In Großbritannien wird bereits ab drei Monaten nach der zweiten Impfung geboostert. In Österreich sind es vier Monate.

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Wissen Gesundheit
12/22/2021

Die Booster-Frage: Auffrischen mit RNA-Impfstoff oder Novavax?

Experte Karl Zwiauer sieht keinen Grund, der dagegen spricht. Grundsätzlich aber sollte es für die Auffrischungsimpfung so wenig Hürden wie nur möglich geben.

Österreich ist in der EU Booster-Meister: In keinem EU-Land haben mehr Menschen eine Auffrischungsimpfung als in Österreich. Mit der EU-Zulassung des Protein-Impfstoffes von Novavax stellt sich für viele aber die Frage: Auffrischen mit Biontech/Pfizer bzw. Moderna oder Novavax?

Bisher empfahl das Nationale Impfgremium die Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff. Welche Rolle künftig Novavax spielen soll, wird das NIG bei seiner nächsten Sitzung diskutieren. „Meine persönliche Meinung ist: Ich sehe in einer Auffrischung mit Novavax keine wirklichen Probleme“, sagt Impfstoff-Spezialist und Kinderarzt Karl Zwiauer, selbst Mitglied des NIG. „Die bisher verfügbaren Daten zeigen, dass auch Novavax eine gute Immunreaktion auslöst, die Werte sind mit jenen der mRNA-Impfstoffe annähernd vergleichbar.“ Allerdings wäre es eine Off-Label-Anwendung, da es für einen Novavax-Booster noch keine Zulassung gebe.

"In einer Vergleichsstudie schnitten die mRNA-Impfstoffe als Booster am besten ab, was die Stimulation des Immunsystems betrifft, aber auch Novavax war ok", sagt auch Impfstoffspezialist Herwig Kollaritsch.

Ähnlich sieht es der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl. "Bei den Booster-Impfungen ist Novavax laut einer britischen Studie nicht ganz so effektiv wie die mRNA-Impfstoffe, aber deutlich besser als die Vektorimpfstoffe", sagte er der "Augsburger Allgemeinen".

Zwiauer verweist auch darauf, dass es auch bei den Zulassungsstudien keine großen Unterschiede zwischen den mRNA-Impfstoffen und Novavax gab. "Auch wenn es zur Booster-Wirkung noch nicht sehr viele Daten gibt, so sehe ich nach all den vorliegenden Studien keinen Grund anzunehmen, dass die Unterschiede bei der Booster-Wirkung zwischen Novavax und den mRNA-Impfstoffen sehr groß sind." Allerdings: "Bei den mRNA-Impfstoffen haben wir insgesamt eine unglaubliche Datenfülle, die uns bei Novavax noch fehlt."

Grundsätzlich sollte es „möglichst wenig Hürden für die Auffrischungsimpfung geben“, sagt Zwiauer. „Wenn sich jemand den Novavax-Impfstoff zur Auffrischung wünscht, etwa weil er vielleicht früher heftig auf einen mRNA-Impfstoff reagiert hat, dann sollte das auch einfach möglich sein. Denn die schlechteste Variante ist, auf den Booster zu verzichten.“ Aus heutiger Sicht spreche jedenfalls nichts gegen Novavax als Booster."

Zumal ganz aktuelle Daten zeigen würden, dass mit der Booster-Impfung auch bei der Omikron-Variante ein sehr hoher Schutz gegen schwere Covid-Erkrankungen bestehe. "Die Wirksamkeit ist sehr hoch."

Und es gebe durchaus auch gute Hinweise gibt, dass das Mixen von Impfstoffen auch Vorteile haben könne. "Die Spike-Proteine der verschiedenen Impfstoffe haben offenbar gewisse minimale Unterschiede, das könnte einen positiven Einfluss auf die Immunantwort haben."

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission die Auffrischung jetzt bereits nach drei Monaten, in Österreich sind es vier Monate. Bisher haben sich die heimischen Experten gegen eine weitere Verkürzung ausgesprochen, um eine ausreichende Reifung der Immunzellen zu gewährleisten.

Und wie sieht es mit einem Einsatz von Novavax für Kinder aus? "Das befürworte ich nicht", sagt Zwiauer: "Der Impfstoff ist erst ab 18 Jahren zugelassen. Es fehlen uns noch die Daten für die Kinder. In dieser Altersgruppe sollte man nichts ausprobieren."

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