schutz anfangs noch mit einer Wirksamkeit von 68 Prozent angegeben, wurde nach vier Monaten keine Wirksamkeit mehr festgestellt. Das gilt für das zweimalige Impfen mit AstraZeneca.
     
  • AstraZeneca/Moderna: Wurde als zweite Dosis der mRNA-Impfstoff von Moderna verwendet, so betrug die Wirksamkeit im ersten Monat nach der zweiten Impfung 89 Prozent, nach vier Monaten sank der Wert auf 66 Prozent. Das heterologe Impfen, dass also zwei verschiedene Impfstoffe geimpft wurden (AstraZeneca und Moderna), hielt den Schutz besser aufrecht als das homologe Impfen (zwei Dosen AstraZeneca).

Früher auffrischen

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass tendenziell früher aufgefrischt werden sollte, vor allem aber die von ihnen in der Studie identifizierten Risikogruppen Männer, ältere Personen sowie Menschen mit Vorerkrankungen. Ihre Empfehlung entspricht jener des NIG in Österreich, nämlich nach vier Monaten eine Auffrischung vorzunehmen. Diese Empfehlung gilt für alle Personen ab 18 Jahren.

Die Ergebnisse der schwedischen Studie sind vergleichbar mit Studien, die in Großbritannien, den USA und Katar erfolgten. Sie wurde im TheLancet als PrePrint veröffentlicht, das heißt, noch nicht von Fachkolleginnen und -kollegen begutachtet. Die Studie kann hier nachgelesen werden.

Untersucht wurde nur die Wirksamkeit gegen symptomatische Infektionen. Die Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen und Todesfolge einer Infektion liegt laut Robert-Koch-Institut weiterhin bei rund 90 Prozent.

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